Die einen können nicht ohne, die anderen bevorzugen eine natürliche Geräuschkulisse. Laufen mit Musik ist eine (Lauf-)Stilfrage, die jeder für sich beantworten muss. Unsere Laufexperten Peter und Tabitha sind sich in vielem einig – nicht aber darin, was die Frage nach musikalischer Unterhaltung während ihrer Laufeinheiten betrifft. Im Interview beantworten sie die wichtigsten Fragen zum Thema aus ihrer Sicht.

Laufen mit MusikImmer mehr Läufer sind mit „Stöpsel im Ohr“ unterwegs. Ermöglicht wird dies durch kleine leistungsstarke iPods, MP3-Player oder praktische Taschen für das chartbeladene Handy am Oberarm. Und das scheint Sinn zu machen – denn einige Studien zeigen: Laufen im Takt der Musik beflügelt und motiviert vor allem viele Laufeinsteiger. Andererseits bestimmt der Rhythmus der Musik erheblich den Laufrhythmus, was sich bei falscher Musikauswahl kontaproduktiv auf die Leistung auswirken kann. Bei offiziellen Laufwettbewerben ist die Musikunterstützung durch den Leichtathletikverband sogar verboten. Wie unterschiedlich die Einstellung zum Laufen mit Musik aussehen kann und welche Vor- und Nachteile es bietet, lest ihr im Interview mit Tabitha und Peter.

Läufst du im Training mit Musik?

Peter: Nein. Ich laufe viel auf ehemaligen Bahntrassen, die durch schöne Landschaftsparks führen. Für mich ist es ein Genuss, die Geräusche, die die Natur mir bietet, ungestört aufzusaugen. Ich bin der Meinung, dass meine Wahrnehmung der naturbelassenen Umgebung dadurch enorm verstärkt wird. Das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen der Blätter lässt mich vergessen, dass ich in einer Großstadt unterwegs bin.

Tabitha: Ja, ich trainiere oft mit Musik, sie motiviert mich, macht gute Laune und ich fühle mich schneller – außerdem geht dann die Zeit dann schneller um.

Was hältst du von Musik zur Leistungssteigerung?

Peter: Ich weiß, dass es mittlerweile Lauf-Apps gibt, die eine Playlist von Songs mit dem passend Beat zur Schrittfrequenz des Läufers zusammenstellen. Der Läufer wird somit motiviert, ein gewisses Tempo zu laufen. Durch meine langjährige Lauferfahrung habe ich ein gutes Tempogefühl und kann die Signale, die ich von meinem Körper bekomme, richtig einschätzen. Beim Laufen mit Musik sehe ich die Gefahr, dass der Läufer nie seinen eigenen Rhythmus findet, häufig viel zu schnell unterwegs ist und somit überfordert wird.

Tabitha: Im Training ist Musik manchmal eine super Zugmaschine – einige Studien zeigen auch, dass Musik leistungsfördernd wirkt: Sie lenkt ab und die Trainingseinheit fühlt sich mit ihr nicht so anstrengend an. Wichtig ist, dass die ausgesuchten Lieder zum Tempo der Trainingseinheit passen. Dann machen Intervalle oder schnelle Tempoeinheiten noch mehr Spaß. Voraussetzung ist natürlich, dass die Songs zur Geschwindigkeit passende Beats per Minute haben und die Rhythmen gleichmäßig sind. Ich höre beim Laufen nur Musik, die ich gerne mag. Dann kann ich den Alltagskram besser vergessen und abschalten. Gerade bei schlechtem Wetter oder „unschönen“ Laufstrecken macht Laufen mit Musik einfach mehr Freude. Aber ich finde es auch schade, wenn man immer unterhalten werden muss und gar keine Stille mehr ertragen kann. Daher versuche ich, die richtige Mischung zu finden und bin bei meinen Läufen auch mal ohne Musik unterwegs.

Was ist mit sehr langen Trainingseinheiten, bei denen ihr ganz alleine unterwegs seid?

Peter: Bei langen Läufen ohne Begleitung schätze ich die Abwechslung vom Alltagsstress und das „zur Ruhe kommen“. Ich genieße die Ruhe vom immer größer werdenden Lärmpegel, der mich den ganzen Tag umgibt. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass uns ständiger Lärm und tägliche Hektik krank machen können. Beim Laufen kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen oder wohldurchdachte Entscheidungen treffen. Dabei klingelt kein Telefon, keine nervenden E-Mails sind zu lesen und keine lautstarken Medien lenken mich ab. Außerdem habe ich bei meinen Long Jogs schon einen Trinkgurt mit Verpflegung dabei, da stören mich Kopfhörer und ähnliches nur. Bei Läufen in unbekannten Gefilden nehme ich aber schon mal aus Sicherheitsgründen mein Handy mit.

Tabitha: Ich nehme vor allem bei langen Einheiten oft Hörbücher, Vorträge oder Musik mit. Dann geht die Zeit schneller um. Vor allem, wenn ich langsam lange laufen will, hilft ein schönes Hörbuch. Da schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe indem ich ein neues Buch mit dem Laufen verbinde. So kommt es vor, dass ich auch mal ein paar Kilometer mehr laufe als geplant, weil ich wissen will, wie die Geschichte weiter geht, statt die Strecke aus Langeweile abzukürzen.

Wie sieht die Unterhaltungskultur der Läufer in Zukunft wohl aus?

Peter: Es ist abzusehen, dass Läufer immer stärker über ihre Sportuhren oder Laufcomputer kommunizieren werden. Die Geräte werden den Sportlern verstärkt die Möglichkeit bieten, Strecken anzuzeigen, auf denen ein Laufkollege zeitgleich unterwegs ist. Dabei werden alle möglichen Daten wie Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Entfernung etc. des anderen Läufers angezeigt. Diese Entwicklung wird manche Läufer freuen, andere werden aber auch weiterhin einen Face-to-Face Erfahrungsaustausch vorziehen.

Tabitha: Ich glaube, dass das Laufen mit noch mehr Unterhaltung vor allem junge Menschen begeistern wird und sich da ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Es gibt ja schon so spannende Ideen wie „Zombies, Run!“ – eine App in der man virtuellen Zombies davonlaufen muss. Vielleicht wird es irgendwann noch verrückter und spannender: Ein interaktiver Lauf mit Musik, eingebettet in Geschichten, wo der Läufer Teil eines Abenteuers wird, in dem dann Intervalle, Hindernisse und Stabi-Übungen verbunden werden. So wie ein „echtes“ Computerspiel auf der Laufstrecke… wer weiß?

Wie sind eure Erfahrungen? Musik an oder aus?


Kategorien : Equipment Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


Laufen oder Ausdauer-Einheiten im Fitness-Studio mit Musik helfen mir abzuschalten, aber nur mit Musik, die mir persönlich gefällt. Deshalb ist es auch gut, dass in unserem Fitness-Studio keine Zwangs-Beschallung durchgeführt wird. Mit Musik ist es in jedem Fall leichter noch ein wenig dran zu hängen. Nur beim Radfahren sollte man unbedingt die Finger vom Stöpsel im Ohr lassen weil man durch die Windgeräusche so schon wenig mitbekommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

* *

Angemeldet als . Abmelden »