Drei Länder, zwei Läufer, eine Woche – ein Traum! So wirbt der Münchner Veranstalter PlanB für eines der härtesten Teamrennen der Welt, dem Transalpine-Run (TAR). Sieben Tage lang geht’s für die Läufer auf einer Strecke von 250 Kilometern und 15.000 Höhenmetern durch acht Orte und drei Länder. Was an Abenteuer, Faszination, Kampf und Teamspirit hinter und in diesen Zahlen steckt, erzählt euch RUNNERS POINT-Mitarbeiter Benjamin Klöppel. Er war dieses Jahr bereits zum vierten Mal dabei.

von Benjamin Klöppel

Meine Motivation für den Transalpine-Run 2016

Eigentlich könnte man meinen, dass dieses Event für mich langsam zur Routine wird, war ich doch bereits zum vierten Mal in Folge am Start. Doch das stimmt so nicht, denn erstens gibt es in den Bergen so etwas wie Routine nicht und zweitens gab es für den Start 2016 gleich zwei weitere überzeugende Gründe für mich.

Der erste Grund: Nachdem die letzten Jahre immer zwischen einer technischen Westroute (Oberstdorf-Latsch) und einer eher flacheren, aber längeren Ostroute (Ruhpolding-Sexten) abgewechselt wurde, gab es dieses Jahr eine komplett neue Route: von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen.

Der zweite Grund: Dieses Jahr sind auch meine drei Brüder mitgelaufen. Anfänglich wurde ich für meine Trail-Leidenschaft noch von ihnen belächelt und für bekloppt gehalten, doch irgendwie und irgendwann hat diese tolle Form des Laufens abseits der Straße die drei immer mehr in den Bann gezogen.

Die Vorbereitung

Die Vorbereitung verlief, nachdem der Schnee in den Bergen geschmolzen war, echt gut. Wir bzw. ich konnte mich 1a für das Event vorbereiten. Vier Wochen vor dem Transalpine-Run lief ich dann beim AlpenX100 im August schon mal fast die gleiche Strecke ab. Dort ging es zwar „nur“ 160 Km von Seefeld nach Brixen, dafür aber Non-Stop – ein perfekter letzter Formtest.

Und dann war es soweit. Nachdem die letzten Tage vor dem Start die Ausrüstung gepackt wurde und jeden Tag der bange Blick auf das Wetterradar auf der Tagesordnungen stand, ging es endlich los. Meine drei Brüder Marc, Joshua und Dominik, das Bodenteam, unsere Eltern Birgit & Thomas mit meiner Freundin Sonja, und ich machten uns auf den Weg nach Garmisch.

Transalpine-Run 2016 – Tag 1: Runter vom Gas

Die erste Etappe führte uns von Garmisch-Partenkirchen nach Lermoos. An diesem Tag mussten wir gut 36 km mit über 2.000 m im Aufstieg bewältigen. Da ich aber noch total frisch war, alles andere wäre bei der ersten Etappe auch suboptimal, und sogar der vorhergesagte Regen ausblieb, lief die Etappe für mich und meinen Teampartner Holger wirklich gut. Leider machten wir aber doch zwei kleine Fehler… Zum einen holte ich mir den ersten Sonnenbrand – das geht in den Bergen doch schneller als im Tal – und zum anderen ließen wir uns anfänglich, obwohl wir ja schon Erfahrung beim Transalpine-Run haben, verleiten, etwas zu schnell zu starten, so dass wir unser Tempo auf den letzten Kilometern etwas drosselten, um nicht zu viel Energie zu verbrauchen.

Tag 2: Alpenpanorama pur

Am zweiten Tag kam schon mehr Transalpine-Run-Feeling auf. Der Wecker klingelte morgens je nach Start zwischen 4:30 h und 5:30 h, denn wir mussten schließlich noch frühstücken, uns anziehen und unser Gepäck 1,5 Stunden vor Start abgeben, damit dieses in das nächste Hotel transportiert werden konnte. Der Regen über Nacht zwang den Veranstalter, einen Teil der Route zu verändern. Die Steinschlaggefahr war zu hoch. Nachdem wir tags zuvor noch viele Forstweg gelaufen waren, zeigten sich die Berge an Tag 2 schon mehr von ihrer schöneren Seite und der Anteil der Singletrails nahm zu. Was mich persönlich sehr freute, da ich die technischen Passagen liebe und Forstwege auch daheim laufen kann!

Tag 3: Die Königsetappe

Der 3. Tag beim Transalpine Run war zugleich der härteste. Wir nannten die Etappe Königsetappe. Warum? Knapp 50 km und über 3.00 m im Aufstieg sprechen für sich. Aufstehen fiel an diesem Tag nicht nur mir, sondern jedem schwer, denn der Wecker klingelte schon vor 5 Uhr. Aber beschweren darf sich keiner, ist ja schließlich alles freiwillig!

Auch heute spielte das Wetter dem Wetterdienst einen Streich. Der vorhergesagte Niederschlag blieb zum Glück aus, denn Regen wäre auf dieser Etappe kein Spaß gewesen. Die erste Hälfte verlief für Holger und mich nicht optimal. Auf einem kleinen Asphaltstück war ich einem Augenblick zu unachtsam und stürzte. Die Verletzung an Knie und Hand hielt sich aber zum Glück in Grenzen.
Umso schöner blieb mir der zweite Abschnitt dieser Etappe in Erinnerung! Tolle Singletrails, teilweise Felsblöcke, waren der Weg und für Holger und mich ein Traum zu laufen! Das und die Atmosphäre des Pitztal sind die Augenblicke, in denen man wieder weiß, für was man die ganzen Strapazen auf sich nimmt!

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Tag 4: Teamwork in den Bergen

Da am 4. Tag „nur“ ca. 25 km und 1.800 Höhenmetern auf dem Plan standen, dachten viele an eine vermeintlich lockere Erholungsetappe nach dem gestrigem Brett. Doch nur Läufer, die wie ich schon öfter dabei waren, wussten: Erholungsetappen gibt es nicht! Besonders wenn es, wie an diesem Tag, über einen Gletscher geht. Die Strecke verlief fast nur auf 2.000 Meter über normal Null. Damit hatten viele Probleme und wären ohne Verschieben des Zeitlimits aus dem Rennen geflogen. Auch mein Teampartner hatte an diesem Tag Schwierigkeiten, allerdings nicht ausdauerbedingt: Seine gebrochene Rippe ließ ihn in der Höhe nicht frei atmen. Also machte ich den Sherpa für ihn und trug seinen Rucksack nach oben. Beides zusammen hatte zur Folge, dass an diesem Tag nicht allzu viel Kommunikation zwischen uns stattfinden konnte. Aber das macht ein TEAM-Rennen eben aus. Im Ziel hatte ich dann noch genug Worte und machte meiner Freundin Sonja einen Heiratsantrag, den sie zum Glück auch annahm. Auch das kann Transalpine-Run sein!

Tag 5: Ein Sturz mit Folgen 

transalpine-run-tag-61kmSo langsam wurde das frühe Aufstehen zur Routine – und auch das Laufen! Aber gerade das darf nicht zur Routine werden, wie mein Partner Holger am fünften Tag schmerzlich erfahren musste. Nachdem wir uns auf der heutigen Etappe 1.400 Meter nach oben über das Timmelsjoch gearbeitet und auch den folgenden, technisch sehr anspruchsvollen Downhill ohne Probleme gemeistert hatten, passierte nach 31 km genau das, was nicht passieren darf: Mit den Gedanken schon fast im Ziel, kamen wir an das Ende eines Waldabschnittes. Durch die wechselnden Lichtverhältnisse von Sonne und Schatten war die Strecke sehr schwer zu erkennen. Als dann noch das „2 km to go“-Schild kam, war mein Teampartner für einen Augenblick zu sehr abgelenkt und stieß gegen eine von Laub und Staub verdeckte Wurzel. Schon nach dem Sturz hatte er eine böse Vermutung, die sich im Ziel beim Arzt bestätigte: Der Zeigezeh war gebrochen. Der Arzt meinte nur, der Transalpine-Run sei für ihn vorbei, er würde zu große Schmerzen beim Laufen haben. An diesem Tag waren wir beide mehr als bedient, denn schließlich wollten wir doch zusammen als Team ins Ziel in Brixen einlaufen.

Tag 6: Langsam, aber gemeinsam vorwärts

Noch zwei Etappen! Nachdem Holger mich morgens alleine ins Rennen schicken wollte, fragte ich ihn nur: „Steigst du aus?“ Er verneite. Für mich war dann klar: Wir ziehen das als Team durch! Schließlich macht genau das diesen Lauf so einzigartig! Nicht das Ziel alleine, sondern das Ziel als TEAM zu erreichen – das ist hier die Kunst. Holger war überglücklich, dass ich nicht nach meiner Zeit schaute, sondern für mich das Team-Finish im Vordergrund stand. Auch, wenn wir es nun etwas langsamer angehen würde…
Langsam passte auch zu dieser Etappe. Weniger wegen unseres Handicaps, sondern weil sich an diesem Tag wieder einmal zeigte: Keine Etappe ist wie die andere! Auch heute mussten wir, wie schon den Tag zuvor, 33 km bewältigen. Gut, diese Etappe hatte 1000 Höhenmeter mehr, trotzdem waren wir nach 4:20 h – unserer gestrigen Zielzeit – gerade mal 20 km weit gekommen. Schon machten sich die ersten zweifelnden Gedanken breit: „Wenn wir gerade mal hier sind, schaffen es meine Brüder dann noch rechtzeitig vor dem „Cut-Off“ ins Ziel?“ Schließlich wollte ich nicht nur mit Holger in Brixen einlaufen, sondern auch mit meinen Brüdern zusammen. Aber auch an diesem Tag kamen alle Läufer unseres Teams im offiziellen Zeitlimit ins Ziel.

Tag 7: Finale!!!

Ungläubig stand ich an diesem Tag am Start. Ist es schon wieder vorbei? Schon eine Woche geschafft? „Wir sind doch gerade erst in Garmisch gestartet“ hatte ich morgens noch gedacht. Doch meine Füße und Beine ließen mich beim Aufstehen schnell wieder wissen: „Ok, ich bin schon ein Weilchen unterwegs und ja: ich bin froh, dass es heute dann vorbei ist“.
Der letzte „Highway to Hell“ (die Startmelodie in der letzten Minute vor dem Start) genossen wir an diesem Tag besonders. Ebenso die Etappe, welche uns immer wieder leicht vernebelte, aber tolle Blicke auf die Dolomiten schenkte. Auch heute biss sich Holger trotz lädiertem Zeh nochmal klasse durch. Hätte er den mir vom AlpenX100 bekannten Abstieg nach Brixen auf dem Schirm gehabt, wäre er womöglich nicht an den Start gegangen! Wir standen vor dem letzten Downhill, Holger freute sich schon, war ja das Ziel, der Domplatz, schon zu sehen. Ich jedoch wusste, was uns noch bevor stand. Knappe 10 Kilometer und über 2000 Höhenmeter, die besonders anfänglich sehr steil nach unten gingen. Aber egal die Freude, es trotz der Verletzungen noch als Team zu schaffen, lies uns auch dies Hürde meistern. So kam ich mit Holger als erster meiner Brüder im Ziel in Brixen an, wo wir schon sehnsüchtig von unserem Bodenteam erwartet wurden. Nach und nach kamen auch Marc und Joshua samt Teampartner an. Dominik, dessen Partner leider aus familiären Gründen an Tag 2 abreisen musste, erreichte das Ziel als Individualfinisher. Er war die letzten Tage mit einen anderen Team zusammen gelaufen.

So wurde dann nicht nur der Wunsch und Traum wahr, dass wir vier Jungs gemeinsam beim Transalpine-Run 2016 an den Start gehen, sondern auch, dass alle vier Klöppel-Brüder sich im Ziel das begehrte Finishershirt abholen konnten!

Wer noch mehr Infos möchte: Unter https://werun4fun.de könnt ihr mehr über die Lauferlebnisse der Klöppel-Brüder lesen!


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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