Faszination Trailrunning: Alte Wege verlassen, den Kopf frei kriegen und die Natur genießen – Trailrunning ist Abenteuer, pure Leidenschaft und ein Ganzkörper-Workout zugleich.

Lass dich vom Sport abseits der Straßen begeistern – im Interview mit dem Trail-Experten Rudi Döhnert.

Du bist doch Holländer, oder? Warum läufst du dann gerne bergauf?

Trail1Rudi:  Manche Holländer denken tatsächlich, ich sei „einer von ihnen“. In Wirklichkeit bin ich Deutscher, darf jedoch in und für die NL arbeiten. Als Anhänger lautloser Fortbewegung bin ich als Ausdauersportler schon seit mehr als 20 Jahren auf Pfaden unterwegs. Mit dem MTB oder Crossrad war ich wettkämpfend aktiv – auf Trails gelaufen bin ich aber lange nur im Training. Mich reizte es schon immer, laufend die Gegend zu erkunden, egal ob in meiner Heimat oder im Urlaub. So komme ich an Orte, die ich sonst nie entdecken würde und kann immer tolle Heldengeschichten über meine Auseinandersetzungen mit Flora, Fauna und Felsen erzählen. Da gehört das Bergauflaufen einfach dazu und macht in der passenden Umgebung auch den besonderen Reiz aus.


Und wie ist dann die Begeisterung für Trailrunning-Wettkämpfe  entstanden?

Trail2Rudi:  Das kam sehr zufällig. Bei einem Allgäu-Urlaub las ich die Ankündigung zum Immenstädter Gebirgsmarathon 2010 in der Zeitung und stand am nächsten Morgen ohne große Erwartungen dort am Start. Was dann kam hatte ich nicht erwartet: Traumhafte Bergpfade, Klettersteigabschnitte, nasse Bergwiesen, Höhenmeter satt und Bergabstücke, in denen die Alpenspezies wie die Falken an mir vorbei schossen. Ich war geschockt und fasziniert zugleich – es war um mich geschehen!

Was ist so schön am Trailrunning?

Trail3Rudi:  Die Kombination aus tollen Erlebnissen in der Natur und sportlicher Herausforderung. Anders als in meiner „ersten Karriere“ als Mountainbiker und Duathlet stehen hier nicht in erster Linie die Wettkämpfe im Mittelpunkt – sondern eher die tollen Trainingserlebnisse bei langen Läufen in der Eifel, dem Bergischen Land, dem Rheinsteig oder anderen Mittelgebirgen. Jede Übungseinheit bietet die Chance für ein kleines Abenteuer im Alltag. Ich bin sofort in einer anderen Welt, in der es nicht um Bestzeiten und Wochen-km geht. Zahlen werden erst wieder beim Höhenmetersammeln interessant.

 

Was ist schwieriger, runter oder hoch zu laufen?

Trail4Rudi:  Beim Hochlaufen ist nicht das Laufen schwierig, sondern für Viele eher die Entscheidung, nicht mehr zu laufen! Ab einer bestimmten Neigung und Steigungslänge ist es ökonomischer, bergauf zu gehen. Wer hier dennoch krampfhaft weiter läuft, vergeudet sehr viel Kraft ohne wesentlich schneller zu sein. Bei langen Distanzen lautet meine Empfehlung also: so früh wie möglich mit dem Gehen beginnen und die eingesparte Power für die letzten km aufsparen. Noch ein Tipp: Stöcke bringen auf langen und steilen Steigungen eine echte Erleichterung und Unterstützung.
Das Runterlaufen wird erst dann schwierig, wenn man sehr schnell sein möchte. Das benötigt viel Erfahrung, Trittsicherheit und sicher auch eine Portion Mut. Da es für die Meisten aber nicht ums Tempo, sondern um Sicherheit geht, sollte man nichts überstürzen und die natürlichen Gegebenheiten einbinden – also Steine oder Wurzeln als Stufen und Böschungen als Steilkurven nutzen. Wenn es zu schnell und steil wird, bietet es sich an, Schlangenlinien zu laufen.

Was ist dein schönstes Trailerlebnis?

Trail5Rudi:  Bei einem Hüttenurlaub mit Freunden in den Alpen „opferte“ ich mich täglich, um morgens im Tal Brötchen und eine Zeitung zu besorgen. Von Tag zu Tag wurden meine morgendlichen Streifzüge umfangreicher. Am letzten Tag bog ich auf dem Rückweg vom Bäcker immer weiter ab und verließ schnell den Ausschnitt der mitgeführten Wanderkarte. Noch ein Steig, noch ein Gipfel, noch ein Pfad und ich stand plötzlich im weglosen Niemandsland. Da ich sicher war, zumindest die Richtung zu kennen, blieb ich in Bewegung. Doch mehrmals wurde ich durch Felsabbrüche und Schluchten gestoppt, die ein Weiterlaufen unmöglich machten. Damals noch ohne Rucksack – also ohne Verpflegung und Mobiltelefon unterwegs – wurde ich nach 3 Stunden doch etwas nervös! Da mir die Gemsen auch keine Auskunft geben konnten, entschied ich mich für eine Himmelsrichtung und erreichte nach mehreren zwangsläufigen Kletterpassagen doch das richtige Tal und schlussendlich nach 5 Stunden unsere Hütte voller hungriger Freunde. Leider hatte ich die meisten Brötchen auf meiner Tour selbst gegessen – und von der zerfledderten Zeitung war auch nicht mehr viel übrig…

Was würdest du einem Anfänger raten?

Rudi:  Einfach losrennen und abbiegen, wo du noch nie abgebogen bist! Man benötigt weder Hochgebirge, noch eine High-End-Ausstattung zum Traillaufen. Der nächste Trail beginnt hinter deinem Haus. Wichtig ist, die bekannten Laufstrecken zu verlassen und spielerisch neues Terrain zu erkunden. Entweder wählt man die sichere Variante und schließt sich einem erfahrenen Trailläufer an, nutzt eine gute Karte oder einen ausgeschilderten Wanderweg. Oder man entscheidet sich für die Abenteuervariante und läuft einfach drauf los und lässt sich überraschen, wo es einen „rausspuckt“! Für erste Erfahrungen reicht auch die Laufausstattung, mit der man sonst die Asphalt- oder Parkrunden gedreht hat.

Welche Empfehlungen hast du für Läufer, die sich intensiver mit dem Laufen im Gelände beschäftigen möchten?

RudiRudi:  Wer sich doch intensiver dem Laufen im Gelände widmen möchte, wird mit einer Basisaustattung ohne Zweifel das Trailvergnügen erhöhen können. Dazu zählt natürlich das Lieblingsutensil aller Läufer, der Schuh. Ein guter Trailschuh vereinigt guten Grip, Flexibilität und Schutz. Mittlerweile zeichnen sich viele Trailrunningmodelle zusätzlich durch geringes Gewicht und eine moderne, trendige Optik aus. Ich laufe momentan den „SALOMON Speedcross3“, der zusätzlich auch in einer Wetterschutzvariante (Speedcross 3 CS) erhältlich ist. Wenn die Läufe im Gelände etwas umfangreicher werden, bietet sich an, neben Trinkflüssigkeit und einem Riegel auch noch Karte und Mobiltelefon mitzunehmen. Zusammen mit einer leichten Jacke und je nach Tageszeit einer Stirnlampe in einen Laufrucksack gepackt, ist man für alle Fälle gerüstet. Moderne Rucksäcke tragen sich wie eine Weste und bieten weitere nützliche Ausstattungen.

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Kategorien : Equipment Trainingstipps


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