Wie sieht eigentlich das Leben nach der Profi-Karriere aus? Laufexpertin Tabitha hat die mehrfache deutsche Meisterin Jana Hartmann über ihre Einstellung zum Sport, Doping und Ernährung befragt.

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Wie fühlt es sich an, wenn man bei den Weltmeisterschaften im Stadion wartet und den Zuschauern zuwinkt? Die Minuten kurz vorm Startschuss finde ich immer extrem spannend – vor allem bei den Sprintern. Wie krass muss es sein, mit den besten Läufern Deutschlands um die Wette zu rennen? Und was macht man, wenn mal alles vorbei ist, wenn Erfolg und Ruhm ein Ende nehmen? 20 Jahre Leistungssport prägen einen Menschen – die 8-fache deutsche Meisterin Jana Hartmann hat viel erlebt und denkt gerne an die Zeit als Profi zurück. Sie arbeitet bei der Polizei und hat dem Sport nie den Rücken gekehrt. Heute nutzt sie ihre Erfahrung, um Unternehmen und ambitionierten Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Was denkt sie über die Zeit, als das Laufen ihr Leben maßgeblich bestimmte? Ich habe sie getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt.

Tabitha: Was ist deine schönste Erinnerung an deine Profizeit?Jana Hartmann,800m,16.08.09,WM,Berin

Jana: Es gibt keine schönste Erinnerung, denn ich habe jeden Tag meiner Profizeit genossen. Ich habe es geliebt zu trainieren, meinem Körper Höchstleistungen abzufordern und bis an die Grenzen zu gehen. Ich habe es geliebt, zu Wettkämpfen zu fahren und mich der Konkurrenz zu stellen – auch wenn ich nicht immer gewonnen habe. Ich habe so viele schöne Erinnerungen. Neben dem harten Training habe ich auch die zahlreichen Trainingslager im Ausland sehr genossen.

Tabitha: Was denkst du über Doping?

Jana: Vor einigen Tagen sorgte eine Reportage auf ARD für Aufsehen: Eine russische 800m Läuferin half bei der Aufdeckung russischer Methoden, in dem ein systematisches Doping gewollt, sogar verlangt wird. „Gegen die bist du doch immer gelaufen“ hat mir mein Dad am Tag darauf noch am Telefon gesagt. Es ist schade, dass man selbst hart trainiert, bis an die erlaubten Grenzen geht und dann am Ende die WM-Finalplätze den gedopten Athletinnen vorbehalten bleiben. Viele Leistungssteigerungen mancher Konkurrentinnen kamen sehr plötzlich. Da wird man schon mal skeptisch. Wenn man durch diese Entwicklungen aus Förderungen gestrichen wird, spricht das weder für die Fairness im Sport noch für unser System. Viele Nachwuchsathleten schmeißen schon früh das Handtuch, weil sie keine Perspektive sehen. Hier kommt alles zusammen. Es tut mir für die Sportler leid, die bei einer großen Meisterschaft Medaillen, durch nachträgliche Sperren, nachgereicht bekommen und somit einen emotionalen Moment ihrer Karriere verpasst haben. Ist das nicht DER Moment für den wir den ganzen Aufwand betreiben?

Tabitha: Wie sah deine Ernährung in dieser Zeit aus – isst du heute anders?

Jana: Gesund – ich habe echt sehr bewusst gegessen. Zwei Jahre lang hatte ich auch einen Ernährungsberater, um noch die kleinsten Reserven aus mir heraus zu kitzeln. Aufgrund der vielen Trainingseinheiten war es aber auch wichtig schnell zu regenerieren. Da hatte ich mit Ultra Sports einen sehr guten Sponsor an meiner Seite. Mit besonderen Nahrungsergänzungsmitteln konnte ich mich einfach schneller erholen. Das war wichtig! Aber Pommes und Pizza habe ich mir auch ab und an mal gegönnt. Der Spaß am Essen darf eben nie verloren gehen! Heute versuche ich gesund zu essen.

Tabitha: Welche Rolle spielt das Laufen heute für dich?

Jana: Ich laufe noch gern, aber nicht mehr auf Zeit und Sieg.

Tabitha: Wie hältst du dich heute fit?

Jana: Sport ist immer noch ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich trainiere regelmäßig, mindestens 3 Mal pro Woche. Mein Körper braucht das aber auch. Aber alleine zu joggen fällt mir schwerer als früher. Das Ziel vor Augen fehlt. Das Training ist einfach anders – ich laufe um meinen Körper fit zu halten und nicht um zwei schnelle Stadionrunden zu laufen. Ich befinde mich ja noch im Abtraining, da sind manche Tempoeinheiten unumgänglich. Es geht einfach nicht mehr so sehr um mich, sondern um die Ziele meiner Athleten.

Tabitha: Welche Trainingsmethoden aus der Profizeit wendest du noch an?

Jana: Im läuferischen Bereich noch alles – von Tempoläufen bis zum lockeren Dauerlauf. Der athletische Bereich ist breiter als vorher aufgestellt, da ich mir als Athletiktrainerin ein größeres Portfolio angeeignet habe.

Tabitha: Was genau machst du in deinem Projekt „upletics“?

Jana Hartmann upletics

Jana: upletics bewegt seit fast einem Jahr Menschen aller Art. Im Kinder- und Jugendbereich liegt unser Fokus auf die leistungssportliche Entwicklung der einzelnen Athleten. Im Firmen-Fitness-Bereich geht es um Spaß, Freude an der Bewegung und Teambuilding. Meist enden die Kurse der Unternehmen mit einer gemeinsamen Veranstaltung. Firmenläufe werden immer beliebter und Laufveranstaltungen lassen sich perfekt in unsere Kurse integrieren.

Tabitha: Warum liegt der Fokus auf Kindern und Teenagern?

Jana: Kinder sind unsere Zukunft, auch sportlich. Viele Sportarten sind gut aufgestellt. Aber aufgrund von Ehrenämtern fehlt vielen Trainern oft die Zeit und das Know How für das Ergänzungstraining. Viele Trainer kommen mit großem Engagement zum Training aber die individuelle Betreuung kann kaum gewährleistet werden. Aus der Zeit in der Leichtathletik habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Wer weiß, vielleicht helfen wir ja bei der Entwicklung eines Olympiateilnehmers oder eines großen Fußballspielers.

Tabitha: Was verändert sich durch diese Betreuung bei den Sportlern?

Jana: Sie werden athletischer (lacht). Nein, im Ernst, es gibt viele Ansätze. Wir arbeiten nicht einfach drauf los. Gemeinsam mit Heimtrainern, Vereinen oder Verbänden besprechen wir die Trainingsinhalte für die Kids. Das kann eine Schnelligkeits-Entwicklung des Fußballers sein oder die Kraftwerte eines Tennisspielers. Gemeinsam mit unserem Netzwerk von Physios und Ärzten steht aber vor allem die gesundheitliche Entwicklung im Vordergrund und nicht der schnelle Erfolg.

Tabitha: Wo siehst du die größten Schwachstellen bei Läufern?

Jana: Im athletischen Bereich und bei den Füßen. Viele Verletzungen könnten vermieden werden. Ein Körper muss auch auf die anstehenden Belastungen vorbereitet werden. Das wird leider zu oft vergessen, weil meist die Zielzeit im Vordergrund steht.

 

Wer ist Jana Hartmann?

8 – fache Deutsche Meisterin von 2007 – 2011 (6x800m / 2xStaffel)Jana Hartmann 2

Team-Europameisterin 2009

Vize-Team- Europameisterin 2011

6.Platz Hallen Europameisterschaften 2011

WM-Teilnahme 2009 in Berlin

Hallen-EM Teilnahme 2007

Europacup Teilnahme 2006 und 2008

21- fache Deutsche Polizeimeisterin von 2001 – 2013

Mehr Infos zu ihr und upletics findet ihr unter www.upletics.de


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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