Ob Kohlenhydrate dick machen und was wir aus der Steinzeit lernen können

von Tabitha

paleo

Paleo – essen wie in der Steinzeit

Paleo ist die Kurzform von „Paläolithikum“ (Altsteinzeit). Daher spricht man auch von der „Steinzeit Diät“. Dabei werden möglichst nur unverarbeitete, „echte“ Lebensmittel gegessen und getrunken, die vor der Einführung von Ackerbau und Viehzucht verfügbar waren. Durch ihre Natürlichkeit sollen sie nährstoffreicher und gesünder sein. Daher gehören für Paleo-Anhänger Gemüse, Fleisch und Fisch, Obst, Eier, Nüsse und Samen auf den Speiseplan. Die Befürworter sind davon überzeugt, dass die Zivilisationskost durch Zucker, Getreide, Milchprodukte, stark bearbeitete Fette und künstliche Zusatzstoffe für viele Krankheiten sorgt. So sollen Fettleibigkeit, Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die typisch westliche Ernährungsweise verursacht worden sein.

Erfahrungssache?

Ich kenne einige Triathleten, Kraftsportler und Läufer, die von Paläo begeistert sind. Sie schwärmen von einem besseren Leben mit höherer Leistungsfähigkeit, hochwertigerem Schlaf, weniger Kilos, mehr Muskeln, einem stabileren Immunsystem, reinerer Haut, fröhlicherem Gemüt und weniger Entzündungen. Allerdings leben die meisten von ihnen erst seit kurzer Zeit nach dieser Ernährungsweise. Ich kenne wenige, die länger als 6 Monate durchgehalten haben. Von daher stellt sich die Frage, ob Paleo einfach ein guter Impuls zu einem bewussteren Lebensstil ist oder ob es auch langfristig funktionieren kann.

Pro und Kontra

• Paleo motiviert, sich bewusster mit Lebensmitteln und Genussmitteln auseinanderzusetzen. Das kann auf keinen Fall schaden.
• Mich persönlich stört der übermäßige Fleischkonsum, oft wird noch nicht mal auf reine Weidehaltung und Wildfang geachtet. Das erscheint mir weder gesund noch ethisch vertretbar. Es gibt aber auch Menschen, die Paleo vegetarisch umsetzen – weil sich auch manche Naturvölker so ernähren (wie z.B. die afrikanischen Gwi).
• Natürlicher essen und öfter kochen – ja bitte! Dauerhaft auf Milch und Schokolade verzichten könnte aber dem ein oder anderen schwerfallen.
• Viele Paleo-Fans ernähren sich zwar wie in der Steinzeit, leben aber in anderen Bereichen völlig unnatürlich. Übermäßige Handynutzung und ständiges Sitzen  sind sicher nicht viel gesünder als Fast Food und Co. Wer natürlicher leben will, sollte auch konsequent sein – weniger Autofahren und fernsehen und statt auf dem Band öfter in der Natur laufen.

Fazit:

Als Impuls kann eine Paleo-Phase durchaus hilfreich sein, um alte Gewohnheiten abzulegen und sich einen neuen, natürlicheren Lebensstil anzueignen. So zeigen einige Erfahrungsberichte, dass es nach einem Monat Paleo einfacher war auch langfristig auf Zucker und Weißmehl verzichten zu können. Es gibt allerdings noch keine Langzeitstudien. Erste ganzheitliche Studien zeigten, dass Steinzeiternährung zu verbesserten Blutzuckerwerten und einem verminderten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt*. Paleo ist allerdings schwer durchführbar, wenn man ungern auf Milch, Käse, Frischkorn und Kaffee verzichten will. Denn dann folgen irgendwann Fressattacken und Unzufriedenheit. Die Ernährungsform sollte eine Lebensqualität verbessern. Wer Milch und Käse essen will, kann eine „klassische“ Low Carb-Ernährung ausprobieren. Allerdings werden hier Kohlenhydrate jeder Form minimiert – also auch Frischobst und getrocknete Früchte, die in der Steinzeiternährung meist erlaubt sind.

Low Carb – Kampf gegen Kohlenhydrate?

Statt viel Brot mit etwas Käse gibt es viel Käse mit noch mehr Kohlrabi

Jede Menge Eier, viel Gemüse, Fisch und Fleisch, eine Hand voll Nüsse, Leinöl, viele Gewürze und möglichst wenig Obst – so kann die Low Carb-Ernährung eines Sportlers aussehen. Wie die meisten Ernährungsformen ist auch diese nicht ganz unumstritten. Doch das Prinzip der Kohlenhydratminimierung hat viele Fans – auch unter Sportlern und Ernährungsexperten. Man erhofft sich eine Gewichtsreduktion, eine bessere Gesundheit und weniger Entzündungswerte im Körper. Low Carb-Vertreter gehen davon aus, dass viele Zivilisationskrankheiten durch den hohen Anteil an stärkereichen Nahrungsmitteln wie Nudeln, Brot und Gebäck entstanden sind. Außerdem betrachten sie Kohlenhydrate als nicht notwendig – da der Körper sie aus anderen Nahrungsbestandteilen selbst herstellen kann. Die meisten Low Carb-Diäten empfehlen nur Lebensmittel mit niedrigem Glykämischen Index, damit der Blutzuckerspiegel nicht rapide steigt und fällt – wie es beim Genuss von Backwaren, Fast Food und Süßigkeiten der Fall ist. Wer morgens schon ein Weißmehlbrötchen mit Nutella isst, hat spätestens nach einer Stunde wieder Hunger – und fängt wieder an zu essen. Ein Teufelskreis, der langfristig dick macht.
Daher ersetzen bei Low Carb Fette und Proteine die Kohlenhydrate wo es geht. Der Körper wird so gezwungen, seinen Stoffwechsel zu ändern. Seine Fettreserven werden als Energielieferant genutzt, was dazu führt, dass die Kilos „purzeln“. Der höhere Eiweißanteil führt zu einem früheren bzw. stärkeren Sättigungsgefühl.

Pro und Kontra

• Der komplette Verzicht auf Kohlenhydrate wird von manchen Experten als zu einseitig betrachtet und der hohe Konsum von Fett und Eiweiß als belastend für Nieren und Leber.
• Es macht auf jeden Fall Sinn, den Anteil von Zucker, Weißmehl und Fertigprodukten weitgehend zu reduzieren. Ich persönlich habe damit gute Erfahrungen gemacht und setze im Alltag mehr auf Quinoa, Hirse und Amaranth. Leckere Brötchen kann man auch mit Mandelmehl, Teff, Kokosmehl und Dinkel backen.
• Low Carb alleine reicht nicht um sich gesund zu ernähren – es muss auf Abwechslung in der Küche geachtet werden, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt.
• Wer Low Carb mit Soja-Shakes und billigem Fleisch aus Massentierhaltung betreibt, wird weder fit noch glücklich. Gerade bei eiweißhaltigen Produkten muss dringend auf Qualität und Herkunft geachtet werden.

Fazit:

Paleo ist eine Low Carb-Variante für Leute, die gerne auf Milchprodukte verzichten wollen. Alle Formen von Low Carb können helfen, natürlicher und gesünder zu leben. Sie können aber auch zur Einseitigkeit führen, wenn man sich nicht abwechslungsreich und ausgewogen ernährt. Von No Carb Konzepten rate ich ab, weil alle extremen Formen früher oder später ungesund sind und den Stoffwechsel kaputt machen. Das was wir essen bestimmt auf jeden Fall unsere Lebensqualität. Wir sollten also bewusster darauf achten, mit was wir unseren Körper füttern. Denn früher oder später bekommen wir die Rechnung für unseren Lebensstil.
Ich persönlich sehe es so: Alles in Maßen, je natürlicher desto besser – und ab und zu gönne ich mir ein Stück dunkle Schokolade für die Seele. Dann geht es mir gut.

(Quelle: David C. Klonoff: The Beneficial Effects of a Paleolithic Diet on Type 2 Diabetes and Other Risk Factors for Cardiovascular Disease. Journal of Diabetes Science and Technology, November 2009, Volume 3, Issue 6: Page 1229–1232.)


Kategorien : Ernährung Gesundheit Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


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