Warum nur ein Rennen laufen, wenn man auch fünf laufen kann? Das dachten sich unsere Experten auch und gingen beim Brüder Grimm Lauf an den Start. Welche Freuden und Schwierigkeiten so ein Etappenlauf mit sich bringt und was auf jeden Fall ins Reisegepäck gehört, erfahrt ihr hier.

Brüder Grimm Lauf 1Unsere Laufexperten haben sich motiviert und voll bepackt auf den Weg zu einem der wenigen Etappenläufe Deutschlands gemacht. Bei dem Brüder Grimm Lauf (BGL) gilt es an drei Tagen fünf Etappen mit 82 Kilometern und 1.000 Höhenmetern zu bestreiten. Die abwechslungsreiche Strecke führt über alte Handelswege von Hanau (dem Geburtsort der Brüder Grimm) nach Steinau durch den schönen Spessart. Für 72 Euro Startgeld bekommt man fünf Läufe, eine reichhaltige Pastaparty mit Unterhaltungs-Programm (Märchenstunde inklusive) sowie Übernachtungsmöglichkeiten in Turnhallen. Nach einigen Etappen können sich die Teilnehmer kostenlos massieren lassen. Der Lauf zeichnet sich durch ein familiäres Miteinander und viel Spaß aus – ist aber nicht zu unterschätzen: von 583 gestarteten Läufern erreichten 476 das Ziel.

Die Etappen im Überblick

Brüder Grimm Lauf 21. Etappe (Rotkäppchen): Freitag um 17:30h von Hanau nach Niederrodenbach 14km bei 31 Grad – für 586 Läufer fällt der Startschuss zur flachsten Etappe des Laufs.

2. Etappe (Dornröschen): Samstag um 09:30h von Niederrodenbach nach Neuenhaßlau. 14km mit ersten Höhenmetern in einem bewaldeten Gebiet, bevor es ab Kilometer 10 abwärts durch sonnendurchflutete Felder geht.

3. Etappe (Schneewittchen): Samstag um 16:30h von Neuenhaßlau nach Gelnhausen. 16km – ein Anstieg, hohe Luftfeuchtigkeit und die hochsommerlichen Temperaturen fordern uns. Das Ziel ist im Leichtathletik-Stadion Gelnhausens.

4. Etappe (Frau Holle): Sonntag 09:00h von Gelnhausen nach Wächtersbach. 16km – der Start findet auf dem von Fachwerkhäusern umrahmten Untermarkt statt. Bei ca. 370 HM und hohen Temperaturen ist jeder Schatten hilfreich.

5. Etappe (Hänsel und Gretel): Sonntag 15:30h von Bad Orb nach Steinau 18km. Gnadenlose 38° – im Glutofen des Main-Kinzig-Kreises gibt es kaum schattige Laufpassagen und nach 1,5km auf ebener Strecke folgte ein Anstieg, wo viele Läufer gehen müssen. Nach der Hitzeschlacht werden beim Zieleinlauf alle Läufer frenetisch gefeiert und erhalten das wohl verdiente Finisher-Shirt.

Sieger des Rennens: Nina Vabic bei den Frauen und bei den Herren Jörn Harland. Sabine Schmitt (Run2 by RUNNERS POINT-Filiale in Mainz) war zweitschnellste Frau. RUNNERS POINT-Expertin Tabitha Bühne wurde 7te und Sandra Klabunde (Run2 by RUNNERS POINT-Filiale Krefeld) 32te. Uli Amborn (Filiale Bergen-Enkheim) belegte den 8.Platz der Männer, Laufexperte Peter Jamsek wurde 188ter und Martin Maasackers 292ter.

1)    Wie kommt man auf die Idee, im Sommer einen Etappenlauf zu machen?

Brüder Grimm Lauf 10Martin: Ich weiß gar nicht mehr genau, wie die Idee entstanden ist… Ich glaube, wir haben was über den BGL gelesen und uns dann entschieden dort mitzulaufen. Und da war schnell klar: wenn wir starten, dann zusammen!

Tabitha: Meist passiert so was in „Bierlaune“ oder auf der Suche nach neuen Zielen. Ich wollte 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: zusammen ein schönes Event erleben und mich auf den Transalpine Run vorbereiten. Es gab zwar nur ein paar kleine Hügel, aber zwei Läufe pro Tag sind trotzdem eine gute Schule – und ich weiß jetzt, dass mir Etappen Spaß machen!

Peter: Also – in Wirklichkeit war das so: die Idee kam mir, nachdem ich einen Bericht von unserem Kollegen Jochen Heringhaus gelesen hatte. Daraufhin meldete ich uns alle drei für den BGL an. Das Pfingstwochenende passte perfekt in meine Trainingsplanung und im Spessart bin ich vorher auch noch nie gelaufen.

2)    Was hat dich am meisten beeindruckt?

Brüder Grimm Lauf 3Martin: All die Finisher, die dieses Jahr mit außergewöhnlichen Leistungen bei extremen Wetterbedingungen geglänzt haben. Auch die gelebte Freundlichkeit der Leute am Streckenrand hat mich begeistert – da wurden Getränke gereicht oder eine Wanne mit kaltem Wasser zur Erfrischung bereitgestellt. Ganz toll!

Tabitha: Trotz des Wettkampfes gibt es ein Miteinander, man motiviert sich gegenseitig. Außerdem trifft man sich mindestens zwei mal wieder: Auf der vorletzten Etappe habe ich einen Läufer (Sebastian) kurz vorm Ziel eingeholt. Wir haben uns noch unterhalten und sind uns dann bei der letzten Etappe ungeplant wieder begegnet. Sich gemeinsam durch die 18 Kilometer bei der Affenhitze zu kämpfen hat deutlich mehr Spaß gemacht! So lernt man Leute kennen – aber auch sich selbst: wie überliste ich Kopf und Beine bei 38° C und zwei Läufen pro Tag? Etappenrennen sind mental und körperlich eine Heldenreise… und man geht glücklich nach Hause.

Peter: Die perfekte Organisation des Veranstalters. Der reibungslose Ablauf der gesamten drei Etappentage. Die Strecke war interessant und abwechslungsreich gewählt. Der Shuttleservice, die Massagen für die Läufer im Ziel und die Verpflegung waren gut organisiert. Außerdem war die Stimmung bei den Läufern sehr familiär.

3)    Was ist dir am schwersten gefallen?

Brüder Grimm Lauf 5Martin: Ganz ehrlich: Die Motivation nach der ersten Etappe (bei der ich einige Probleme mit meinem Fuß hatte) wiederzufinden und noch vier weitere Male zu laufen. Zum Ende der Etappe war ich mir fast sicher, dass es keine weitere mehr geben wird. Aber mein Kopf und meine Freunde haben mich aufgepäppelt und ich ging deutlich lockerer am nächsten Morgen an den Start. Und es hat funktioniert.

Tabitha: Die Hitze, der Schlafmangel und dass es oft keine Eisdiele in der Nähe gab (lacht).  Außerdem hatte ich vorm Rennen schon eine Woche Bergtraining in den Waden. Aber sonst war alles wunderbar.

Peter: Einzuschätzen, wie die Kräfte einzuteilen sind, wenn man im Gegensatz zu Einzelwettkämpfen zweimal am Tag an den Start muss. Hinzu kam, darauf zu achten die richtige Menge an Nahrung zwischen den Tagesetappen zu sich zu nehmen.

4)    Was unterscheidet ein Etappenrennen von anderen Wettkämpfen?

Brüder Grimm Lauf 6Martin: So ein Etappenlauf bedarf einer etwas anderen Planung als ein Ein-Tages-Rennen. Da fragt man sich nicht nur: was brauche ich an Riegeln, Gels, Isopulver, Fußpflege, Brustwarzenpflaster und Laufoutfits? Sondern es stellt sich auch die Frage, ob man im Hotel oder in der Turnhalle mit den anderen Teilnehmern übernachtet, wie man das Auto zum Zielort bekommt oder wer braucht wie lange, wer muss warten.

Tabitha: Man geht quasi ohne Regeneration wieder ins Rennen – deshalb muss die Kraft optimal eingeteilt werden, um in den drei Tagen nicht einzubrechen. Du kannst bei jeder Etappe straucheln oder über dich hinauswachsen – es zählt nicht nur eine Tagesform. Außerdem muss man mehr auf den Magen und Darm aufpassen. Und mental ist es eine andere Herausforderung – ein starker Wille kann da sehr helfen. Ich liebe Etappen.

Peter: Nach einem „normalen Wettkampf“ folgt die Regenerationsphase, die der Athlet selbst bestimmen kann. Beim Etappenlauf ist diese Phase vom Veranstalter vorgeben und viel kürzer. Jeder Läufer – abhängig vom Trainingszustand, Leistungsklasse und Alter – verkraftet das anders. Wichtig ist, sich vorab zu informieren welche Temperaturen vorherrschen, welche Verpflegung angeboten wird und welcher Laufuntergrund mich erwartet.

5)    Was hast du alles in deinen Koffer gepackt? / Was darf man auf keinen Fall vergessen einzupacken, wenn man zu so einem Event fährt?

Martin: Neben den oben genannten Dingen kamen auch noch Sonnencreme, Straßenatlas und natürlich Badeschlappen dazu. Ich persönlich habe mir eine Checkliste gemacht, um nichts zu vergessen. Und es hat auch ganz gut hingehauen.

Tabitha: Also neben dem ganzen normalen Kram eine Matte und Musik für die Pausen, Visor oder Kappe, Laufbrille, Kompressionssocken, Body Glide, FootDoc für die Füße, meine Lieblingskekse, Level X, Gel-Chips und Rote Beete Saft.

Peter: Ich hatte für jede Etappe ein komplettes Sommer-Outfit dabei, ergänzt durch ein Langarm-Shirt und eine dünne Laufjacke. Außerdem drei Paar Laufschuhe für verschiedene Untergründe und jede Menge Gels, Iso-Pulver, Sonnenschutz und Brustwarzenpflaster.

Brüder Grimm Lauf 9


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Es war nett, dieses Jahr so viele RUNNERS POINT Kolleginnen und Kollegen beim BGL begrüßen zu können. Ich hoffe, es hat Euch auch gefallen, denn nächstes Jahr ist schließlich die 31. Auflage dieses beliebten Laufs.
Und da gibt es dann auch wieder ein anderes Märchen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

* *

Angemeldet als . Abmelden »