Die Kraft der Berge: Nach dem Transalpine Run zieht es Tabitha wieder nach Österreich. Diesmal zu einem Laufevent mit geballter Frauenpower. Alles über ihre Erfahrungen beim Viking Women’s Trail lest ihr hier.

ein Erlebnisbericht von

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Totale Rastlosigkeit auf der Raststätte – alle sind im Wochenend-Trubel. Ich bin gerade auf dem Weg vom Ruhrpott in die Berge und will mir nur kurz einen Kaffee holen und die Beine vertreten. Also jogge ich los. Eine schicke ältere Dame mit Pudel hält mich auf: „Na sind Sie auf der Flucht, junge Dame?“ Ihr Pudel knurrt. „Nein, ich bin auf dem Weg zum Viking Women`s Trail in Österreich…“ Sie sieht mich irritiert an. Ich erkläre ihr kurz, dass es um ein Wochenende unter Mädels geht, um Laufen in den Bergen, Wellness und leckeres Essen. Und dass es so wunderschön ist, in den Bergen zu laufen. „Aber warum läuft man denn ausgerechnet in den Bergen?“ Ich habe eigentlich keine Zeit und weiß nicht, wie ich einer ca. 80 jährigen Frau mit Pudel und hohen Hacken mein Hobby erklären soll. Also sage ich nur: „Weil es Spaß macht, probieren Sie es doch mal aus!“

Als ich wieder im Auto sitze denke ich über die Frage der Dame nach. Natürlich kann man überall laufen, das mache ich ja auch. Aber die Berge haben wie das Meer irgendwie eine besondere Wirkung. Sie geben das Gefühl der absoluten Freiheit und Seligkeit. Ich muss an diesen alten Spruch denken: „In den Bergen ist man dem Himmel einfach am nächsten“. Was suche ich denn bei dem Lauf in den Bergen? Will ich ein Stückchen Himmel sammeln? Das hört sich seltsam an. Ich nehme mir vor, beim Viking Women`s Trail der Sache weiter auf den Grund zu gehen und andere Teilnehmerinnen nach ihrer Meinung zu fragen.

Die Nacht – und die Macht der Stille

Es ist dunkel, aber der Startbereich in Neukirchen am Großvenediger ist hell erleuchtet. Junge und ältere Frauen, ambitionierte „Bergziegen“ und entspannte Hobby-Läuferinnen unterhalten sich, bringen ihre Stirnlampen an und machen sich für die erste Etappe bereit. Sarah ist die jüngste Teilnehmerin mit ihren 19 Jahren und ist hier in Neunkirchen zu Hause. Sie freut sich auf das „Heimspiel“ in den Bergen und hofft auf eine Platzierung. Ganz anders geht es der 65-jährigen Christiane aus dem flachen Hamburg – sie ist mit ihren beiden Töchtern angereist, die haben sie überrascht: „Meine Kinder haben mir dieses Event zum Geburtstag geschenkt. Ich weiß aber gar nicht, ob ich das schaffen kann! Bei uns gibt es ja gar keine Berge.“ Christiane fasziniert mich, ich kenne nicht viele Frauen die in dem Alter noch so fit sind. Sie hat mit 48 Jahren angefangen, heimlich für einen Marathon zu trainieren – dann konnte sie nicht mehr aufhören. Sie schaut auf die Uhr, gleich geht es los. Um 20 Uhr läuft die erste Frau auf die 5-Kilometer-Strecke durch die Nacht. Es ist wunderbar, in der Dunkelheit am Fluss entlang zu laufen. Man hört den Wind, das Rauschen des Wassers und die eigenen Schritte. Es macht die Seele still nach der langen Fahrt und einer stressigen Woche. Dann kommt der steile Abschnitt durch den Wald auf einem schmalen Pfad. Und ich spüre, warum ich das Trailrunning in den Bergen so liebe: Es ist Abenteuer, Abwechslung und das Gefühl kurz wieder ein Kind zu sein. Der Nachtlauf ist geschafft – im Ziel wartet man aufeinander, trifft sich mit den Freundinnen oder Unbekannten beim leckeren Essen und genießt den Abend zusammen. Die Stimmung ist herrlich – entspannt und fröhlich.

Wasserfälle, Wellness und ein Women`s Dinner

Beim Frühstück erzählt mir eine Teilnehmerin, dass sie schon um 4 Uhr in der Frühe aus dem Fenster geschaut und ganz begeistert den Sternenhimmel registriert hat. „Heute kann ich endlich mal meinen Laufrock tragen, das Wetter ist perfekt!“ Diese Frau liebt die Berge, „sie haben ja auch meine Beziehung gerettet!“ Vor einigen Jahren standen sie und ihr Freund an einem Scheidepunkt. Sie nahmen an einem Etappenlauf in den Bergen teil – „man sagte uns, dass so ein Rennen die Paare entweder trennt oder verbindet. Also sahen wir es als letzte Chance…“ Sie verstanden sich prächtig, haben Probleme aus der Welt schaffen können und die Beziehung hält bis heute. Ich muss wieder schmunzeln, die Berge sind doch wunderbar. Die zweite Etappe wartet auf uns. Die Sonne kitzelt, die Luft ist frisch und die 15 Kilometerstrecke führt uns über Straßen Stock und Stein an Wasserfällen vorbei zu herrlichen Ausblickpunkten. Am Nachmittag geht es dann weiter mit Yoga, Massage und Saunagängen. Hier treffe ich auf zwei Freundinnen aus Frankfurt. Sie sind begeistert von dem Wochenende. „Die Stimmung so toll, man hilft einander und fragt auch mal die Läuferin hinter einem, ob sie überholen will! Beim Marathon ist das so anders – da macht man sich extra breit und kämpft sich durch die Massen. Hier macht es echt mehr Spaß und die Zeit geht auch viel schneller um, weil die Strecke spannender ist, abwechslungsreicher.“ Ich nicke und schmunzle wieder. Das 5-Gänge Ladies Dinner sorgt für den perfekten Abschluss dieses Tages. Ich sitze mit Christiane und ihren Töchtern zusammen und wir lachen, erzählen uns von bisherigen Läufen und freuen uns auf den Bergsprint am nächsten Morgen.

Cowboys und Indianer?

Beim Bergsprint am Sonntag um 10 Uhr treffe ich Samia. Sie ist in Frankreich geboren und aufgewachsen, lebt aber seit einigen Jahren in München. Sie hat mit dem Laufen angefangen, um ihren Stress und Schlafstörungen in den Griff zu bekommen. Es hat funktioniert, „seit ich laufe, schlafe ich wie ein Baby. Es ist herrlich – und in den Bergen ist es noch schöner!“ Die Luft, die Geräusche, der Wind – alles fühlt sich anders an, intensiver. Die Beine arbeiten auf dem Weg nach oben. Und wenn man dann den höchsten Punkt erreicht hat und nach unten schaut, dann überkommt mich ein Gefühl der Freiheit. Alles wirkt so klein und auch die Sorgen verlieren ihre Bedeutung, die Dimensionen ändern sich. Ich schaue den anderen Läuferinnen beim Zieleinlauf zu. Sie sehen genauso glücklich aus wie ich mich fühle. „Das war ja krass – die Natur ist ja der Hammer hier!“ ruft die junge Frankfurterin Anna begeistert, „ich dachte zwischendurch echt, gleich kommen Cowboys und Indianer um die Ecke!“ Christiane kommt jubelnd mit ihren Töchtern ins Ziel. Wir nehmen uns in die Arme, und ich sehe in ihren Augen das Gefühl, dass uns die Berge geben: „Ich bin mit dem Weg gewachsen, jetzt, hier oben, bin ich frei und stärker als zuvor!“ Ja, das Laufen in den Bergen macht fröhlich und fit. Und egal, ob man wie Stefanie Felgenhauer, die Siegerin der 3 Etappen, die Berge in Windeseile hinauf jagt, wie Christiane nur ankommen will oder wie Nathalie den Geburtstag laufend in den Bergen verbringt, um endlich die Höhenangst zu überwinden – es lohnt sich, dabei zu sein. Die 19-jährige Lokalmatadorin Sarah hat es auch auf das Podest geschafft, Christiane hat alle 3 Läufe erfolgreich gefinisht und alle Teilnehmerinnen genießen zusammen das Mittagessen und die abschließende Siegerehrung.

 

Was von den Bergen übrig bleibt

Auf dem langen Rückweg in die flache Heimat mache ich wieder Pausen. In einem Autohof treffe ich auf 3 Frauen, sie sind ganz vertieft in ihre Fast Food-Mahlzeit und starren gleichzeitig auf ihre Mobiltelefone. Sie sehen müde aus und beschweren sich über Kopfschmerzen, Stress und ein verkorkstes Wochenende. Ich muss schmunzeln – würde ihnen so gerne ein Stückchen der Freude abgeben, die mir die Zeit in den Bergen mitgegeben hat. Die Bilder und Erinnerungen werden noch lange in Herz und Kopf bleiben. Und das Beste ist: man nimmt ein Stück der Freiheit mit in die neue Woche. Ich werde wiederkommen, um wieder „ein Stückchen Himmel zu sammeln“. Also: Danke an Plan B für die tolle Organisation – und allen Mädels für den großen Spaß!

Bilder: Harald Wisthaler


Kategorien : Erlebnisberichte & Events Events Womens Special


Hey Tabitha,
Das Laufen oder auch einfach der Aufenthalt in den Bergen ist was ganz besonderes. Weil dort die Natur ursprünglich ist. Meistens jedenfalls. Und wenn man dort auch noch Laufen darf (was ich als Privileg empfinde) und eins wird mit den Bergen ist das der schönste Moment von dem man noch lange zehrt. Man kann es allerdings, so finde ich, jemandem der es noch nie gemacht hat schwer erklären; dieses grandiose Gefühl.

Und nebenbei gesagt finde ich es sehr schön das Du wieder lachst. So, genau so muss es sein 😉

LG Carsten

Hallo Carsten!
Ja, du weißt, wie es in den Bergen ist – und kannst es nachvollziehen. Man kann eben nicht alles einfangen und mitnehmen für andere…das stimmt.
Danke für dein Feedback – und zu lachen macht mir auch mehr Spaß 🙂

Bleib fröhlich und fit!
Tabitha

Dann macht das Bein also wieder mit. Klasse! Und ein sehr schöner Bericht.

Hi chriba76,

ja, das Bein heilt – und hält! 🙂 Muss zwar noch aufpassen und darf nicht schnell laufen, aber ich kann mich schmerzfrei bewegen und bin total dankbar, dass es so schnell aufwärts geht. Danke! Hoffe dir geht es auch gut!
LG
Tabitha

Hallo Tabitha,
Ich kann nicht sagen, wie oft ich deinen Bericht schon gelesen habe, denn -Kompliment – erst ist dir wirklich gut gelungen.Trotz meines Alters werde ich mich intensiv für berglaeufe interessieren und suche mir ein neues event.
Nordische gruesse

Christiane

Hallo liebe Christiane,

danke für dein liebes Feedback! Da habe ich mich sehr drüber gefreut. Es war echt eine fabelhafte Zeit und ich bin sehr dankbar für das lustige Wochenende – und dass ich euch getroffen habe. Ich habe auch noch oft von dir erzählt, finde es klasse wie fit du unterwegs bist. Bestimmt sehen wir uns bei einem Berglauf wiedersehen, das wäre doch ein Spaß! Bleib fit und fröhlich – und grüß deine Töchter von mir und Hamburg!!!

Tabitha

LIebe Tabitha,

Danke für den tollen Bericht – ich konnte leider nur den 15 km-Lauf mitmachen, alles andere wäre zu viel gewesen, da ich mir zwei Wochen vorher den Knöchel bei einem Berglauf / umgeknickt etwas lädiert hatte.
Kann Dir nur zustimmen – ein super Wochenende, das Laune machte 🙂 Und ja, in den Bergen laufen ist einfach schöner als bei einem Stadtlauf …
Viele Grüße aus Nürnberg
Anette

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