Sind Ultraläufe nicht ultralangweilig? Warum rennt man 24 Stunden auf einem 4 Kilometer-Rundkurs rum? Ist es nicht viel spannender, bei einem knackigen 10er die eigene Bestmarke zu knacken? Unsere Experten Martin und Peter sind unterschiedlicher Meinungen, was das Thema „Ultraläufe“ betrifft. Wie unterschiedlich, das lest ihr hier.

stundenlauf24

 

Martin: So, um es mal gleich auf den Punkt zu bringen: Ich finde Ultraläufe ultrabekloppt. Das ist doch einfach nur megaanstrengend und total langweilig. Ich laufe ja echt gerne, aber doch nicht 24 Stunden am Stück!

Peter: Quatsch, das stimmt doch so gar nicht. Ultraläufe – in meinem Fall 6- oder 24-Stunden-Läufe – sind weitaus weniger anstrengend und viel entspannter als andere Wettkämpfe. Aber immer, wenn ich das sage, schütteln die Nicht-Ultras ungläubig mit dem Kopf. So wie du jetzt.

Martin: Und mal ganz ehrlich, ich schüttle meinen Kopf doch auch mit recht. Zeige mir den, der entspannt und relativ locker 24 Stunden – oder von mir aus auch „nur“ 6 Stunden – durch die Gegend rennt. Das geht doch gar nicht, zumindest nicht, ohne sich zu schinden. Aber woher nimmt man die Motivation, sich so was anzutun?

Peter: Ich laufe mittlerweile seit 15 Jahren regelmäßig und im Schnitt viermal in der Woche. Bei zahlreichen Wettkämpfen, ob 5 km, 10 km, Halbmarathon oder Marathon, bin ich gegen die Uhr gerannt und war oft unzufrieden mit dem Ergebnis. Dann habe ich Frust geschoben und musste mir häufig eingestehen, dass der Spaß auf der Strecke geblieben war.

ultra_uhr

Martin: Aber gerade das Knacken der persönlichen Bestleistung motiviert einen doch immer wieder. Und dazu muss ich doch im Training und im Wettkampf auf die Uhr gucken. Ich finde es auch im Training immer wieder klasse, wenn ich meine Zeit verbessert habe. Und abgesehen vom fehlenden Bestzeitenkick bei Ultraläufen: die sind mir auch zu zeitintensiv! Mir hat schon die Marathonvorbereitung mit den langen Läufen gereicht.

Peter: Ja, aber das kann man auch nicht vergleichen. Die letzten zwei Jahre konnte ich verletzungsbedingt sowieso nur noch in einem moderaten Tempo laufen, das heißt, der Bestzeitenkick ist für mich eh keine Motivation. In dieser Zeit habe ich nun einige Ultraläufe – meist 6-Stundenläufe – absolviert. Genau das Richtige für mich, denn hier spielt die Endzeit keine Rolle! Der Grund dafür ist einfach: nach dem Startschuss läuft die Uhr von 6 Stunden an rückwärts. Das heißt hier geht es nicht um die Endzeit, hier wird gemessen wieviel Streckenkilometer jeder Teilnehmer in den sechs Stunden zurücklegt. Meist ist die Laufstrecke ein 2–4 km langer Rundkurs mit Verpflegungsstation im Start-Zielbereich.

Martin: Da bekomme ich doch einen Drehwurm! Für 20 Kilometer bin ich dann ja zehn Runden unterwegs! Okay, einen knackigen 10 km-Lauf mache ich gerne auf einem Rundkurs, aber doch keinen 6-Stunden-Lauf! Da sehe ich ja immer nur das Gleiche, Runde für Runde. Das ist doch total unspannend.

Trailrunning Ultraläufe

Peter: Ja, das stimmt, die Atmosphäre beim Ultralauf ist nicht so spannungsgeladen und auch nicht so hektisch wie bei anderen Laufevents. Das liegt daran, dass nur wenige Sportler ihren Focus auf den Sieg oder eine persönliche Bestleistung legen. Nachdem Startschuss gibt es kein Gedränge und keine Ellbogenstöße. Ich mag diese entspannte Atmosphäre.

Martin: Aber wo bleibt da der Adrenalinkick, der mich Ruckzuck zum Ziel führt? Wenn ich fünf oder zehn Kilometer flott laufe, dann weiß ich, dass ich nach spätestens 60 Minuten unter der Dusche stehe. Ich stelle mir jetzt vor, wie ich mich fühlen würde, wenn ich wüsste, dass ich noch fünf Stunden – oder gar 23 – darauf warten muss?

schneller_lauf

Peter: Na der Kick ist einfach Teil des Ganzen zu sein und zu sehen, wie viel man schafft. Aber eben dosierter. Und anspruchsvoll ist es ja trotzdem. Im letzten Jahr habe ich beispielsweise am 24-Stunden-Traildorado in Arnsberg teilgenommen. Hier waren neben der 4,1km langen Strecke im Wald 110 Höhenmeter pro Runde zu bewältigen. Das war jetzt nicht gerade ein Spaziergang!

 Martin: Womit wir wieder am Anfang wären! Wie kommt man denn auf die Idee, auf so einer Strecke 24 Stunden rumzucruisen? Warst du danach nicht völlig bewegungsunfähig?

Peter: Nein! Denn der Start- & Zielbereich befand sich direkt an einem Jugendherbergshotel. Jeder Teilnehmer konnte sich hier ein Bett buchen und sich nach Bedarf eine Mütze Schlaf gönnen. Abends gab es dann ein Lagerfeuer und Livemusik. Und das Läuferbuffet mit warmen, kalten, süßen oder salzigen Snacks war auch richtig gut – und belebend. Und am Ende wurde jeder Läufer beglückwünscht, egal ob er in den 24 Stunden 25 km oder 180 km gelaufen war.

Jpeg

Martin: Ja, hört sich ja ganz gut an, aber nach einem Halbmarathon schmeckt die Finisherwurst und das Bier auch gut, vor allem, weil man weiß, ich hab‘s geschafft, ich hab alles gegeben und für heute ist es gut! Das ist mehr so mein Ding. Alles geben und dann genießen!

Peter: Ich für meinen Teil genieße vor allem, dass ich durch die Ultraläufe den Spaß am Laufen und an Laufevents zurückgewonnen habe. Und das ist mir das Wichtigste!

Martin: Jepp, das stimmt, die Freude am Laufen ist auf jeden Fall das Wichtigste!


Tags :

Kategorien : Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


Jaja, die philosophische Frage des richtig Laufens. Ich für meinen Teil liebe knackige Wettkämpfe bis zum Marathon. Bei Landschaftsläufen und Ultras genieße ich das Erlebnis an sich. Man sieht viel und lernt viele nette Leute kennen. Für mich stehen Straßenrennen und Ultraläufe nicht im Gegensatz, sondern ergänzen sich auf wunderbare Weise.

Schreibe einen Kommentar zu Heiko Thoms Antworten abbrechen

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

* *

Angemeldet als . Abmelden »