„Ich wollte einfach wissen, wie sich das anfühlt!!“

Bild1Einmal im Leben muss das sein: 3,8 Kilometer Schwimmen, anschließend 180 Kilometer Radfahren und danach noch einen Marathon laufen – das dachten RUNNERS POINT Expertin Tabitha Bühne und World of Running Storemanager Florian Erlinghagen. Beide haben am vergangenen Sonntag ihre erste Langdistanz im Triathlon erlebt – zusammen mit rund 3.100 anderen Einzelstartern und 220.000 Zuschauern im fränkischen Roth.

Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen:

Wie kommt man darauf, eine Langdistanz zu machen?

Flo: Ich brauchte eine neue Herausforderung, die mich an meine Grenzen bringt.

Tabitha: Alles wegen Paula Newby-Fraser (achtfache Ironman-Hawaii Siegerin). Ich wollte einfach wissen, wie sich das anfühlt!

Was hat dein Umfeld dazu gesagt?

Flo: Sie reagierten überrascht, erstaunt und auch gespannt. Nach dem Motto: Was hat der Junge denn jetzt wieder vor?! Die Idee dabei zu sein fanden sie aber von Anfang an gut.

Tabitha: Meine Freunde waren nicht überrascht, weil ich jedes Jahr eine lustige sportliche Idee habe. Meine Familie hat sich Sorgen gemacht – aber sie sind ja den Kummer gewohnt.

Wie lange hast du dich auf Roth vorbereitet?

Bild 4Flo:  Alles in allem 1 Jahr. Zu meiner Vorbereitung zählten unter anderem der Berlin-Marathon, 70.3 Ironman Lanzarote, Challenge Kraichgau und einige Halbmarathons.

Tabitha: Kommt drauf an, was man unter Vorbereitung versteht. Ich habe im letzten Jahr ein paar Ultra-Läufe, meine erste Mitteldistanz und zwei „kleine“ Triathlons gemacht. Aber ich wurde in diesem Jahr mehrfach durch Krankheit richtig ausgebremst und war nicht sicher, ob es mit Roth wirklich klappt…

Wie bereitet man sich mental darauf vor?

Bild 5Flo: Ich habe mir vor allem bei den langen Läufen und Radausfahrten immer wieder vorgestellt, wie ich ins Ziel einlaufe. Das hat mir immer wieder neue Motivation beim und für’s Training gegeben.

Tabitha: Ich merke im Training, wann es im Wettkampf kopftechnisch schwierig werden könnte und überlege mir eine Reaktion darauf. Mir machen „Kloppereien“ im Wasser Angst – also habe ich beim Schwimmtraining durch Tauchen, Purzelbäume und Atemübungen diese Situationen „geübt“ und fühlte mich dann sicherer. Beim Radeln habe mir vorgenommen, bei „Motivationslöchern“ innerlich mein Lieblingslied zu singen. Beim Laufen sage ich mir immer: Du bist schon ganz andere Strecken gerannt, jetzt stell dich nicht so an!

Was isst man denn bei dieser Distanz?

Bild 6Flo: Das habe ich mich vorher auch gefragt. Ich habe jede Stunde ein Gel zu mir genommen, bis Stunde 7 des Wettkampfs. Zudem Salze und isotonische Getränke. Beim anschließenden Lauf habe ich nur noch Cola und Wasser getrunken und das bei ziemlich jeder Verpflegungsstelle.

Tabitha: Beim Schwimmen ungewollt Algen und Füße – nein, Scherz beiseite, natürlich nichts. Beim Radfahren alle 45 Minuten einen Riegel oder Gel von Ultra Sports mit Natrium und Koffein. Ab und zu einen Gel Chip für den Kopf. Beim Laufen nehme ich immer Wasser und Cola abwechselnd, etwas Salz und Wassermelone. Und hinterher alles, was ich kriegen kann – vor allem Kuchen, Buttermilch und Eis.

Was für ein Gefühl ist es, am Solarer Berg durch die Menschenmassen nach oben zu fahren?

Flo: Das ist richtig geil. Ich habe mich für die paar Minuten wie ein Held gefühlt. Es gibt viele einsame Kilometer – dann freut man sich auf Momente wie den Solarer Berg, die einen gewissermaßen belohnen.

Tabitha: So ähnlich muss sich das bei der Tour de France anfühlen, wenn die Massen die Athleten anpeitschen und gerade so viel Platz freigeben, dass man durch kommt. Den Berg merkt man nicht. Gänsehaut pur!

Gab es schwierige Momente – hast du daran gedacht, aufzuhören?

Bild 8Flo: Am schwierigsten war das Schwimmen – da ich nach 3 Kilometern ziemlich neben der Spur war. Das Laufen war hart, letzten Endes aber am einfachsten. Man kommt dem Ziel immer näher und ich konnte mehr oder weniger bis zum Ende durchlaufen. Ans Aufhören gedacht habe ich mehrmals… aber es war nie wirklich eine Option!

Tabitha: Alles kam anders… Ausgerechnet meine stärkste Disziplin, auf die ich mich echt gefreut habe, wurde ein schwerer Kampf. Ich habe schon beim Radfahren Halsschmerzen gehabt – aber beim Laufen hat mein Hals „dicht“ gemacht und ich bekam keine Luft mehr. So etwas hatte ich noch nie. Da kommen einige komische Gedanken: Was wird meine Mama sagen, wenn ich jetzt umfalle? Ist das noch eine Folge vom Pfeifferschen Drüsenfieber im Frühjahr? Was mache ich, wenn ich ersticke? Aber aufhören kann ich nicht, ich hab einen extrem sturen Kopf!

Was passiert in Kopf und Herz, wenn man kurz vor der Ziellinie ist?

Flo: Für das Gefühl lohnt sich der ganze Aufwand. Einfach nur unbeschreiblich und vor allem nicht käuflich!

Tabitha: Wie eine Heldenreise, die zu Ende geht. Man hat alle „Riesen“ besiegt – vor allem sich selbst. Ich war glücklich, dass ich zusammen mit Freunden ins Ziel lief. Das ist beim „Ego-Sport“ Triathlon nicht immer selbstverständlich.

Was wirst du aus diesem Wettkampf mitnehmen/ Was hat dich am meisten beeindruckt?

Bild 10Flo: Da gibt es einige Punkte. Da wäre die Erkenntnis, wozu mein Körper in der Lage ist. Ich bin 2011 meinen ersten Halbmarathon gelaufen und war überwältigt von der Tatsache, dass ich es geschafft habe. Das Limit lässt sich doch stark verschieben. Wahnsinn! Mit Wille und der richtigen Moral ist eine Menge machbar.

Tabitha: Die tolle Landschaft, die netten, begeisterten Menschen an der Strecke, meine Kumpels – vor allem Staffelläufer René, der mich nicht mehr allein gelassen hat, als die Luftnot begann.  Und dass es sich lohnt, sich in schweren Zeiten selbst zu überwinden. Der Mensch ist ein Wunderwerk!

War es das erste – oder das erste und letzte Mal?

Bild 11Flo: Es war das erste Mal und – Stand heute – nicht das letzte Mal. Nach dem Wettkampf habe ich erst gesagt: „Nie wieder!“ Jetzt denke ich schon, dass ich das nochmal machen muss. Alleine schon, weil man sich jetzt die Belastungen vorstellen kann und ganz anders an die Sache herangeht. Ich denke, dass ich mich nochmal für eine Langdistanz anmelden werde. Ob das im nächsten Jahr sein wird, hängt ja auch von vielen Faktoren ab wie Familie, Arbeit etc.

Tabitha: Och, warum nicht. Aber dann bitte ohne Halsschmerzen und Luftprobleme, damit ich es auch bis zum Schluss genießen kann.

Was würdest du jemandem raten, der auch bald das erste Mal eine Langdistanz macht?

Flo: Sich gut beraten zu lassen. Man sollte sich zwingend an die Trainingspläne halten (die braucht man meiner Meinung nach unbedingt) und vorher diverse Wettkämpfe gemacht haben. Darüber hinaus empfiehlt es sich, dass einen Familie und Umfeld bei so einem Projekt unterstützen. Man muss es insgesamt gut planen.

Tabitha: Mach ordentlich Kilometer und Koppeltraining, teil das Rennen mental und kräftetechnisch gut ein und bleib locker wegen der Ausrüstung – die „Materialschlacht“ muss nicht sein. Ich bin mit einem einfachen Rennrad gestartet, habe ein Fitting bei Fachleuten gemacht und mich sehr mit Trainingslehre, Ernährung und Stabi-Übungen beschäftigt. Und das Wichtigste ist: Immer fröhlich bleiben – wir machen das alles ja freiwillig…


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Ein toller Artikel! Herzlichen Glückwunsch Tabitha und Flo! Da bekommt man ja selbst fast Lust das Ding mal zu machen … 😉

Hallo André – ist auf jeden Fall eine krasse, tolle Erfahrung! Lohnt sich! 🙂

Tolle Leistung, Ihr habt dafür meinen Respekt! Gute Erholung und viel Spaß im Urlaub, Florian!

der Name fehlt doch noch…..

Klasse Leistung und interessanter Bericht. Soweit sind wir noch nicht, aber auch wir werden unsere Erfahrungen demnächst machen und wie versprochen, berichten. Die richtige Versorgung haben wir ja; dank euch.
Gruß vom gesamten Oxfam Trailwalker Team „Oldenburgische Luftlandebrigade 31“ und bis bald.

Hi Maik. Und wir sind schon ganz gespannt, wie es bei euch laufen wird! Viel Freude beim Training und liebe Grüße an das Team – wir drücken euch die Daumen!

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