Matsche, Mutproben und jede Menge Muskelkater… 

„Knappe 50 Kilometer, 1500 Höhemeter und die Strecke ist ganz einfach und total flach!“ – so hieß noch am Vorabend bei der Streckenvorstellung. Äh – das ist nicht ganz so eingetroffen. Dabei fing alles so schön an: Toiletten mit Vogelgezwitscher im Café in Startnähe und die Leute waren alle fröhlich und motiviert. IMG_1465

Wenn es nur nicht schon vor dem Start so geregnet hätte… Die ersten 11 Kilometer liefen sich locker und leicht. Dann ging es hoch – Wurzeln, Wasserfälle und „ein paar Hügelchen“ wie Thibaud sagen würde. Ich fand das waren unglaubliche Berge. Wir trafen Kühe, Pferde und lernten Amerikaner, Holländer, Spanier und Franzosen kennen. Leider sahen wir wegen des starken Regens und Nebel sonst nicht so viel von der Landschaft. Nach der zweiten Verpflegungsstelle begann die Schlammschlacht. Ein Strongman Run oder Spartan Race ist einfach dagegen – ich glaube, ich bin ca. zwei Kilometer lang mehr auf dem Hintern gerutscht als gelaufen und habe jede Menge Matsche mitgenommen…. Thibaud konnte sich dabei köstlich amüsieren, ich glaube, er hat morgen mehr Muskelkater im Bauch als in den Beinen. Es ging bergab – aber so richtig. Und neben Tonnenweise Matsch gab es auch lustige Grasflächen, auf denen rutschte man teilweise einige Meter – da meinte eine Österreicherin hinter mir: „Mädel, du solltest Skifahren lernen, dann kämst du hier besser runter!“ Nun, ich komme aus den Ruhrpott und fahre nie Ski – aber ich kann mir vorstellen, dass es durchaus helfen könnte… Nach 1000 Höhenmetern steil bergab war ich nicht nur dreckig – ich fühlte mich auch so. Der Puls war vor Schreck und Anstrengung so hoch, dass ich mein Herz im Kopf pochen fühlte. Aber wir waren noch lange nicht am Ziel. Ich begann zu hinterfragen, ob der Infekt noch in mir schlummerte, ich bekam kurz Angst und hatte nicht gerade Lust, den nächsten „Hügel“ in Angriff zu nehmen. Thibaud meinte: „Denk an einen Ohrwurm, dann beruhigst du dich wieder“ Ich erwiderte nur: „Ich hab einen Ohrwurm: er geht so: Peng, Peng, Peng – in meinem Kopf pocht es, da ist kein Platz für Musik!“ Irgendwie kamen wir nach oben auf die letzte Anhöhe zur nächsten Verpflegungsstelle. Dann hat auch der Franzose gelernt, zu fliegen. Dazu nutzte er eine Holzbrücke mit Nägeln, um sehr elegant im Schlamm zu landen.

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Diesmal konnte ich lachen. Thibaud nahm es gelassen und wir mussten nochmal einen sehr rutschigen Trail hinunter rennen. Als wir dann endlich unten waren, fing Thibaud plötzlich an, wie ein junger Hund zu springen und sich lautstark zu freuen: Unser Physio Hems Budenberg de Jong (von Physiomed in Dortmund) stand mit seiner lieben Frau Johanna an der Strecke und machte uns Mut: „Super macht ihr das, wie geht es euch?“ Thibaud war guter Dinge und meinte: „Sehr gut!“ Ich war da etwas weniger euphorisch, freute mich aber sehr, die beiden zu sehen. Die letzten 7 Kilometer waren für Thibaud ein lockerer Abschluss dieser ersten Etappe, für mich war es sehr schwer, die Beine und der Kopf waren müde und schwer, ich kam nicht mehr von der Stelle und Thibaud tat mir sehr leid, weil er so langsam laufen musste mit mir. Ich bin sehr stolz auf unser Team und freue mich, dass wir so zusammen gehalten haben. Das ist nicht selbstverständlich – wir trafen Teams, bei denen der eine Partner immer wieder weg lief und seine Mitläuferin lange Passagen alleine lies. Als wir dann endlich nach fast 50 Kilometern und 1700 Höhenmetern ins Ziel kamen, als 15tes Mixed Team und der Zeit von 6,5 Stunden – da waren wir sehr glücklich, dreckig und kaputt. Ich habe keine Ahnung, wie ich morgen nochmal eine solche Distanz laufen soll. Aber ich hoffe auf Hems Massage, eine gute Nacht und besseres Wetter. Vielleicht wird es morgen auch wieder klappen. Ich bin total dankbar, dass Hems uns als Physiotherapeut bei dieser Herausforderung begleitet und pflegt. Er ist der Beste, ohne ihn wären die 8 Etappen sehr viel schmerzhafter und härter. Und ich musste heute noch an Angela Bubenberger denken, meine Heilpraktikerin aus Dortmund, die mich viel besser als die Ärzte nach dem Infekt wieder fit gekriegt hat. Danke auch an Ultra Sports – eure Riegel und Gels waren wie immer super verträglich, lecker und auf den Refresher im Ziel habe ich mich gefreut. Danke auch an Salomon – ihr habt mir diesen Abenteuerurlaub ermöglicht – und RUNNERS POINT – für die Unterstützung und Begleitung.

 

 

Der Vorabend: lauter „Verrückte“ und ein internationales Völkerfest

 

 

Pastaparty am Vorabend. Nach einer 11-stündigen Fahrt folgte Check-in, Briefing, leckeres Essen und interessantes Abendprogramm. Dann Tasche packen, Füße mit Allpresan eincremen und alles für den nächsten Tag bereit legen.

 

 

 


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Hey, hoffentlich habt ihr morgen besseres Wetter!
Aber du bist ja im Sauerland aufgewachsen, da müssen doch heimatliche Gefühle in dir hochkommen bei dem Regen 🙂

Hallo Bitha, habe Simeon gerade erklärt, dass Du in _den_ Bergen läufst, die wir bei gutem Wetter im Süden sehen können… Warum macht die das? hat er gefragt.
Dein Schlammrennen scheint jedenfalls eine gute Vorbereitung gewesen zu sein! 🙂 Ich wünsche Dir, dass Dein Humor bleibt, ihr weiter gut zusammen lauft, und dass Du Dich nicht verletzt!

Huhu Micha. Sag Simeon: ich wollte unbedingt mal wieder ein Abenteuer erleben und schauen, ob ich 8 Tage in den Bergen laufen kann – das machen nur komische Leute 🙂 Danke euch fürs Mitfiebern, das ist echt schön zu wissen, dass ihr mit leidet und euch mit mir freut, wenn alles klappt 🙂

Tja, „flach“ ist relativ… 😀 Aber Respekt vor Deinem Durchhaltevermögen trotz Sch… Wetter! Ich freue mich auf weitere Berichte und drücke die Daumen für besseres Wetter. Regenläufe sind ja ganz schön. Auf Bergtrails aber… anspruchsvoll… um es mal bescheiden auszudrücken.

Huhu chriba76 🙂 Ja, es ist nicht so einfach für mich – ich bin es überhaupt nicht gewöhnt in den Bergen zu laufen und vor allem nicht mit Schnee, Matsche und so vielen Steinen… aber es geht und ich freue mich über alles, was ich so erlebe. Danke für die mutmachenden Worte 🙂

Hört sich aber nicht so schlau an mit einem Infekt zu laufen, auch wenn dieser „schon“ ein paar Tage abgeklungen ist?!?! Sehr unvernünftig als Laufexpertin

Hi Dirk, danke für deine ehrlichen Worte und deine Sorge um meine Gesundheit 🙂 Ich bin überglücklich, dass der Infekt wirklich nicht mehr da ist. Ich hatte da auch Bedenken, aber bin mit Pulsgurt unterwegs und es ist alles supi. Ich glaube, die Bergluft tut mir gut. Ich habe keine Halsschmerzen mehr, der Kopf ist schmerzfrei – das ist total super. Bin nur total müde – aber das ist glaube ich bei so einem Rennen normal 🙂 Liebe Grüße, Tabitha

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