Im September startet Tabitha in ihr großes Abenteuer – den Transalpine Run. Hier gibts spannende Eindrücke von ihrem ersten gemeinsamen Training mit Teampartner Thibaud.

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Tag 1: Thibauds Hausstrecke: der Schwarzwald lässt grüßen!

TAR BergtrainingAuf der Bahnfahrt nach Karlsruhe schlafe ich fast ein – nur 4 Stunden geschlafen und immer noch Muskelkater vom Koppeltraining: das kann ja heiter werden… Ich kenne Thibaud nicht gut, weiß aber, dass er gerade Teer-Strecken hasst und mit Sicherheit Wege finden wird, wo es entweder runter oder hoch geht. Für mich als Ruhrpottlerin wird seine Hausstrecke am Morgen schon eine Herausforderung. Thibaud mag keine Wege, Pfade sind okay, aber am Liebsten läuft er einfach querfeldein – und das wortwörtlich. Wir nehmen ein paar Zecken, Kratzer und Stiche mit und kommen nach 24,35 Kilometern bei ihm zu Hause an.

Fazit: Wir sind 3:20 Stunden gelaufen, 60% Steigung, 930 Höhenmeter – und ich bin müde…

Dann nach einer Dusche und einem Mittagessen geht es ab in die Berge

Tag 2: Grenzerfahrung, Höhenmeter und jede Menge Spaß

Tabitha: „Mann, sind das hohe Berge…!“
Thibaud: „Nein, das da sind nur Hügel – da hinten, das sind die Berge – da werden wir laufen!“.
Tabitha: „Der ist verrückt, der Franzose verrückt…“

TAR Bergtraining ThibaudEs ist der Tag der vielen „Köpfe“. In Schöllang angekommen sind wir begeistert von der Luft, den Bergen und den entspannten Leuten und Tieren. Ab in die Salomonklamotten und Schuhe, Rucksack an, Stöcke eingepackt, genug Essen und Wasser, Mütze, Sonnenbrille und Co. Zuerst geht es hinauf zum Hinanger Wasserfall, Laufen durch Wiesen, überall das Bimmeln der Kuhglocken, wunderschöne Panoramen und jede Menge Salamander. Wir laufen zum Sonnenkopf, dann zum Heidelbeerkopf, zum Schafeggkopf und rauf zum Falkenjoch-Pass. Meine persönliche Grenzerfahrung mache ich dann am Entschenkopf. Dieser Berg macht mit seiner Höhe (2043 Meter) ganz schön Eindruck. Ab und zu kriege ich Schiss, wenn es auf beiden Seiten steil nach unten geht und überall Schnee und Nebel wartet. Thibaud dagegen ist überglücklich. Er ist eben ein „Bergkind“. Weitere empfehlenswerte Stationen: Am Gengele, Geißalpsee, Geißfuß, Geißalphorn, Rubihorn – der Berg, den man von unserer Ferienwohnung sehen kann.

Fazit: Nur 25,58 Kilometer in so vielen Stunden – unglaublich. Die 2187 Höhenmeter waren heftig, aber immerhin über 4000 Kalorien verbrannt. Thibaud versucht mir Mut zu machen: „Weißt du, beim 100 Meilen-Lauf in Barkley ist die Durchschnittsgeschwindigkeit auch nur 2,7km/Stunde…“ Trailrunning ist ein sehr vielseitiger Sport.

Tag 3: „Da können Sie nicht laufen. Das geht nicht – nehmen Sie die Seilbahn…!“

TAR Bergtraining SchneeAls wir nach ca. 13 Kilometern in Oberstdorf zwei Bergleute nach dem Weg zum Fidererpass fragen, raten sie von unserem Plan ab: Der Pass ist noch gesperrt, da liegt viel Schnee. Sie fragen, woher wir kommen und sind erstaunt – eine Ruhrpottlerin in den Bergen ist wohl nicht alltäglich. Sie freuen sich über den Franzosen, weil der ein guter „Vormann“ ist. Wir haben viel vor, ca. 50 Kilometer und den Fidererpass. Ich weiß nicht, ob meine Oberschenkel mich im Stich lassen werden. Das Bergablaufen vom Vortag hat mich ganz schön fertig gemacht. Jetzt weiß ich, warum Trailrunner immer sagen: Bergauf ist kein Ding, Bergab schießt es dich ab… Wir laufen weiter und müssen bei einer Berghütte nach dem Weg fragen. Hier hören wir wieder schlechte Nachrichten: „Da können Sie nicht laufen, das geht nicht!“ meint die Hauswirtin und schickt uns zur Seilbahn. Doch wir lassen uns nicht beeindrucken oder abschrecken. Es geht über den Söllerkopf zum Fellhorn (2038m) zum Freibergsee und dann zurück nach „Hause“… Am Ende des Tages bin ich extrem platt und weiß: ich muss mehr essen als bei Ultraläufen auf normalen Wegen,….47,1 Kilometer, 1763 Höhenmeter, schnellste Geschwindigkeit: 18 km/h und ein Hungerast auf den letzten Kilometern.

Tag 4: Lektionen auf getrennten Wegen

Wir machen zum Abschluss der Reise einen kleinen anderthalbstündigen Abschlusslauf – jeder so, wie es passt. Thibaud rennt noch einmal den Sonnenkopf hinauf, ich nehme noch mal die Wasserfälle in Angriff und denke nach. Ich habe in wenigen Tagen viel gelernt:TAR Bergtraining Wasserfall

  1. Gehen gehört zum Trailrunning – da muss man sich nicht schämen
  2. „Ungebremstes“ Abwärts laufen macht Spaß – raubt aber viel Kraft und bringt schönen Muskelkater
  3. Ich muss mehr essen, wenn ich in Bergen laufe
  4. Ich liebe meinen Laufrucksack
  5. Mit den richtigen Trailschuhen macht Berglaufen richtig Laune
  6. Deutschland ist wunderschön – und die normalen Wege zu verlassen lohnt sich

Wir werden den Transalpine-Run fit und fröhlich meistern, es wird kein Kinderspiel, sondern ein harter langer Weg. Aber wir sind sicher, dass wir es schaffen – zusammen.

 

 


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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