Kaum sind wir ein paar Tage im Januar, da liegt die Frage nach den „guten Vorsätzen“ für 2017 ganz klar vor den „guten Wünschen“ für das neue Jahr. Ja, gute Vorsätze haben gerade Hochkonjunktur! Unsere Laufexperten haben sich Gedanken über das Für und Wider solcher Vorsätze in Sachen Trainings- und Laufsaisonplanung gemacht. Motivieren sie fürs neue (Lauf)Sport-Jahr oder engt eine durchgeplante Saison zu sehr ein und vermiest einem dem Spaß am Laufen? Martin und Peter sind da unterschiedlicher Meinung.

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Voll verplant oder was?

von Peter

15 Jahre lang habe ich spätestens im Dezember meine Laufsaison für das kommende Jahr geplant. Ich habe Laufkalender verschiedener Anbieter zu Rate gezogen, Wettkampfanmeldungen frühzeitig verschickt und sogar meine Urlaube den Lieblings-Laufveranstaltungen angepasst. Die Trainingspläne, die ich für die verschiedenen Streckenlängen bereits besaß, habe ich getunt, neue Trainingserkenntnisse wissbegierig aufgesaugt und teilweise für gut befunden. Daraus habe ich dann Trainingspläne für die Saisonhöhepunkte gebastelt und in einen dafür extra angeschafften Kalender eingetragen. Gleich im Januar habe ich dann mit der gezielten Vorbereitung angefangen – meistens mit Winterlaufserien. Und es gab in all den Jahren tatsächlich auch Laufevents, bei denen ich an den Start gegangen bin, nur weil ich angemeldet war und nicht, weil ich wirklich Lust hatte.

Und dieses Jahr?

Dieses Jahr wird alles anders! Ich werde einfach mal nach Lust und Laune trainieren, laufen und Sport treiben. Ich will mich nicht von meinen sportlichen Vorsätzen einengen und mir mal nicht von einem Plan sagen lassen wann, wie und wo ich zu trainieren habe. Wenn ich am Montag keinen Bock habe, auf die Bahn zu gehen, dann tue ich das auch nicht. Habe ich am Wochenende keine Lust auf einen langen Lauf, dann laufe ich halt nur kurz oder vielleicht auch gar nicht. Sollte ich mich kurzfristig für einen Wettkampf entscheiden und dieser ist dann vielleicht schon ausgebucht, dann suche ich mir halt einen anderen. Die Auswahl ist doch riesengroß – vom Frühjahr bis in den Herbst hinein.

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Ich werde es genießen, querfeldein zu laufen, spektakuläre Trails zu finden und anspruchsvolle Hügel rauf und runter zu laufen. Ich werde mich morgens fragen: „Ist heute ein guter Tag zum Laufen?  Welche Streckenlänge könntest du dir heute vorstellen? Ist heute ein Tempolauf angesagt oder ein ganz entspannter Lauf mit Freunden?“

Da ich ja nach wie vor gerne laufe, werde ich sicher auf viele Laufkilometer kommen – und das vollkommen ohne das einengendes Plankorsett. Ich nehme mir die Freiheit, ganz kurzfristig zu entscheiden, wie meine Trainingseinheit aussehen soll. Das bietet mir auch die Möglichkeit, Verabredungen mit Freunden zu treffen, die sich spontan bei mir melden und zusammen mit mir laufen, Rad fahren oder Tennis spielen wollen.

Bin ich jetzt planlos? Nein, keinen Plan zu haben ist auch ein Plan. Wichtig ist nur, dass ich Spaß dabei habe. Und in einem Jahr weiß ich, ob der Plan „PLANLOS“ der Richtige für mich ist!

Gut geplant ist halb gewonnen

von Martin

schuhe-schnueren-losIch bin ganz ehrlich: um meine guten Vorsätze für 2017 zu erfüllen, habe ich mich schon im August 2016 für den Venloop Halbmarathon in Venlo angemeldet. Mein Vorsatz ist nämlich, dass ich aufhören muss, weniger zu laufen! Den Spruch habe ich von einem Kollegen geklaut. Und damit ich mein Ziel erreiche, habe ich mich bereits Mitte November hingesetzt und meine sportlichen Wettkämpfe für 2017 geplant. Wenn ich von Peter so höre, wie er die letzten 15 Jahre seine Planung aufgebaut hat, dann sind wir uns da schon recht ähnlich, denn einschlägige Webseiten mit Laufterminen durchforste auch ich und auch meine Laufkalender blättere ich durch, bis sie zerschlissen sind. Und das alles, um 2017 nicht weniger zu laufen als 2016. Also: Schuhe geschnürt und ab ins neue Jahr!

Was aber nicht unbedingt heißt, dass 2017 auch schneller wird. Mein Vorsatz ist eher, dass das neue Jahr für mich erfolgreicher wird. Nicht unbedingt erfolgreicher in Sachen Platzierung oder Bestzeiten – Erfolg ist für mich nicht, wenn ich laut Urkunde wieder einen eigenen Rekord geknackt habe. Erfolg definiere ich 2017 für mich so: Ich möchte beim und mit dem Laufen viel erleben, auch Neues, und eine Menge Spaß haben. Der kam zwar 2016 nicht zu kurz, aber Luft nach oben ist definitiv noch.

Bei allen meinen guten Vorsätzen geht mir aber die Flexibilität nicht verloren. Ich fühle mich nicht von meinen Plänen eingeengt, eigentlich eher im Gegenteil: sie geben mir die Möglichkeit und Freiheit, 2017 sowohl im Training als auch bei den Wettkämpfen Erfahrungen zu sammeln, die mein Leben bereichern. Durch sie werde ich neue Menschen kennenlernen, Emotionen erleben, Prüfungen bestehen und Herausforderungen meistern. Ja, das neue Jahr hat eine Fülle zu bieten, das weiß ich schon jetzt, und ich bin bereit, mich auf Vieles einzulassen. Und vielleicht wartet 2017 ja auch eine Laufveranstaltung auf mich, bei der ich nicht 75% der Distanz für mich alleine irgendwo im Nirgendwo Richtung Ziel unterwegs bin?

Gute Vorsätze, Planung, Struktur – voller Vorfreude bin ich gespannt, was im kommenden Jahr so alles läuft!

Wie sieht’s bei euch aus – habt ihr gute Vorsätze und konkrete Pläne in Sachen Laufen oder geht ihr es auch planlos an?


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Kategorien : Trainingstipps


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