(von Tabitha Bühne)

Lektion 1: Cuba ist anders!

cuba2Ich wollte nach Cuba, um mich auf den Marathon in München vorzubereiten, mich vom Alltagsstress zu erholen, das Land des Kaffees und Zuckerrohrs kennen zu lernen und in der Uni Spanisch zu studieren. Vielleicht zu viele Ambitionen, aber ich war fest entschlossen, die drei Wochen effektiv zu nutzen.

Da ich pünktlich zur Hurricane-Saison flog, konnte es nur spannend werden. Im Gepäck hatte ich neben Laufsachen, Büchern und jeder Menge Seife, Zahnpasta und Nutella für die Einheimischen auch eine gute Freundin, die für 5 Monate in Cuba studieren wollte. Ich hätte, als ich im Flieger saß und die Karte studierte nie gedacht, dass ich es schaffe in 3 Wochen 3 Mal ins Krankenhaus zu kommen, 3 Kilo zuzunehmen und Freunde aus 6 Nationen zu finden.

Der Anfang ist  interessant. Ich habe mich nicht im Hotel, sondern bei Einheimischen einquartiert. 15 CUC pro Nacht + zwei Mahlzeiten. Die Familie ist  herzlich, sehr gastfreundlich und fest entschlossen, mich für die cubanische Küche zu begeistern. Das Ergebnis: Ich werde jeden Tag gemästet und habe in den 3 Wochen 3 Kilo zugenommen. Neben Unmengen Zucker und Öl lieben die Cubaner Fleisch. Als „halbe Vegetarierin“ eine große Herausforderung für mich. Das Obst und das Gemüse der Insel ist dagegen ein Traum. Es läuft den ganzen Tag Salsa-Musik oder das cubanische TV (3 Sender). Zigarrenrauch und Bohnenduft liegen immer in der Luft. In meinem Zimmer bekomme ich täglich Besuch – von Cucarachas jeder Größe, Riesen-Schmetterlingen und kleinen Ameisen. Aber man gewöhnt sich daran…

Jedoch bin ich ja nicht nur zum Vergnügen hier, sondern auch zum Laufen. Okay, das ist natürlich auch ein Vergnügen 😉 Barfußlaufen am Strand von Santa Maria, Sprints am Malecon oder Treppenlauf an der wunderschönen Uni von Havanna: Das sind nur einige der wunderbaren Lauferlebnisse meines Urlaubs.

Lektion 2: Wer nicht nach unten schaut, verliert…

Das Laufen am frühen Morgen lässt mein Herz in jeder Hinsicht höher schlagen. Mein Lieblingsort in der Frühe ist Havanna Vieja. Wenn am kleinen Hafen die Sonne aufgeht und die Fischer auf einen guten Fang warten, ist die Laufrunde trotz der warmen, schweren Luft gleichzeitig auch mentale Erholung.

In Havanna ist es immer laut, es stinkt nach Abgasen aber die Leute sind immer gut drauf. Selbst morgens um 6 Uhr begegnet man vielen Menschen – in der Stadt sind sie am Putzen, am Malecon sitzen die Fischer, Partygänger liegen auf der Mauer am Meer, mit leeren Rum-Flaschen und den Blick zum Wasser geneigt – es ist immer warm, auch wenn es regnet.

Natürlich gelingt es mir, mich nach dem Warmlaufen so richtig langzulegen – selbstverständlich vor den Augen der vielen Polizisten, die irgendeine Botschaft bewachen. Ich habe so einen Untergrund noch nie gesehen bzw. gespürt, das Knie reißt auf, die Schulter blutet, es pocht. Ich bin erst vor 15 Minuten losgelaufen und das Meer ist in Sichtweite. Also laufe ich weiter, die Polizisten trauen ihren Augen nicht und schütteln den Kopf: Die verrückten Deutschen…

Ich laufe zum Meer und versuche meine Wunden auszuwaschen. Es blutet zwar stark aber sieht viel schlimmer aus, als es ist. Ich laufe weiter. Friedhöfe sind hier ganz anders, der Straßenverkehr auch. Die Autos hupen, damit sie nicht bremsen müssen und die Taxifahrer denken sich, dass ich bestimmt gezwungen wurde zu laufen und eigentlich lieber fahren will und sprechen mich daher andauernd an. „No gracias“ wird schnell zu meinem Lieblingssatz. Ich wünschte, ich hätte vorm Urlaub ein Funktionsshirt mit diesem Spruch drucken lassen. Zuhause angekommen schlägt meine Gastmutter die Hände über dem Kopf zusammen und schimpft. Sie schickt mich zum Krankenhaus, um die Wunde desinfizieren zu lassen. Das Krankenhaus werde ich nie vergessen… Hier zieht man keine Nummer, es gibt keine Warteschlange – sondern es wird fleißig diskutiert, wer als nächstes dran kommt. Ich habe Tränen gelacht. In dem Untersuchungszimmer sieht es aus wie im Knast – ein Tisch, zwei Stühle, eine Alu-Liege und ein Waschbecken. Der Arzt kommt aus Mexiko und schreibt das Rezept auf ein Stück Papier. Einen Computer braucht er nicht…

Lektion 3: Cubaner nie nach dem Weg fragen

Es gibt immer nur eine Antwort, wenn ich beim Laufen mal Orientierungshilfe brauche: „Da kann man doch nicht hinlaufen“ sagen die Cubaner – „das ist doch viel zu weit!“ Es kann nicht weit genug sein. In Havanna machen die Autoabgase der alten Wagen aus einer anderen Zeit das Atmen mühsam. Ich will nicht wissen, wie meine Lunge aussieht. Die alten Villen faszinieren mich, lauter wunderschöne Häuser, viele von ihnen verfallen leider langsam aber sicher.

Lektion 4: Hunde in Cuba beißen nicht!

Ich habe Angst vor Hunden wenn ich laufe. Hier auf Cuba gibt es viele Hunde, aber sie haben mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Oft sind sie sehr scheu und die Leute lachen, weil sie genau wie ich ein Ausweichmanöver starten. Als ich mir im cubanischen „Medienmarkt“ landestypische Musik zum Laufen kaufen will, werde ich bei meiner Suche von einem Kätzchen überrascht… Katzen und Hunde sieht man in Cuba eben überall.

Lektion 5: Cubanische Musik bringt Tempo auf die Strecke

Ich höre mittlerweile „Bam Bam“ oder den guten alten „Buena Vista Social Club“ beim Laufen. Das macht fröhlich – und man hört die Anmache der Männer nicht, die so platt und primitiv ist, dass selbst eine schlagfertige Frau nicht weiß, ob sie lachen oder weinen soll. Was einem egal zu welcher Uhrzeit bei jeder Laufstrecke „begegnet“ sind Menschen, die Autos reparieren oder eine Siesta machen. Und hin und wieder kommt man an den schrägsten, teilweise sehr interessanten Kunstwerken vorbei. Es wird nie langweilig.

Lektion 6: Cuba ist einfach härter

Man sollte nicht im Stadion der Uni laufen, wenn man keine Krämpfe kriegen will. Der Betonboden ist knallhart. Ich hätte gedämpftere Schuhe mitnehmen sollen. Der Versuch eines Intervalltrainings im alten „Estadio“ der Uni endet in Wadenkrämpfen: Der Boden ist unbeschreiblich hart – was die Cubaner in den Teer gemischt haben, werde ich wohl nie erfahren…

Lektion 7: Moskitos davon laufen ist schwer

Ich wache auf und habe eine unglaubliche Allergie, meine Haut brennt und alles ist rot. Meine Gastmutter nimmt mich mit ins Krankenhaus – mal wieder. Aber dort kennt man mich ja schon. Das Gesundheitssystem bzw. die Ausbildung in Cuba ist übrigens super, viele Ausländer studieren hier Medizin – es ist eben nur anders als bei uns… Der Arzt schüttelt den Kopf und lässt mir Blut abnehmen. Ich traue meinen Augen nicht, als der dafür zuständige Typ eine Nadel nimmt und mir in den Finger piekt, um dann eine gefühlte Ewigkeit die Fingerkuppe zu drücken, bis genug Blut entnommen ist. Die Übeltäter meiner Allergie waren wahrscheinlich Moskitos aus Cojimar. In diesem kleinen Fischerdorf schrieb Hemingway übrigens „der alte Mann und das Meer“ – aber es ist nicht mehr viel übrig von dem Glanz des kleinen Ortes.

Lektion 8: Luft holen!

Außerhalb Havannas ist die Luft besser – aber es regnet viel. Wir fahren am Wochenende nach Soroa und Las Terrazas, wunderschön, aber leider regnet es pausenlos. Ich hole mir eine schöne Erkältung. In Soroa gibt es neben einem Wasserfall und Treppen jede Menge Bäume und einen kleinen Berg. Las Terrazas ist ein großes Naturschutzgebiet, zu dieser Jahreszeit allerdings mit hoher Regenwahrscheinlichkeit. Dennoch eine schöne Ecke zum Laufen! Der Lenin-Park ist ebenfalls ein Paradies für Läufer, liegt außerhalb von Havanna und ist auch zum Relaxen ein schöner Ort

Lektion 9: Langstreckenlaufen nur mit Pesos in den Taschen

Meine Lieblingsstrecke führt mittlerweile am Meer entlang zum Hafen und in die Altstadt bis zum alten Bahnhof. Es ist wunderbar, die Kombination aus aufgehender Sonne und dem glitzernden Wasser, den vielen Fischern und sich erholenden Partygängern ist großartig. Allerdings trinke ich viel zu wenig. Es ist heiß, die Luft ist schwül und schwer. Nach 2 Stunden finde ich einen kleinen Kiosk und kaufe für umgerechnet 30 Cent einen frisch gepressten Saft. Ich denke an die Cholera, als ich das Glas ansetze. Aber ich habe so einen Durst, dass es mir egal ist. Mangosaft auf Cuba ist ein Genuss. Und ich habe Glück – oder einen „Pferdemagen“…

Lektion 10: Alternativtraining mit Russen endet mit Polizei-Besuch

Wie schon gesagt: ich habe in der Uni schnell Freunde gefunden. Alex ist Russe, lebt aber in Tel Aviv und reist um die ganze Welt. Er hat seinen Schlingentrainer mitgenommen und wir machen jeden zweiten Tag Krafttraining. Das ist super. Leider ist aus irgendwelchen Gründen der Spielplatz abgeschlossen, sodass wir über den Zaun klettern um unser Training absolvieren zu können. Keine fragenden, starrenden Kinder, kein Lärm…wunderbar. Doch dann kommen zwei empörte Cubaner und sagen, sie rufen die Polizei, wenn wir nicht verschwinden. Alex meint, sie machen nur Scherze. Ein paar Minuten später sehen wir einen Polizeiwagen. Jetzt heißt es: Sprints üben – wir nehmen unterschiedliche Wege. Alex wird angehalten, ich nicht… 🙂 Am letzten Tag will Alex dann dafür sorgen, dass ich Muskelkater auf dem Rückflug habe und wir machen einbeinige Kniebeugen mit dem Schlingentrainer und Ausfallschritte. Ich kann während des 10-stündigen Fluges kaum sitzen… Die letzte Fahrt zum Flughafen führt am alten Stadion vorbei. Und ich hab Glück – ich darf nach Fotoabnahme und Kontrollvorgang zurück nach Deutschland.

Hasta luego Cuba, es war eine schöne und spannende Zeit!

 


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Hola, „los recuerdos son como pequeñas partes de nuestra vida“.

Saludos,
Ernesto

Hola Ernesto!
Muchos Saludos y muchas gracias por la cita – de quien es?
Tabitha

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