Warum sich die Vorliebe für Zucker schon vor der Geburt entwickelt und alle wichtigen Infos zum Süßmacher erfahrt ihr hier.

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Unglaublich – aber wahr…

Zucker an der AngelHast du gewusst, dass du schon vor deiner Geburt Süßes wahrnehmen und Vorlieben entwickeln konntest? Es gehört zu unseren ursprünglichsten Geschmackserfahrungen – über Aromen im Fruchtwasser. Was unsere Mutter trinkt und isst prägt schon früh unseren Geschmack. Als erwachsene Sportler sehen wir im Zucker als reines Kohlenhydrat einen schnellen und wichtigen Energielieferanten. Wir fühlen uns kurzfristig glücklicher, konzentrierter und leistungsfähiger. Purer Zucker geht schnell ins Blut. Was dann passiert ist recht einfach: Der Körper schüttet Insulin aus, dann sinkt der Blutzuckerspiegel wieder und wir bekommen erneut Hunger… Da die meisten Menschen nicht viel rennen, eher ungern zu Fuß zur Arbeit oder Schule gehen, keine Kartoffeln aus dem Garten graben und wo es geht den Aufzug und das Auto nutzen „verbrennen“ sie wenig. Doch mit Cola, Limonade oder konzentriertem Fruchtsaft nehmen wir rund 40 Stück Würfelzucker zu uns. In 100g Tomatenketchup stecken 11 Würfelzucker, in 100g normalen Cornflakes sogar 12. Aber auch Wurst, Soßen, Suppen und Teebeutel haben es in sich…

Der Zucker hat viele Namen

Ein Berg aus SüßigkeitenVielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie auch ohne Kuchen, Saft und Süßigkeiten täglich unbemerkt Zucker aufnehmen – denn in fast jedem Fertiggericht, in Konserven, in Joghurt kommt es vor – nur unter einem anderen Namen. Seine Bezeichnungen sind zahlreich: Glucose, Dextrose, Maltose, Laktose, Maltodextrin, modifizierte Stärke, Maisstärke, Hefeextrakt… Schau beim nächsten Einkauf einfach mal kurz auf die Liste der Zutaten auf der Verpackung. Je weiter eine dieser Zutaten in der Liste oben steht, desto mehr Zucker ist natürlich in dem Nahrungsmittel enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie ist clever: Oft werden verschiedene Namen bzw. Zuckerquellen eingesetzt. So entpuppt sich der „gesunde Joghurt“ beim genaueren Hinsehen schnell als „süße Bombe“. Doch was genau ist Zucker und wie sollten wir damit umgehen?

7 kleine Infos über Zucker:

  • Tabitha klettert auf den ZuckerbergDer Begriff Zucker umfasst alle süß schmeckenden Ein- und Zweifachzucker (z.B. Haushaltszucker = Zweifachzucker) Saccharide und Saccharose.
  • Heutzutage beträgt bei uns der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker fast 40 Kilogramm pro Person.
  • In Deutschland ist die Süßwarenindustrie umsatztechnisch die drittgrößte Branche in der Ernährungsindustrie!
  • Die Liste der zuckerhaltigsten Nahrungsmittel wird von Kristallzuckern, Softdrinks+Trinkpulver sowie Bonbons+Nugat angeführt
  • Hergestellt wurde Zucker wahrscheinlich erstmals um 600 v.Chr. von den Persern – vorher war Honig das einzige Süßungsmittel
  • Zucker war lange Zeit ein Privileg der „höheren Herrschaften“ und wurde durch die Kreuzzüge bekannter. Schon bei Kaiser Karl V. gab es Marzipan.
  • Zucker ist günstig und wird daher gern als Füllstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Außerdem konserviert er gut (in Marmeladen und Eingemachtem…) und gibt so Bakterien und Schimmelsporen keine Chance.

Die Auswirkungen

1. Wir sind eine „Snacking-Gesellschaft“

Süßigkeiten - süße VersuchungWir werden ständig mit Süßigkeiten in Kontakt gebracht, die wir meist nebenbei essen, weil wir kaum bewusste Pausen machen. Das summiert sich und wir nehmen viele „leere, nährstoffarme Kalorien“ auf. Auch der Genuss von zuckerhaltigen Softdrinks hat verheerende Auswirkungen und ist ein Grund für die ständig wachsende Zahl an Übergewichtigen in den USA und Europa.

2. Übergewicht und Diabetes

Wer viel Sport treibt, verbrennt natürlich auch überschüssige Zucker. Nicht verbrauchter Zucker wird zu Fetten umgebaut. Hoher Zuckerkonsum steht mit Fettleibigkeit und dieser mit Diabetes Typ 2 in direktem Zusammenhang – laut Prof. Dr. Seibel von der Universität Würzburg. Einige Experten halten 50g Zucker pro Tag für unbedenklich – also die Menge, die in eine kleine Hand passt. Demnach geht ein kleiner Becher Fruchtjoghurt in Ordnung.

3. Allergien und Entzündungen nehmen zu

Zucker und Süßigkeiten sollen wie Weizenmehl zu verstärkten Allergien führen und andere Entzündungen begünstigen. Das Immunsystem wird geschwächt. Zucker sorgt auf Dauer für eine Überlastung der Bauchspeicheldrüse, so werden entzündungsfördernde Botenstoffe vermehrt freigesetzt. In den USA gibt es Therapieansätze bei Krebs und MS, die zeigen, dass eine Ernährung ohne Zucker hilft, die Krebszellen und Entzündungswerte „auszuhungern“ bzw. zu reduzieren.

4. Gibt es eine Zuckersucht?

SüßigkeitenstapelWenn ich mich und viele meiner Freunde sehe würde ich jetzt sofort „Ja“ rufen. Doch es gibt kaum Studien, die es beweisen können – und die, die es schaffen gelten als umstritten, weil sie auf Versuchen mit Ratten basieren. Fakt ist, dass wir schon im Mutterleib an bestimmte Geschmäcker gewöhnt werden und in der Umstellung auf feste Nahrung klare Vorlieben haben. Wir bevorzugen vertraute Speisen – manche Gewohnheiten bleiben lebenslang. Außerdem beruhigt uns Zucker. Das Süße stellt keine Gefahr dar. Es signalisiert gute Kraftnahrung und genussvolle Belohnung. Die Produktion des Glückshormons Serotonin wird stimuliert. Wir verbinden Schokolade mit: „Das hast du gut gemacht.“ oder „Danach geht es dir besser.“.

Mein Fazit beim Selbstversuch

Ja, ich bin zuckersüchtig. Normalerweise esse ich eine Tafel Schokolade am Tag – (natürlich mit 70% Kakaoanteil, damit es gesund ist) und ich mache mein Müsli selbst. Aber trotzdem erwische ich mich ständig beim Naschen. Eine Woche ohne Süßigkeiten, ohne Softdrinks, ohne Kuchen und Co zu leben, ist unglaublich schwer und gefühlt unmöglich. Erst nach drei bis fünf Wochen lässt das Gefühl nach, Zucker zu brauchen. Man sucht nicht mehr abends die Schränke durch, fährt zur Tanke oder dreht beim Fernsehen durch, weil es nichts zu Knabbern gibt. Zum Glück gibt es immer mehr Wege, gesünder zu snacken: Süßes selber machen – mit Xucker, Stevia und Honig. Das werde ich nun in Angriff nehmen. Ich will den Zuckeranteil meiner Nahrung selbst bestimmen – und nicht von ihm kontrolliert werden.

Wie siehst du die zuckrige Angelegenheit? Bist du auch „süchtig“? Darf man als Sportler unbegrenzt Zucker essen?

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Quellen unter anderem:

www.healthaliciousness.com/articles/high-sugar-foods.php

Adressen
Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin 
Prof. Falk Kiefer
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J 5
68159 Mannheim

Institut für Psychopharmakologie
Prof. Rainer Spanagel
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J 5
68159 Mannheim

(www.nwzg.de)

www.wikipedia.de

www.suedzucker.de

www.br.de

www.zuckerwirtschaft.de

Hans-Ulrich Grimm: Die Suppe lügt, S. 148

https://daten.didaktikchemie.uni-bayreuth.de/umat/zucker_haushalt/haushaltszucker.htm

Stiftung Warentest „Tomatenketchup – Rote Versuchung“ test 06/2008 [Quelle als PDF]

Kitta MacPherson „Sugar can be addictive, Princeton scientist says“ December 10, 2008 (Zucker kann abhängig machen, sagen Princeton Wissenschaftler) [Praschak-Rieder N et al., „Seasonal Variation in Human Brain Serotonin Transporter Binding“ Arch Gen Psychiatry. 2008;65(9):1072-1078.]

Fortuna JL. „Sweet preference, sugar addiction and the familial history of alcohol dependence: shared neural pathways and genes“ J Psychoactive Drugs. 2010 Jun;42(2):147-51.

Shambaugh P et al., „Differential effects of honey, sucrose, and fructose on blood sugar levels.“ J Manipulative Physiol Ther. 1990 Jul-Aug;13(6):322-5.

Larson-Meyer DE et al., „Effect of honey versus sucrose on appetite, appetite-regulating hormones, and postmeal thermogenesis.“ J Am Coll Nutr. 2010 Oct;29(5):482-93. (Auswirkungen von Honig und Rohrzucker auf Appetit, appetitregulierende Hormone und auf die postprandiale Thermogenese) [Quelle als PDF]

Phillips KM et al., „Total antioxidant content of alternatives to refined sugar.“ J Am Diet Assoc. 2009 Jan;109(1):64-71. (Gesamtantioxidantiengehalt von Zuckeralternativen) [Quelle als PDF]

amerikanische Studie des Monell Chemical Senses Centre in Philadelphia

 

 


Kategorien : Ernährung Gesundheit


Jawohl, ich will auch wissen, was ich esse. Dieser ganze Kram, den die Lebenmittelindustrie uns unterjubelt, das ist echt eine Frechheit.

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