33,33 Kilometer gegen den Wind – Laufexpertin Tabitha berichtet vom  Sylt-Lauf 2015

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Zugegeben, bei Sylt kamen bei mir sofort Bilder von Promi-Schaulaufen, Kurorten, teuren Sternerestaurants und der Sansibar in den Kopf. Doch eine gute Freundin hat mich vor einiger Zeit dazu überredet, beim Syltlauf zu starten. „Das ist ein super Vorbereitungsevent für die Marathonsaison und die Strecke ist einfach klasse – ein echtes Abenteuer!“ Also sind wir zusammen auf der bekannten Ferieninsel gelaufen, haben den Wind „besiegt“ und mit viel guter Laune die 33,33 Kilometer gefinisht. Seitdem gehört für mich der Sylt-Lauf jedes Jahres in den Kalender. Warum? Weil er Kurzurlaub und Abenteuerreise in einem ist. Man läuft in einer anderen Welt, kann durchatmen, sich mit den Elementen messen und mit vielen fröhlichen Leuten auf besondere Weise in die Laufsaison starten.

Der Sylt-Lauf ist einfach anders – das beginnt schon vor dem Lauf

sylt1Nach der Anmeldung kommt per Post eine schöne Karte die zur Startnummernausgabe mitgebracht werden muss. Auf meiner ist ein tolles Leuchtturmmotiv abgebildet. Ich hänge die Karte an den Kühlschrank – damit ich sie nicht vergesse und um mich in den Wintermonaten noch mehr auf die Insel zu freuen. Bereits bei der Überfahrt mit der Nord-Ostsee-Bahn gibt es diese Momente der Stille. Man schaltet ab und um – auf Inselfeeling. Die kleinen Örtchen mit ihren Reetdachhäusern wie in Rantum stehen halb versteckt in den Dünen. Sie erinnern mich sofort an Asterix und Obelix und ihr kleines gallische Dorf. Ich reise zwei Tage früher an. Wir gehen spazieren, bummeln, essen und natürlich laufen – auch vor dem Wettkampf. Wer gerne am Strand läuft sollte auf jeden Fall zuvor den Wattkalender zu Rate ziehen. Es ist herrlich durch die Dünen zu rennen, natürlich nur auf den erlaubten Pfaden im Sand.

Die Heidelandschaft der Insel steht unter Naturschutz, sie ist das Zuhause von vielen gefährdeten Tierarten und Pflanzen. Die „wilden“ Wege betreten wir nicht – sie leisten der Erosion Vorschub und sollten daher auf keinen Fall begangen werden. An der Küste treffen wir nicht viele Menschen, dafür aber eine kleine Robbe, viele freche Möwen, und einige unerfreute Taschenkrebse, die Vio liebevoll aber entschlossen zurück ins Meer wirft – „um sie vor den Möwen zu retten!“ Ich genieße den Wind, das Rauschen des Meeres und das leichte Wehen in den Dünen. Wir laufen an der Sansibar vorbei, die Flagge flattert fröhlich im Wind, Touristen sitzen in den Strandkörben. Wir haben 15 Kilometer auf der Uhr, aber es fühlt sich nicht so an. Die Zeit ist im Fluge vergangen. Am Abend geht es auf die Pastaparty. Wir treffen alte Bekannte, neue Gesichter und holen unsere Startunterlagen ab. Es gibt neben den gewohnten Utensilien auch Halsbonbons und ein Sylt-Stirnband – das werden wir gut gebrauchen. Der Gegenwind gehört bei diesem Lauf ja zu Tradition!

Der Lauf – Sonne vor Augen und Wind vor der Brust

sylt4Wir werden vom Bus zum Start gebracht, die Stimmung ist ausgelassen. Die meisten hier wollen sich entweder auf einen Marathon vorbereiten oder sehen den Lauf als Programmpunkt ihres Urlaubs. Der Reiz: man läuft vom Süden zum Norden der Insel und bekommt ein gratis Mentalcoaching dazu – den Kampf mit den Elementen. Auch in diesem Jahr gibt es ordentlichen Gegenwind – aber wie heißt es noch so passend: „Das Wetter ist recht demokratisch: für alle gleich.“ (Naja, außer für die Läufer, die sich einen großen Mann suchen und im Windschatten hinterher rennen ) Vor dem Startschuss erzählt der Veranstalter Franz von einem leichten „Säuseln“. Ich empfinde es etwas anders und ziehe die Mütze fester über die Ohren. Franz ruft durchs Megaphon: „Seid ihr bereit für die Insel?“ Wir antworten mit einem beherzten „Jaaa!“

Nach dem Countdown geht es dann los. Die Strecke zeigt viele Seiten der Insel – kleine Waldgebiete, Ortschaften mit fröhlichen Zuschauern, die Promenade, Wege am Meer und die Heidelandschaft. „Beim Tal des Todes denk mal an mich!“ – hat Vio vor dem Start gesagt. Sie musste leider bei Kilometer 10 aussteigen, weil es ihr nicht gut ging. Ich denke an sie – und genieße den Ausblick in den Dünen, den krassen Wind und die hügelige Strecke. Ich habe das Glück, fast die gesamte Strecke mit Andreas zu laufen – er hat mehr Lebens- und Lauferfahrung als ich und ist Trainer einer Gruppe, die ebenfalls gestartet ist. Wir erzählen uns von unseren schönsten Lauferlebnissen und die Zeit vergeht so schnell. Er zieht mich die letzten Kilometer, motiviert mich das Tempo zu halten. Ich war gekommen, um Spaß zu haben. Und dass man dabei auch recht zügig unterwegs sein kann, merke ich kurz vorm Ziel: „Du bist Achte bei den Frauen und zweite in deiner Altersklasse“ ruft mir ein Freund zu. Ich stutze. Und freu mich – über einen tollen Lauf in fröhlicher Begleitung, neuen Geschichten und einem Pokal, der mich ein paar Tage später per Post erreicht. Es ist eine besondere Erinnerung – denn er zeigt die Umrisse der Insel. Das Laufwochenende auf Sylt ist ein Kurzurlaub mit Extra-Kick. Wer nicht die ganze Strecke laufen möchte, kann sich auch als Staffel melden und die 33,33 Kilometer nach Belieben aufteilen!
Bist du bereit für die Insel? Dann sei bereit – denn der Lauf ist immer schnell ausgebucht.


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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