Vom Abschied und was übrig bleibt

 von

Etappe 8 – Dolomiten, Wein und Freudentaumel?

IMG_5767Bei der langen Fahrt nach Hause kommt mir die Zeit in den Alpen schon so weit weg vor, unwirklich – alles was wir dort erlebt haben. Wie viel haben wir gelacht, wie viel Freude und Spannung erlebt. Meine Tasche liegt neben mir. Oben drauf sehe ich die vielen bunten Briefe meiner Schwester. Jeden Tag habe ich einen von ihr bekommen – nach jeder Etappe hat sie mir Mut gemacht, mich zum Lachen und Nachdenken gebracht. Wie viel unverdiente Liebe gibt es in unserem Leben…? Menschen, die mitfühlen, mitleiden, sich mitfreuen – während wir unseren Zielen nachlaufen und uns ganz auf uns selbst konzentrieren… Ich habe vor allem am Ende meines Abenteuers in den Alpen gemerkt, dass mir kleine Dinge mehr bedeuten sollten. Unsere „Betreuerin“ und Freundin Johanna hat mir zum Beispiel nach meiner Aufgabe bei Etappe 6 einen Smiley-Keks gekauft –  ich traue mich gar nicht ihn zu essen. Als ich bei der 8. Etappe beim letzten Kilometer den Finishern entgegen ging, um auf Thibaud zu warten, war es wirklich bewegend, wie viele der Läufer sich gegenseitig Mut machten, mit anderen litten und wie eine große Familie zusammen hielten. Wir sind in der Woche zusammengewachsen, durch ein gemeinsames Ziel, aber auch durch die vielen kleinen Erlebnisse.

Der letzte Weg – Tag 8

An diesem achten Tag ist die Stimmung vorm Start anders als an den letzten Etappen. Die Teilnehmer sind euphorisch, trotz aller Erschöpfung. Es gibt Livemusik, es wird gelacht, 20140906_082012geklatscht – das Ziel ist ins Sicht. Die schönste Strecke durch die Dolomiten – und ich bin nur halb dabei… Wir haben uns entschlossen, diesen letzten Weg gemeinsam zu „wandern“ – mit Jens und Frank, die grundsätzlich das ganze Spektakel in ruhigerem Tempo angegangen sind. Ich will diese Tage positiv abschließen und denke zurück an alles, was ich Schönes erlebt habe – aber auch an das, was ich hätte anders machen können: der zu schnelle Start, der wenige Schlaf, ich hätte mehr Zeitungspapier für nasse Schuhe mitnehmen sollen und vor dem TAR viel mehr Stabi-Übungen und Training auf Geröll einbauen sollen… Nach Kilometer 15 sind die Schmerzen selbst zum Wandern zu groß. Dabei kommt jetzt der schöne Teil: Die drei Zinnen, der Berg, die Aussicht… „Tabitha, komm. Es ist gut, du quälst dich nur. Wir nehmen dich jetzt mit dem Auto mit und sehen uns die Berge so an!“ Also steige ich aus dem Rennen aus, fahre mit Hems und Johanna auf einen Berg und staune stehend über die Schöpfung. Dann fahren wir zum Zielbereich, um den letzten Kilometer mit Thibaud zusammen zu bestreiten. Dieser letzte Tag ist geprägt von Abschied, von Sieg und Freudentränen, von Teams, die sich umarmen und Teams, die im Ziel schon keine mehr sind. Ich glaube der Transalpine Run ist ein Rennen, bei dem man mehr über sich rausfindet als man denkt. Ich habe meine Grenzen, meine Teamfähigkeiten und einige Schwächen aufgezeigt bekommen und viel gelernt. Ich habe tolle Menschen getroffen, viel über diesen Sport in den Bergen herausgefunden und neue Impressionen gesammelt.

20140906_075203Wie viele geniale Eindrücke haben wir in den 8 Tagen gesammelt – gemeinsam gehofft und gebangt. Freunde wie Thibaud, wie Rudi, wie Franky und Frank, Jens, Hems und Johanna haben diese Zeit geprägt. Ich muss an dieser Stelle auch noch mal sagen, dass Thibaud ein super Teampartner war – und ich meine Entscheidung für ihn nicht bereue. Er hat alles gegeben und konnte die Verletzung nicht verhindern. Und ich bin auch Salomon, Physiomed, RUNNERS POINT, Ultra Sports und Allpresan dankbar für dieses spannende Ereignis, das ich nie vergessen werde.

Das Leben geht weiter

Als ich meinen Blog über das Aufgeben losschickte, ahnte ich nicht, wie viele Nichtläufer, Läufer, Freunde und Unbekannte darauf reagieren würden. Deshalb möchte ich jetzt auch Danke sagen, dass ihr mich aufgefangen habt, mir Mut gemacht und sehr geholfen habt, die Ereignisse im richtigen Licht zu sehen. Als ich ins Büro kam, wurde ich von Kollegen umarmt, mein Chef brachte im Namen des ganzen Teams Blumen vorbei –  alle waren trotz meiner Niederlage stolz auf mich und haben mir gezeigt, dass ich den richtigen Weg genommen habe. Der Transalpine Run hat mich verändert. Und jetzt kann ich sagen, dass Aufgeben nicht so schlimm ist, wie ich dachte – es ist sogar eine gute und heilsame Erfahrung. Hätte ich weiter gemacht trotz der Verletzung hätte ich „ein totes Pferd geritten“. Ich hätte um etwas Falsches gekämpft. Jetzt geht das Leben weiter und ich bin jetzt ein bisschen schlauer und vernünftiger geworden. Niederlagen gehören zum Erwachsenwerden als Sportler dazu und sind eine gute Schule. Ich kehre zurück in die Berge, vielleicht schon nächstes Jahr – und dann werde ich fit und fröhlich sein und sie genießen.

 

 


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Durch die tollen Berichte und Fotos war es ein kleines bisschen so, als wäre man dabei gewesen.
Vielen Dank, dass du diese Zeit mit uns geteilt hast, obwohl du bestimmt abends übelst müde warst und das Schreiben sicherlich ziemlich anstrengend war….

Hi Boba. Das freut mich sehr – ja, es war oft nicht so einfach noch zu schreiben. Neben der Müdigkeit und der Aufregung war es oft auch zeitlich eng. Aber es ist schön zu sehen, dass es sich gelohnt hat – und Freunde wie du so immer dabei waren! Danke dafür.

LG

Liebe Tabitha,
Du hast uns alle mitgenommen auf Deiner Reise. Hast uns mit Deinen bildhaften Berichten Freunde und Enttäuschung hautnah miterleben lassen – wir waren dabei! Noch mal ganz lieben Dank, auch für die damit verbundene Motivation, zumindest habe ich das so empfunden.
Liebe Grüße

Hi Wolfgang. Danke dir – es war mir ein großes Vergnügen!
Wünsche dir viel Power!

Liebe Grüße

Tabitha

Ganz großes Kino!
Meinen allergrößten Respekt. Für viele Menschen ist dein Abenteuer im Bereich des Unvorstellbaren anzusiedeln, bei anderen verursacht es ein Jucken in den Beinen. 😉

Huhu Gerd
Danke dir ganz herzlich für deinen lieben Kommentar 🙂 Ich schätze, dir juckt es in den Beinen, oder? Ist wirklich ein ganz besonderes Rennen das man nicht vergisst!
Kann es echt empfehlen.

LG Tabitha

Das war ein schönes Happy End deiner spannenden Laufgeschichte…
Und die Story war auch nocht echt!!!!!!!!!!!
Ich will auch gern in die Berge…

Schreibe einen Kommentar zu tabithabuehne Antworten abbrechen

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

* *

Angemeldet als . Abmelden »