„Ich will doch nur einen“, denkst du vielleicht leicht überfordert, wenn du einen Laufladen mit prallgefüllten Schuhwänden betrittst. „Welches von diesen gefühlten 100 Paar Runningschuhen ist das richtige für mich?“ Genau der Frage haben sich auch Sportwissenschaft und Laufschuhindustrie seit mehreren Jahrzehnten gewidmet, um für dich die Suche nach dem perfekten Laufschuh stets erfolgreich enden zu lassen. Ziemlich interessant, was sich da getan hat!

Laufschuhanalyse

Neutralläufer und Überpronierer

In den letzten 25 Jahren wurde bei der Konzeption von Laufschuhen vor allem der Fokus darauf gelegt, dass der Schuh seinen Träger stützt und führt. Die Läufer wurden aufs Laufband gestellt und gefilmt, um dabei mehr über den Laufstil und somit über die Wahl des individuell optimalen Laufschuhs herauszufinden. Besonderes die Pronation wurde dazu als Bewertungskriterium herangezogen.

Die Pronation (Einwärtsdrehung) gehört zu den natürlichen Bewegungsabläufen  und bezieht sich darauf  inwieweit der Fuß einwärts gedreht wird, um die Aufprallkräfte beim Auftreten zu absorbieren. Schnell wurde bei dieser Art Laufanalyse ausgemacht, welche Sportler Neutralläufer, also eine normale, gesunde Pronation haben, und welche „Überpronierer“ sind. Bei der sogenannten Überpronation knickt der Fuß stärker nach innen ein und belastet damit die Bänder, Sehnen und Gelenke. Um diese „falsche“, weil eben für den Laufapparat nicht so gesunde Bewegung, einzuschränken oder zu korrigieren, wurde Läufern mit diesem Bewegungsmuster zu Stabilitätsschuhe geraten. Die haben auf der Innenseite Stützelemente oder verstärkte Materialien. Prozentual gesehen trugen damals bis zu 50% der Läuferinnen und 30% der Läufer Stabilitätsschuhe. Dennoch: trotz aller Unterstützung und Korrektur der Bewegungen nahmen die Laufverletzungen proportional zu. Ganz rund schien diese Art der Laufschuhanalyse also nicht zu sein.

Back to the roots – Natural Running

Vor ungefähr 7 Jahren ging der Trend in Sachen „optimale Laufschuhe“ hin zu Modellen, die viel weniger stützten und führten: Der Barfußschuh und das Natural Running waren geboren. Dieses Schuhkonzept fußte darauf, dass das Barfußlaufen eigentlich die gesündeste Art der Fortbewegung ist, denn ohne Schuh, muss der Fuß alle Dysbalancen selbst ausgleichen und das trainiert Muskeln, Sehen und Gelenke. Der Läufer sollte seine körpereigenen Dämpfungs- und Führungssysteme nutzen, um so ganz seinen individuellen Bewegungen folgen zu können.

Um die Gegebenheiten des Barfußlaufens für Läufer zu schaffen und gleichzeitig den Fuß vor Steinen, Dreck und Scherben zu schützen, haben viele Hersteller Laufschuhe produziert, die um einiges leichter waren als die bis dato aktuellen Modelle. Außerdem wurde in der Zwischensohle weniger dämpfendes Material verbaut oder sogar ganz darauf verzichtet. Auch stabilisierende und stützende Elemente wurden zum größten Teil nicht mehr integriert. Vom Ansatz her, erst bestimmt kein schlechter Gedanke. Allerdings funktioniert dieses Konzept nur bei gut trainierten Läufern oder bei denen, die sich mit Geduld – sprich mit genügend Eingewöhnungszeit – und vor allem erst einmal auf kurzen Strecken damit bewegten. Also auch nicht für jeden optimal.

Stride-Signature – dein indiviueller Bewegungspfad

knieachse2Beide Ansätze, der Fokus auf die Pronation und auch das Natural Running, hatten sicherlich richtige Komponenten, allerdings ist die Suche nach der perfekten Laufschuhanalyse und damit dem optimalen Laufschuh noch immer nicht abgeschlossen. Neuen Input gab es auf einem Symposium während der Internationalen Sportmesse 2016 in München. Hier haben bekannte Sportwissenschaftlern neue Betrachtungsweisen und Lösungsansätze vorgestellten.

Professor Brüggemann von der Sporthochschule Köln erklärte, dass die Bewegung des Kniegelenkes beim Laufen von der Rückfußbewegung beeinflusst wird. Er wies daraufhin, dass man deswegen auch die anderen Gelenkachsen des Körpers wie Knie, Hüfte und Schultern des Läufers bei der Bewegungsanalyse mit in Betracht ziehen muss, um ein ganzheitliches Bild über das Bewegungsmuster beim Laufen zu bekommen.

Auch der Laufschuhhersteller Brooks hat diese These schon vor einiger Zeit aufgebracht. Die Brooks-Produktentwickler sprechen hier von der sogenannten Stride-Signature oder dem individuellen Bewegungspfad – was bedeutet, dass der Bewegungsablauf beim Laufen bei jedem Menschen unterschiedlich ist.

Laufschuhanalyse der Zukunft?!

Anhand dieser neuen Erkenntnisse wurde auf dem Symposium eine neue Möglichkeit gezeigt, wie die Laufanalyse der Zukunft aussehen könnte. Dabei werden drei Sensoren an Knie, Taille und Schulter zur Messung der Kniebewegung eingesetzt.

Im ersten Schritt wird die gewohnheitsmäßige Kniegelenksbewegung des Läufers bestimmt. Da der Winkel beim Gehen zu klein für eine Messung ist, muss der Läufer im Stand einige Kniebeugen absolvieren, um verwertbare Daten zu bekommen. Dann läuft er eine kurze Strecke barfuß, dabei wird die Abweichung zur vorherigen Messung der Gelenkbewegung im Knie bestimmt. Im dritten Schritt sucht der Laufschuhberater mit dem Läufer gemeinsam den Laufschuh aus, der ihn am nächsten wieder an den im Schritt 1 gemessenen Wert bringt. Dazu läuft der Läufer mit verschiedenen Schuhmodellen bis der optimale Schuh für ihn gefunden ist.

Eröffnung Runners Point Köln

Wichtiges Kriterium: Wohlfühlfaktor!

Im Vorfeld der Laufanalyse wurden die Testläufer gebeten, sich subjektiv für den komfortabelsten Schuh zu entscheiden. Erstaunlicherweise wählten die Probanden genau die Laufschuhe aus, die auch in der späteren Laufanalyse für sie als optimal bestimmt wurden. Das heißt, dass unser Wohlfühlgefühl eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Wahrnehmung bei der Laufschuhwahl ist. Unser Körper scheint von Natur aus zu wissen, was gut für ihn ist und was nicht.

Da es nicht einfach ist, sich im Laufschuh-Dschungel mit hunderten von Modellen zu Recht zu finden, solltest du mit einem kompetenten Laufschuhberater in einem Fachgeschäft eine Vorauswahl treffen. Bei deiner finalen Kaufentscheidung kannst du dich dann auf dein Wohlfühlgefühl verlassen. Das scheint bisher immer noch die beste Variante der Laufschuhanalyse zu sein!

 


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Kategorien : Equipment Schuhe


Hallo,

Kann ich die Laufanalyse in jeder Filiale machen lassen? Ist das kostenpflichtig?

Hallo Sabine,
schön dass du dich für eine Laufanalyse in unseren Filialen interessierst. Die Analysen sind natürlich kostenlos und in jedem unserer Runners Point Stores möglich. Es gibt in unseren Stores verschiedene Analysetools. Entweder läufst du auf einem Laufband und wirst dabei gefilmt oder du gehst über eine Druckplatte, hier wird anhand deiner aktiven Fußabdrücke das passende Laufschuhmodell für dich gefunden.
Ich wünsche dir in deinem Läuferleben viele gesunde Laufkilometer. Bei weiteren Fragen kannst du dich gerne melden.

Mit sportlichen Grüßen
Peter

danke Dir für die schnelle und ausführliche Antwort 🙂

LG Sabine

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