Vom übergewichtigen Sportmuffel zum fitten Läufer: Fred hat nach einem Unfall sein Leben komplett auf den Kopf gestellt und das Laufen für sich entdeckt – mit wirklich erstaunlichen Folgen. Uns hat er seine motivierende Geschichte erzählt.

Blog

von Tabitha

Fred hatte ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, liebte den Job in seiner Werbeagentur und die Zeit mit seiner Familie. Dann brachte ihn ein Unfall an seine Grenzen und zu einer Kehrtwende. Erst mit 54 Jahren fing Fred mit dem Laufen an, verlor Gewicht und bekam neue Freude und noch mehr Freunde dazu. Heute kann er sich ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen. Hier ist seine motivierende Geschichte.

Fred vor dem Unfall

Fred vor dem Unfall

Tabitha: Wie sah dein Leben vor dem Laufen aus?

Fred: Es war halt anders. Ich habe 40 Jahre lang keinen Sport gemacht, außer Fallschirmspringen. Laufen fand ich schon in der Schulzeit doof. Später galt dann mein Hauptinteresse meiner Familie und meiner Werbeagentur. Da war keine Zeit, kein Platz für Sport. Körperlich und mental lebte ich im Selbstbetrug und einer konstanten Kurzatmigkeit. Kleinste Treppen verlangten mir viel ab. Meine jüngeren Kinder zeigten mir unbewusst, immer öfter körperliche Grenzen auf. Unangenehm wurde es mir aber erst bei gelegentlichen Betrachtungen des Spiegelbildes. Im Nachhinein betrachtet wuchs hier bereits der Drang zur Veränderung. Was noch fehlte, war der Auslöser.

Tabitha: Und was war der Auslöser?

Fred: Im November 2012 zerlegte ich mir bei einem Fahrradsturz die linke Schulter. Es folgten drei Operationen. Meine Beweglichkeit wurde stark eingeschränkt, ein Dauerschmerz begann. Ich war kaum in der Lage, selbständig ein T-Shirt auszuziehen. Meine Frustration stieg mit jedem Tag und näherte sich einer „Depression“.

Tabitha: Und dann kam das Laufen?

Fred: Naja, zu der Zeit konnte ich noch kein Verständnis für Menschen aufbringen, die vor meiner Haustür mit Schnappatmung in Laufklamotten vorbei liefen. Doch bei Spaziergängen mit meinem Hund bekam ich ein gutes Gefühl, wenn ich mal ein paar Meter durch den Wald gerannt bin. Ohne wirkliche Vorstellung was Laufen ist, meldete ich mich bei einem nahegelegenen Straßenlauf für die 7.5 km Distanz an. Ich lief einfach drauf los. Bereits kurz nach dem Start überkam mich das Gefühl, gleich zu „sterben“ – und es hielt bis zur Finisherlinie an. Aber irgendwie, es könnte das Fünkchen Ehrgeiz in mir gewesen sein, habe ich es geschafft. Anschließend konnte ich mich zwei Tage nur schleppend bewegen aber irgendwas hat die Motivation zu rennen in mir ausgelöst. Heute glaube ich, war es das Überschreiten einer Grenze, die ich vorher nicht kannte. Ich hatte eine innere Befriedigung gefunden, indem ich mich auf ein Ziel fokussierte: es zu schaffen!

Tabitha: Wie ging es dann weiter?

11855397_411984759000156_1600250947_n

Fred heute

Fred: Ich wollte für mich herausfinden, wie weit ich laufen kann, bis ich „sterbe“. Ich liebe das Leben – aber mich reizte der Gedanke körperlich und mental alles zu geben, bis zur totalen Erschöpfung. Meine Familie und Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt reichlich irritiert, wo das mit mir hinführen wird. Ich nahm meinen ersten Marathon in Angriff und finishte ihn. Am Folgetag kam ich erst nicht aus dem Bett und kam Treppen nur rückwärts und mit großen Schmerzen rauf und runter. Doch ich bekam Lust weiter zu laufen, entwickelte mein Körpergefühl, verliebte mich in Bergläufe und längere Distanzen.

Tabitha: Was hat sich in deinem Leben verändert?

Fred: Durchs Laufen hat sich mein Gewicht innerhalb von 6 Monaten von über 87 kg auf 59 Kg bei 173 cm Körpergröße reduziert. Nach Fettabbau und Muskelaufbau habe ich mich inzwischen auf 67kg eingependelt. Anfangs waren manche in meinem Umfeld über die schnelle Veränderung erschrocken und machten sich Sorgen – aber ich war sehr zufrieden. Das Gefühl: Da ist etwas, was du sehr gut kannst. Und damit meine ich nicht den Drang auf ein Treppchen zu laufen, nein – schlicht das Gefühl etwas in meinen Möglichkeiten sehr gut gemacht zu haben. Das Laufen hat mein Leben und das meines direkten Umfeldes verändert. Nach den langen Läufen am Liebsten in einsamer Natur fühle ich mich ausgeglichener, irgendwie übersichtlicher…ruhiger?… ok, da bin ich wohl noch nicht ganz so weit (lacht). Landschaften zu erlaufen, die ich sonst in meinem Leben nie gesehen hätte, wenn überhaupt, dann nur durch eine Gondelfahrt. Aber es gibt traumhafte Landschaften, da bringt dich keine Gondel hin – die kannst du dir nur erlaufen. Da entstehen Momente, die kann ich nicht in Worte fassen. Manchmal kann ich sie mit der Familie oder Freunden teilen, manchmal sind sie nur für mich. Es bleibt immer spannend.

Tabitha: Was empfiehlst du Leuten, die mit dem Laufen anfangen und ihr Leben ändern wollen?

Fred: Veränderung ist sehr individuell und sehr komplex. Hier sind ein paar Punkte, die vielleicht helfen.

  • Es ist wichtig, die Familie mitzunehmen und soweit möglich teilhaben zu lassen. Deine Mitmenschen sollten dich als Läufer aushalten können, auch wenn es manchmal extrem ist. Aber das Laufen darf nicht wichtiger werden als die Menschen.
  • Versuche nie vor etwas wegzulaufen, es holt dich irgendwann sowieso ein. Versuche mit dem Laufen bzw. durch das Laufen Dingen einen positiven Impuls zu geben.
  • Ein Unfall, eine Verletzung, eine Krankheit – alles Dinge die kein Mensch braucht. Ich habe ab einem gewissen Zeitpunkt mein Schicksal angenommen, mich arrangiert und bin für mich neue Wege gegangen. Heute bin ich dem „Auslöser“ manchmal etwas dankbar, auch wenn das grotesk klingt – es hat meinem Leben eine gute Wendung gegeben.
  • Such dir ein Ziel das realistisch und motivierend ist – und belohne dich und dein Umfeld, wenn du es erreicht hast

Freds größte Highlights:

11846398_411984925666806_1442091680_nNach meinem ersten Laufjahr auf der Straße, habe ich zum Trail gewechselt – angefangen 2014 mit dem K-UT Deutsche Trailmeisterschaft 2014, 85km, 3600 Hm, Platz 8 Altersklasse, etwas über 14 Stunden. Im Juni ZUT, 80 km, ca. 4800 Hm, um die 18 Stunden. Der TAR im August als Etappenlauf von Ruhpolding (D) nach Sexten (I), sowie im Oktober der Tenerife Blue Trail – einmal über die Insel von Süd nach Nord über den Teide, 94km mit 5600 Hm.

April 2015: der Junut, 170 km mit knapp 5000 Hm in 29 Stunden, AK Platz 1

Meine Hoffnung ruht nun auf den UTMB mit Start am 28.08.2015, 170 km, 10000 HM – wie gesagt, es bleibt spannend

Und du?

Was ist mit dir – hast du auch mit dem Laufen dein Leben verändert? Dann schick uns Bilder und deine persönliche Geschichte! Wir werden die besten im Blog veröffentlichen


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

* *

Angemeldet als . Abmelden »