Rein in die Laufschuhe und glücklich sein? Funktioniert das? Auch bei Regen? Auch mit Seitenstechen? Auch bei Anfängern und Langsamläufern?

Soviel sei schon jetzt verraten: Das Laufschuheschnüren lohnt sich – immer! Die Hormone spielen verrückt und das tut uns einfach gut. Unser Kollege und Mit-Laufexperte Frank Eickmann hat sich mit dem Thema beschäftigt und weiß aus eigener Erfahrung: Die Lauf-Glücksformel kann jeder knacken – man muss nur loslaufen!

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Interview mit Laufexperte Frank Eickmann

Frank, mal ganz persönlich und unwissenschaftlich gefragt: Warum macht Laufen dich glücklich?

Nicht selten sage ich nach dem Lauf: „Jetzt bin ich aber so richtig schön kaputt!“ Damit meine ich nicht einen Zustand völliger Erschöpfung oder rede dehydrierten Wahn-Unsinn. Nein, ich fühle mich einfach so richtig schön zufrieden, bin mit mir und meinem Körper mal so richtig schön im Einklang – ja, ich bin glücklich!

Wenn ich laufe, dann entwische ich dem Alltag, nehme mir Zeit für mich selbst und lasse eben auch meinen Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes „freien Lauf“. Ich sehe Dinge gelassener und aus einem anderen Blickwinkel, weil ich einfach entspannter bin und nicht unter Stress stehe. Naja, und so ganz nebenbei tue ich natürlich auch noch meinem Körper was Gutes – dieses Gefühl macht mich auch glücklich.

Was genau passiert denn beim Laufen, das für diesen Entspannungs- und Frischekick verantwortlich ist?_RP_ROM_01881

Ausdauertraining allgemein und Laufen speziell ist eine Art Sauerstoffdusche und bringt den Hormonhaushalt so richtig in Wallung: Stresshormone wie Adrenalin werden abgebaut, stattdessen werden mehr „Glückshormone“, wie z.B. Endorphin und Serotonin, ausgeschüttet. Auch Schlafhormone, wie etwa das Melatonin, das mittlerweile auch für die „Winterdepression“ verantwortlich gemacht wird, werden durch das Laufen gehemmt. Deshalb sind die Läufe im Winter so wichtig: Sie beugen Depressionen vor.

Jeder, der regelmäßig läuft, wird bestätigen können, dass man beim Laufen von positiven Gedanken begleitet wird, man denkt nicht an unschöne Situationen oder an Scheitern, sondern erinnert sich z.B. an schöne Momente oder schmiedet positive Pläne.

Selbst beim Endspurt unter starker Übersäuerung kann eine wohlig-glückliche Stimmung auftreten. Allerdings können diese Wahrnehmung nicht alle Läufer bestätigen und sie ist nicht messbar, weshalb sie als wissenschaftlich nicht erwiesen gilt. Andererseits: Schaut man in die Gesichter der Zieleinläufer bei Laufveranstaltungen: Warum lachen und weinen Finisher? Vor Glück!?

Frank, was ist mit dem sagenumwobenen „Runners High“ beim Laufen – sind das auch die Endorphine?  

Es gibt da verschiedene Theorien, die für das positive Gefühl beim Laufen an sich und das absolute Glücksgefühl, das sogenannte „Runner’s High“, verantwortlich sein könnten. Das Phänomen, das damit gemeint ist, taucht erst bei längerem Laufen auf. Die Ausschüttung und Hemmung bestimmter Hormone sind die wahrscheinlichste Erklärung.

Viele Läufer berichten aber auch von einer Art „Flow“ in den man durch die gleichmäßige Laufbewegung kommt – das wird auch oft als Runner’s High bezeichnet. Ein rauschähnlicher Zustand, in dem sozusagen alles fließt und man quasi von allein läuft. Wer öfter mal länger läuft, wird das Phänomen kennen: Probleme werden plötzlich nicht mehr ganz so negativ wahrgenommen wie vorher, obwohl sich objektiv an der Situation nichts geändert hat. Oder man fragt sich: „Was habe ich eigentlich die letzten 2 Kilometer gemacht?“ „Wo bin hergelaufen?“ Wie auch immer das Runner’s High zustande kommt, wer es einmal erlebt hat, möchte es auch gerne wieder erleben.

Macht Laufen uns auch kreativer?_RP_ROM_04951

Es gibt Unternehmen, die schicken ihre Manager zum Laufen, wenn es an kreativen Ideen mangelt. Das wird seinen Grund haben…

Durch den Anstieg des Hormonspiegels wird auch die Hirntätigkeit gefördert. Und der Mensch ist kein Passgeher, wie Pferde oder Hunde es sind, sondern ein Kreuzgeher. Wir haben nur zwei Beine und unser Laufen oder Gehen ist eine Kreuzbewegung. Diese Bewegung spricht sowohl die rechte Gehirnhälfte (steuert u.a. Kreativität, Vorstellungskraft und Einsicht (Anm. d. Redakt.)) als auch die linke (steuert u.a. logisches Denken, Sprache (Anm. d. Redakt.)) an und trainiert das Zusammenspiel zwischen beiden. Kein Wunder also, sondern auch wissenschaftlich belegt, dass regelmäßiges Laufen die geistige Leistungen bzw. Kreativität fördert. Platt gesagt: Laufen macht schlauer. Welche Dauer der Trainingseinheit hierzu nötig ist, ist auch noch nicht ganz klar. Einige Forscher sprechen davon, dass positive Effekte nach 20-30 Minuten eintreten, da dann bestimmte Hormonspiegel stark ansteigen und sich diese positiv auf die Kommunikation der Hirnareale auswirken. In dieser Phase scheint die Möglichkeit besonders kreativer Einfälle dann am höchsten zu sein. Im Grunde braucht man auch gar nicht zu laufen, Gehen reicht auch aus, wie eine Studie aus den USA zeigt, aber Laufen macht natürlich viel mehr Spaß – mir zumindest!

(Mehr dazu: Studie Stanford University-laufen macht kreativ)

Na, das hört sich doch gut an! Aber gilt die „Laufen macht glücklich- und kreativ-Formel“ auch für Laufanfänger?

Klar, vor dem „richtig schön kaputt sein“-Gefühl kommt erst mal, das „mir tut alles weh, ich bin total fertig“-Gefühl. Aber schon jetzt kann die Lauf-Glücksformel aufgehen, denn auch der, dem die Knochen wehtun, wird wahrscheinlich später unter der Dusche stehen und glücklich sein, weil er durchgehalten und dem inneren Schweinehund die Zähne gezeigt hat. Die Freude auf diese nächste Dusche motiviert – auch wenn der Körper schmerzt.

Körper und Geist brauchen Zeit, um sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Deshalb ist ein wohl dosierter Einstieg ins Läuferleben wichtig. Nicht zu schnell zu viel wollen, sondern einfach auf den eigenen Körper hören. Der weiß, wann es ihm gutgeht und er den Lauf genießen kann. Und wenn der Körper nicht überlastet ist, kann sich auch die Seele anderen Dingen als fehlendem Atem und schmerzenden Muskeln widmen und sich ganz entspannt auf das Glücksgefühl fokussieren. Das Tempo ist also völlig egal, Hauptsache man läuft!

 


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