Ist Laufen das ideale Rezept fürs Alleinsein? Oder die perfekte Singlebörse? Die RUNNERS POINT Laufexperten haben sich ihre eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht. Herausgekommen sind drei völlig subjektive Meinungen über den (nicht immer) sozialen Effekt des Laufsports und was er aus uns macht.

Macht Laufen einsam
Das Laufen macht keine halben Sachen!

von Tabitha

Kürzlich ist es passiert: ich wurde ungefragt zu einer Läufer-Singles-Gruppe bei Facebook zugefügt. Da kam mir die Frage auf: macht Laufen eigentlich einsam – oder bringt es die Menschen zusammen? Bei all den Straßenläufen, Trailevents, Etappenrennen und Bergläufen habe ich immer wieder Leute getroffen, die von beiden Fällen berichten. Eine Läuferin sagte mir mal beim Wettkampf-Frühstück in den Bergen: „Weißt du, das Laufen macht keine halben Sachen, es trennt Paare oder es verbindet sie.“ Ist das so? Und wenn ja, warum?

Die Flucht vor den Menschen und ihre Nebenwirkungen

Die Psychologin Dr. Doris Wolf sagt: „Viele Menschen verwechseln Einsamkeit mit Alleinsein…Doch dem ist nicht so. Alleinsein bedeutet nicht zwangsläufig einsam sein!“ Das stimmt – es ist doch herrlich, mal alleine zu sein! Wenn man so in aller Stille durch den Wald läuft und die Ruhe genießt… Dann kann man abschalten, schweigen, zur Ruhe kommen. Man fühlt sich dabei nicht einsam. Wer gar nicht alleine sein kann, der ist nicht mit sich im reinen. „Alle Leiden kommen daher, dass wir nicht alleine sein können“ hat es Schopenhauer mal auf die Spitze getrieben. Doch wer nur alleine sein will, wird irgendwann isoliert. Die Mischung macht es eben. Es ist ja auch mal schön, mit vielen Freunden und Fremden gemeinsam neue Laufstrecken zu erkunden, sich auszutauschen, gemeinsame Ziele zu finden und sich gegenseitig zu motivieren. Doch was ist mit den Nicht-Läufern in unserem Leben (es gibt sie – ich kann das auch nicht verstehen)? Wie gehen unsere Freunde, unsere Partner und die Familie damit um? Meine Eltern kriegen jedes Mal die Krise, wenn ich wieder an einem verrückten Lauf-Event teilnehme. „Kind, du läufst doch vor irgendwas weg, das ist doch nicht normal!“ kommt dann oder: „Das kann nicht gesund sein und du wirst irgendwann komisch!“ Ich glaube, die Gefahr bei „Laufsüchtigen“ ist durchaus vorhanden und die Sorge berechtigt. Wer andauernd bei Veranstaltungen an den Start gehen muss, nur noch trainiert und keine Zeit mehr für seine Lieben hat, wird irgendwann allein sein – und einsam. Ich bin ganz froh, dass ich gerne Bücher lese, mit Freunden koche und zusammen andere Sportarten machen kann und dass ich Leute in meinem Leben habe, die das mit dem Laufen nicht verstehen – aber mich trotzdem lieben. Das Laufen macht das Leben schöner. Aber es sollte nicht unser Leben sein.

Selbstkasteiung oder die Kunst der guten Mischung

von Peter

Ich laufe mit Freunden, mit meinem Lauftreff oder gerne auch einmal ganz alleine. Die selbstgewählte Einsamkeit während des Laufens genieße ich – meine Gedanken schweifen umher, manchmal führe ich Zwiegespräche mit mir selbst oder lasse die Natur auf mich wirken. So weit, so gut. Aber als Teilnehmer zahlreicher Laufveranstaltung – mindestens einmal im Monat – kommt es zu gesellschaftlichem Verzicht der manchmal einer Selbstkasteiung gleicht. Die Einladung zu einem Weihnachtsmarktbummel mit Glühweintest an mindestens fünf verschiedenen Getränkeständen (die auch noch garantieren, dass man nach dem Genuss mehr als nur einen Weihnachtsstern sieht) muss ich leider dankend ablehnen. Ich habe mich für den darauffolgenden Tag für den Siebengebirgs-Marathon gemeldet. Während sich meine Freunde an die Vernichtung des heißen Kopfschmerzverursachers machen, sitze ich zu Hause, trinke Tee, packe meine Lauf-Tasche und ertappe mich, wie ich mir selber einen Vogel zeige.

Zum Glück haben sich meine Ehefrau, die Familie und die Freunde an mein Hobby gewöhnt. Mittlerweile fragt meine Frau gar nicht mehr nach dem Grund, wenn ich auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier sage: „Du kannst ruhig etwas trinken, ich fahre freiwillig das Auto zurück.“ Viele meiner Freunde und Bekannten erkundigen sich inzwischen bevor sie mir eine Einladung aussprechen, ob ich an diesem Tag ein Lauf geplant habe. Selbstverständlich habe ich bei der Jahres-Laufplanung einen Terminkalender neben mir liegen, in dem die wichtigsten Geburtstage und ähnliches verzeichnet sind. So kann ich durch gute Planung meine Gesellschaftsfähigkeit außerhalb des Läufertums zur Genüge unter Beweis stellen. Durch gute Organisation und gegenseitige Rücksichtnahme muss laufen nicht zwangsläufig einsam machen. Ich würde sagen, die Spontanität bleibt – im wahrsten Sinne des Wortes – schon eher das eine oder andere mal auf der Strecke.

Zweisamkeit statt Einsamkeit – beim Laufen verliebt!

von Martin

Vor etwas mehr als 15 Jahren habe ich meine Freundin kennengelernt. Wir machten damals dieselbe Ausbildung. Mit der gesamten Klasse samt Ausbildern ging es auf eine zehntägige Auftaktveranstaltung in den Schwarzwald. Zuvor hatten wir uns zwei Wochen in der Berufsschule gesehen und nur eine Handvoll Wörter miteinander gewechselt – obwohl wir fast nebeneinander saßen. Für sie stand nach diesem Ausflug ein Siebenkampf an. Also wollte sie auch vor Ort Laufen, um fit und trainiert zu bleiben. Ich konnte in dieser Zeit nicht am Fußballtraining teilnehmen und hatte vor, durchs Laufen am Ball zu bleiben. So trafen wir uns eines Morgens zu einem gemütlichen Ründchen. Sie lief – wie es sich für eine Leichtathletin gehört – perfekt angezogen und ausgerüstet durch den Schwarzwald, während ich – typisch Hobbyfußballer – mit Multinockenschuhen und Baumwollklamotten mitrannte.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir uns überhaupt unterhalten haben. Und wenn, dann habe ich nur geschwafelt, da ich nur Augen für sie hatte. Tja, so sind wir gemeinsam in unsere Zukunft gerannt. Seit dieser Zeit trainieren wir oft zusammen, nehmen gemeinsam an Wettkämpfen teil, unterstützen und motivieren uns gegenseitig. Und wer glaubt, es kommt nie Konkurrenzdenken auf, dem sei gesagt dass er damit falsch liegt. So wurde ich zum Beispiel beim ersten und gemeinsamen Halbmarathon nach 20,8 Kilometern überspurtet. Die sportlichen Leistungen des Partners spornen schon an. Bei uns werden die Trainingsleistungen ebenso vergleichen wie die Wettkampfergebnisse – vor allem dann, wenn die „bessere Hälfte“ mal alleine unterwegs war. Wichtig ist für uns beide, dass wir uns immer wieder finden. Der gemeinsame Sport hat uns nicht nur zusammengebracht, er verbindet uns und gehört fest zu unserem Leben.

Was denkt ihr? Macht Laufen einsam? Oder zweisam?


Kategorien : Erlebnisberichte & Events Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


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