Der Ironman auf Hawaii ist das Eldorado der Triathleten. Aufgrund einer Bierwette trafen sich die ersten 15 Athleten einst zum Dreikampf am Strand. Was die Faszination Ironman für die Athleten und Athletinnen heute ausmacht, erzählt uns Martin aus zweiter Hand. Aus erster Hand erfahren wir es von Robin, der dieses Jahr in Kona am Start war.

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von Martin

Von der Stammtischwette zum Jahreshöhepunkt

Namen wie Kailua-Kona, Queen K Highway, Energy-Lab und Alii Drive üben eine besondere Anziehungskraft auf Triathleten aus. Der erste Ironman-Triathlon auf Hawaii fand 1978 nach einer Wette in Bierlaune mit 15 Teilnehmern statt. Seitdem fasziniert der sportliche Dreikampf – 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren & 42,2 km Laufen – und zieht immer mehr Athletinnen und Athleten auf der ganzen Welt in seinen Bann. 2014 gab es 1.985 Finisher.

Kanonenschüsse zum Start – das Ziel fest im Blick

Ob Profi-Athlet oder Agegrouper – alle Starter haben für diesen einen Tag und für diesen Traum trainiert, Opfer gebracht und sich selbst gepusht. Für die schnellsten Athleten wie Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Daniela Ryf  dauert der Wettkampf bei den Männern etwas mehr acht Stunden und bei den Frauen etwa neun Stunden. Manche Altersklassenathleten sind bis zu 17 Stunden unterwegs und beenden gegen Mitternacht den möglicherweise längsten Sporttag ihres Jahres. Jeder, der auf Big Island ins Ziel kommt, ist ein Finisher und traditionell werden die letzten Athleten von den Siegern empfangen.

Ein Blick auf das Siegerpodium 2015

Natürlich wollen wir hier allen Finishern und auch den Siegern gratulieren. Bei den Damen gewann die Schweizerin Daniela Ryf in 8:57:57 und blieb unter der magischen Grenze von neun Stunden. Hinter ihr kamen Rachel Joyce und Liz Blatchford auf die Plätze 2 und 3. Bei den Männer siegte Jan Frodeno in 8:14:40 vor Andreas Raelert, der zum fünften Mal in sieben Jahren auf dem Podium der Ironman-WM stand. Timothy O’Donnell komplettiert als Dritter das Siegerpodest.

Nicht auf dem Siegerpodest, aber für uns mit Sicherheit auch ein Sieger ist unser Laufkollege Robin Pesch, der euch aus erster Hand erzählt, was er dieses Jahr in Kona erlebt hat.

Tagebucheinträge vom härtesten Triathlon der Welt: Wie man Träume verwirklichen und dennoch scheitern kann.

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von Tabitha

Robin ist 24, sportbegeistert und ein feiner, fröhlicher Kerl. Ich weiß noch genau, wie wir vor einiger Zeit bei einem Trainingslager des RUNNERS POINT Triathlon-Teams gemeinsam durch den Wald gejoggt sind und er mir mit leuchtenden Augen von seinem großen Traum erzählte: dem Ironman auf Hawaii. Für viele Triathleten ist dieser Wettkampf das Allergrößte, doch für die meisten bleibt er nur ein Traum. Bei Robin war das anders – kurz nach unserer Unterhaltung flog er nach Australien um sein Ziel in Angriff zu nehmen. Ich dachte nur: Er macht es richtig, er träumt aktiv! In diesem Jahr war es dann so weit. Wie Robin seinen weiten Weg nach Kona erlebt hat und was dort geschah, hat er für uns aufgeschrieben.

Wie der Traum begann

von Robin

Also, angefangen hat eigentlich alles vor sechs Jahren – da habe ich eine Zusammenfassung vom Ironman auf Hawaii gesehen. Diese Bilder und Emotionen haben mich einfach gepackt. Ein Jahr danach habe ich meinen ersten Triathlon gefinished, beim Ironman in Frankfurt. Der Sport hat mir viel gegeben, ich habe immer mehr investiert und immer mehr trainiert. 2013 wurde ich deutscher Meister in meiner Altersklasse in Roth. Doch der Traum von Hawaii war noch weit entfernt. Erst im Sommer 2015 im Australischen Cairns gelang mir der Sieg in meiner Altersklasse und somit war das Ticket nach Hawaii in meiner Tasche. Ich war einfach nur überglücklich!!!

Tagebucheinträge eines Abenteuers

7. Oktober 2015 – Landung auf Kona, Hawaii: Mir kommen die Tränen. Endlich. Hiervon habe ich so lange geträumt und jetzt bin ich wirklich hier, kann es kaum fassen.

8. Oktober – Check in! Die Anspannung ist spürbar. Gut geschlafen? Nein… Letztes schwimmen in der Bucht von Kona. Danach ein 6 km-Run und ein paar Sprints. Es fühlt sich so unglaublich gut an, wenn der Körper in Bestform ist.

9. Oktober – Rad Check in! Nun ist es soweit. Alles ist an seinen Platz. Alles ist vorbereitet. Das Handy steht nicht mehr still. Das letzte Essen. Die letzten Vorbereitungen. Ab ins Bett. Morgen ist der große Tag!!!

10. Oktober, Race Day: 6:55 Uhr Startschuss, ich schwimme am Limit, nach gut einer Stunde komme ich aus dem Wasser. Alles gut ! Ab aufs Rad…

Auch auf dem Rad fahre ich am Limit und kann alles geben. Die Wüste, die Einsamkeit, der Wind, die Hitze… irre. Hawaii. Der Traum – alles ist da und echt und spürbar. In der Wechselzone sehe ich nicht viele Räder und bin überglücklich. Diesen Moment habe ich so oft im TV gesehen. Der Athletenberg, der zum Marathon wechselt –  und ich bin mitten drin. Nach drei Kilometern lande ich auf dem Boden. Magenprobleme! Es ist verrückt. Du trinkst einen Liter und danach hast du noch immer Durst. Ein Kampf beginnt. Jetzt geht es nur noch um ein Finish. Zeiten und Platzierungen sind raus aus dem Kopf. Finishline… Du musst nur über die Finshline! Ich kämpfe mich durch den Marathon. Als ich auf die Zielgeraden komme, wollen meine Beine nicht mehr, es ist nur noch der Wille, der mich über die Linie trägt.

Kurz nach dem Finish gehen die Lichter aus. Nach zwei Infusionen kann ich wieder stehen.

Nach dem Rennen

Es ist schwer zu beschreiben. Es war sicher nicht mein bestes Rennen. Und ich habe sehr, sehr viel investiert. Habe hart gearbeitet, viel riskiert. Am Ende bin ich mit der Zeit und der Platzierung nicht zufrieden. Aber so ist Sport. Es gibt keine Erfolgsgarantie und der Sport ist so unglaublich ehrlich. Und was ist schon ehrlich auf dieser Welt. Hinfallen, aufstehen, weitermachen!

In diesen Sinne.

Robin


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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