Was das Tapen genau bewirkt, welche Bedeutung die unterschiedlichen Farben haben und vieles mehr über das Phänomen „Kinesio Taping“ hat Laufexperte Peter im Gespräch mit dem Physiotherapeuten Hems Bungenberg de Jong erfahren.

Kinesio_6   von Peter Bunt gestreifte Athleten sind mittlerweile auf den verschiedensten Veranstaltungen anzutreffen. Läufer, Fussballer, Volleyballer und sogar Schwimmer kommen getaped daher. Das hat aber keine modischen Gründe, wie mancher vielleicht denken könnte. Viele Sportler, die solche Kinesio-Tapes nutzen, berichten davon, dass ihnen diese Tapes helfen. Ich habe mal beim Physiotherapeuten meines Vertrauen genauer nachgefragt.

Peter: Bei Netto, Aldi und Co finden sich mittlerweile die bunten Klebebänder! Für wen sind diese gedacht und was bewirken sie?Kinesio_1

Hems: Die Kinesio-Tapes von Aldi, Lidl, Netto und Co sind von guter Qualität und sind oft günstiger als die aus der Apotheke. Und da man das Tape beim Physiotherapeuten oft extra bezahlen muss, macht es durchaus Sinn, sich sein eigenes Tape mitzunehmen. Es gibt auch Sportarten, wie z.B. Schwimmen, wo sich die Tapes schneller von selber wieder lösen – so ist es auf die Dauer auch eine Kostenfrage! Zur Wirkung: Das Kinesio-Tape erzielt man einen Massageeffekt von Haut und Muskulatur. Es wirkt schmerzlindernd, abschwellend und es schützt vor Fehlbelastungen. Außerdem erreicht man durch die Anwendung des Kinesio-Tapes eine bessere Durchblutung im Problembereich, die zu einer verbesserten Versorgung, und Aktivierung des Lymphsystems führt. Einer der wichtigsten Effekte ist die Vermeidung von muskulärer Atrophie (Gewebeschwund), da die Stilllegung des Gelenkes und der Muskulatur vermieden wird.

Peter: Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Farben! Haben diese Farben auch eine Bedeutung bzw. andere Wirkungsweise?

Hems: Die Farben sind an der Farbtherapie angelehnt. Da wird z.B. bei Zerrungen eher das rote Tape verwendet, da es wärmen und stabilisieren soll. Und bei Schwellungen verwendet man eher das blaue Tape, das kühlend und dämpfend wirken soll. Schwarz und Beige sind neutrale Farben, die häufig noch über andere Tapes geklebt werden, um deren Wirkung zu verstärken.

Peter: Kann jeder Sportler sich selber zukleben oder sollte ich einen Experten/Physio aufsuchen?

Kinesio_5 Hems: Häufig sind selbst angebrachte Tapes fehlerhaft geklebt und erzielen so nicht die Wirkung, die erreicht werden soll. Es macht Sinn, sich bei Beschwerden erst einmal vom Fachmann die richtige „Anbringungsweise“ zeigen und erklären zu lassen. Bei immer wiederkehrenden Beschwerden ist vorbeugendes Tapen sicher sinnvoll. Allerdings sollte das erste Kleben vom Experten erfolgen, der dann auch Tipps zum Selberanbringen geben kann. Und wenn das Tape beispielsweise auf den Rücken oder die Schulter muss, ist das mit dem Selbstkleben sowieso schwierig.

Peter: Können kurzfristig (vor einem Training oder Wettkampf) mittels Taping Beschwerden gelindert oder vorgebeugt werden?

Hems: Ja, sicher. Oft sieht man bei Wettkämpfen in TV-Übertragungen, dass die Sportler getaped sind. Dies wirkt sowohl vorbeugend und besitzt in vielen Fällen auch eine psychologische Komponente.

Peter: Wie lange sollte ich so ein Tape auf der Haut lassen?

Hems: Das Tape kann locker bis zu einer Woche auf der Haut verbleiben. Oft löst es sich dann von selbst langsam ab. Beim Auftreten von Juckreiz bitte sofort entfernen, da es dort zu Hautreaktionen gekommen ist. Hems Bungenberg de Jong ist Physiotherapeut in Dortmund und seit 1995 in seiner eigenen Praxis „Physiomed“ tätig. Er studierte an der Fachhochschule SUPA in Utrecht und nahm an weiterführenden Ausbildungen mit manualtherapeutischen und osteopathischen Schwerpunkten teil. Vom Breiten- bis zum Leistungssportler hat er viele Athleten unter seinen Händen.


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