Welche Mittel hat die Physiotherapie heute, um uns vor Verletzungen und Dysbalancen zu schützen? Ein Interview mit Physiotherapeut Hems Bungenberg de Jong.

Warum bist du Physiotherapeut geworden?

Hems: Wegen der Kohle (lacht)…. nein im Ernst: Ich arbeite gerne mit Menschen und wollte etwas machen wo ich persönlich eingreifen und helfen kann. Und die Vielseitigkeit und die Möglichkeiten des Berufes waren für mich schon immer sehr interessant.

Wie lange machst du den Job schon?

Hems: Sehr lange. Nach dem Studium an der Fachhochschule SUPA in Utrecht und weiterführenden Ausbildungen mit manualtherapeutischen und osteopathischen Schwerpunkten ging es los. Die Praxis hier in Dortmund gibt es seit 1995.

Gibt es eine Geschichte, die du nie vergessen wirst?

Pysio6Hems: Die persönliche und sportliche Geschichte von Andreas Niedrig. Kurz nach seinem Drogenentzug stand er damals in Oer-Erkenschwick vor meiner Praxis und bat mich um Hilfe – denn er wollte ja Profisportler werden… Die Drogenprobleme, das Leben nach der Sucht, der Leistungssport – es war immer sehr spannend. Und es war schön, ihm einen Weg zu bereiten und ihn zu begleiten, damit er seinen „Traum“ verwirklichen konnte.

Was mich immer noch fasziniert ist: „Race across America“. Die Teams, die Arbeit, die Anspannung, das ganze Drumherum, die Belastung und die Menschen die teilnehmen und zuschauen – das beeindruckt mich immer für lange Zeit. Wie sich ein Team entwickelt, wie es zusammenwächst, wie jeder mit dem Druck umgeht, mit den Belastungen wie Schlafentzug, sowie die Improvisation und wie alle für eine Sache kämpfen – das sind Dinge die mich immer wieder begeistern werden.

Es gibt Sportler, die du schon viele Jahre betreust – was wird aus ihnen?

Hems: Ja, das stimmt. Was aus ihnen wird – das kommt ganz drauf an. Viele Profisportler sind nach ihrer Karriere ziemlich verletzungsgeplagt, weil sie durch den Leistungsdruck dem Körper nie viel Zeit geben konnten bzw. wollten. Das rächt sich oft. Am schlimmsten finde ich, wenn Sportler, vor allem die Breitensportler, den Spaß an ihrem Sport verlieren, am schönsten ist es, wenn der Spaß und Gesundheit beim Sport im Vordergrund stehen.

Du sagtest mal, du behandelst gerne Läufer und Triathleten – warum?

Hems: Die sind ein wenig verrückt (lacht) und weil ich mich mit den Sportarten gut identifizieren kann, ich laufe auch viel, fahre Rad usw.

Warum sind so viele Läufer mindestens einmal im Jahr verletzt?

Pysio10Hems: Weil sie zu viel laufen und zu wenig für ihre Stabilität tun. Gymnastik ist wichtig, das vergessen Läufer schnell, vor allem, wenn gerade nichts weh tut.

Aber oft bekommen angeschlagene Läufer auch nicht die richtige Hilfe. Wenn beispielweise das Knie schmerzt und der Therapeut nur das Knie behandelt, obwohl die Ursache oft woanders zu finden ist und der Schmerz „nur“ ins Knie ausstrahlt.

Wenn Läufer behandelt werden, geschieht das leider in vielen Fällen nicht ganzheitlich. Oft ist auch das Becken ein ausschlaggebendes Problem. Der Körper versucht immer, auf „Fehler“ zu reagieren – wenn zum Beispiel das Becken schief ist, dann versucht die Wirbelsäule das wieder auszugleichen und nimmt so eine entgegengesetzte Schräghaltung ein. Wenn das Becken gerichtet wird, dann muss die Wirbelsäule auch gerichtet werden, sonst zwingt sie aufgrund ihres eingenommenen Schiefstandes das Becken wieder in die Fehlhaltung.

Pysio11Ich kann die Veränderung nur „zum Laufen“ bringen – aber die Menschen müssen dauerhaft an sich arbeiten, weiter machen, Dinge ändern. Sonst ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis die Schmerzen wieder vorhanden sind.

Am schlimmsten ist es, wenn Läufer den Spaß verlieren, sich unnötig selbst Druck machen, den Sport als Sucht leben, obwohl sie nicht davon leben müssen und der Sport eigentlich ihr Ausgleich zum Job sein sollte. Spaß am Laufen zu behalten ist enorm wichtig, sonst leiden Körper und Seele.

Wie lauten deine 5 besten Tipps für Läufer, um dauerhaft fit zu sein und Verletzungen vorzubeugen?

Tip 1: Stabilisierende Übungen für den Oberkörper und den Beckenbereich.

Tip 2: Eine statische Untersuchung beispielsweise durch einen Manualtherapeuten.

Tip 3: Optimales Schuhwerk, ausgesucht nach einer professionellen Laufbandanalyse.

Tip 4: Beschwerden nicht medikamentös unterdrücken, sondern nach der Ursache forschen.

Tip 5: Spaß muss immer vor übertriebenem Ehrgeiz stehen.

 


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Kategorien : Gesundheit Trainingstipps


sehr gut, danke!

Toller Beitrag!

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