Ein Erfahrungsbericht vom Team „Oldenburgische“ Luftlandebrigade 31

Vorwort:

Am Abend vor dem StartDer Oxfam Trailwalker ist sportliche Herausforderung, Team-Erlebnis und Charity-Lauf in einem und damit die aufregendste Trekking-Tour der Welt! Gemeinsam als Team mit 4 Läufern und 2 Betreuern bewältigt man 100 Kilometer quer durch die schöne Natur des Harzes – und das in höchstens 30 Stunden. Dabei ist aber nicht nur sportliche Leistung gefragt, denn vor dem Start sammelt jedes Team mindestens 2.000 Euro Spenden für Oxfam. Warum Oxfam? Weil Oxfam sich einsetzt für eine gerechte Welt ohne Armut. Oxfam leistet Nothilfe in Krisen, stärkt die Menschen in armen Ländern und deckt die Ursachen auf, die der Armut zugrunde liegen.

Wettkampf:

Am 07.09.2013 um 07:30 Uhr war der Tag endlich gekommen, auf den wir uns seit einem 3/4 Jahr der Planung und Organisation vorbereitet hatten.

Wir, 6 Fallschirmjäger aus Oldenburg, wollten uns gleich zwei Herausforderungen stellen. Erstens wollten wir uns nicht immer nur militärisch engagieren, sondern als Teil unserer Gesellschaft auch einen Beitrag im Zivilen leisten. Zweitens reizte uns die Herausforderung eines solchen Wettkampfes, den noch keiner von uns vorher bestritten hatte.

Mal mehr, mal weniger bereiteten wir uns auf dieses Event vor. 3 von 4 Läufern hatten keine großen Erfahrungen mit Wettkämpfen. Auch im Training von 2-3 Laufeinheiten pro Woche kamen wir nur auf Distanzen von 10 – 20 km am Stück. Zweimal fuhren wir als Team in den Harz und lernten die Strecke kennen. 1 x 53 km und 1 x 48 km. In den Monaten der Vorbereitung hatten wir viel gelesen und im Internet recherchiert. Fragen über Vorbereitung, Ausrüstung, Ernährung usw. wurden an das RUNNERS POINT-Expertenteam und an andere gestellt. Von RUNNERS POINT bekamen wir dann ein großes Testpaket mit Energy Riegeln, Getränken und Gels. So konnten wir all diese Produkte testen und ausprobieren. Durch diese Erfahrungen war es uns möglich, die Ernährung und benötigten Produkte auf den Wettkampf abzustimmen. (Vielen Dank an das gesamte RUNNERS POINT-Expertenteam).

Vor dem StartSamstagmorgen standen wir dann um 07:00 Uhr am Start. Die Nächte zuvor war mein Schlaf nicht gerade erholsam und auch vor dem Start hatte ich einen dicken Kloß im Magen und war sehr aufgeregt. Wir hatten 30 Stunden Zeit, aber von Anfang an wollten wir unter 20 Stunden laufen. Zumindest war es unser Ziel. Wir sind Fallschirmjäger und hatten uns immer gesagt: “ Kopf steuert Rumpf“.

Mit dem Teamzeitkalkulator errechneten wir uns auf 100 km einen Schnitt von 6 km/h. Dazu zählten wir 9 Checkpoints mit unterschiedlichen Pausenzeiten und waren dann am Ende bei 19:50 Stunden und 2300 Höhenmeter. Das war unser Plan. Doch es kam anders.

GetränkemixDer Start aus dem vorderen Drittel verlief gut und bereits nach 10 Minuten waren wir an den langsameren Walkinggruppen vorbei. Vor uns sahen wir  drei Teams, an denen wir uns aber nicht orientieren wollten. Es waren die schnellsten Teams, die den Trailwalker bereits zum wiederholten Mal mitmachten. Außer einem kleinen Gelgürtel hatten sie nichts dabei. Bei uns war es anders. Fast jeder hatte einen Laufrucksack mit ca. 2 Litern Getränke, Energyriegel und Walkingstöcke dabei. Weiterhin führten wir neben einem GPS Montana, Soundbox, 4 Handys, Zusatzakku, Rettungsdecken, Sanpack auch andere Kleinigkeiten mit. Durch die Ausrüstung und das Gewicht wurden wir natürlich gebremst, konnten aber so auf unserer Facebookseite für Sponsoren, Familie und Freunde eine dauerhafte Liveübertragung mit Runtastic Live schalten. Zwischenberichte, Bilder und Motivationsparolen wurden unentwegt durch unsere Supporter gepostet.

Wir kamen gut voran und erreichten CP 1 bei 15,7 km um 09:29 Uhr. Wir lagen bereits ca. 30 Minuten vor der geplanten Zeit. Die Pause hielten wir hier sehr kurz, denn unsere Supporter trafen wir zum ersten Mal bei CP 2. Dieser CP war bei Km 25,7 und wir erreichten ihn nach 3:19 Stunden. Wir lagen auf Platz 4 von 109 Teams. Die Pausenzeiten von ca. 10 Minuten wurden durch unsere Supporter systematisch gekürzt. Sie waren heiß, hoch motiviert und wollten diesen Platz nicht mehr abgeben.

zwischen CP 2-3CP 3 erreichten wir nach 5:10 Stunden. Die Erschöpfung sah man uns an aber wir waren noch fit. Also ging es weiter zu CP 4, der nach 52 km die Hälfte darstellte. Diesen erreichten wir nach 7:16 Stunden. Hier wurde Suppe und Massage angeboten. Zwischen 3 und 4 schlug bei mir dann auch der Mann mit dem Hammer zu. Die Frage nach dem Warum oder dem Aufgeben machte sich immer stärker. Ich hatte Bauch- und Nierenschmerzen, sowie wahnsinnig harte Waden. Das Getränk war auf einmal zu süß, das Wasser zu fad und Essen ging gar nicht. Ich begann Tee zu trinken. Jetzt musste das Motto:“ Kopf steuert Rumpf“ her. Wenn du meinst, du kannst nicht mehr, hat dein Körper immer noch genug Reserven. Diese mussten jetzt mobilisiert werden. Quälend ging es also weiter dem Ziel entgegen. Step by Step konnten wir gemeinsam den CP 5 um 17:05 Uhr nach 61,3 km erreichen. Mein Zustand hatte sich langsam stabilisiert und mental wurde ich stärker. Also ging es nach einer kurzen Pause weiter. Den CP 6 erreichte das Team geschlossen nach 10:16 Stunden und das GPS sagte 67,1 km. Nach und nach bekam fast jeder von uns seine kleinen eigenen Probleme, aber das Team war stark und so wurde jeder motiviert und unterstützt. Nachdem wir seit dem Start keinen Kontakt mit anderen Teams hatten, sahen wir hier das erste Mal unser Verfolger-Team. Das motivierte sie so stark, das jetzt ein regelrechter Run auf den Platz 4 entbrannte. Sie waren fest entschlossen, uns zu überholen.

Um 20:50 Uhr erreichten wir bei Dunkelheit den CP 7. 80,4 km waren geschafft, doch zum Ausruhen blieb uns keine Zeit. Um unseren Platz zu halten mussten wir zügig weiter und dafür sorgten unsere Supporter ständig.

IMG_0426Den letzten CP erreichten wir um 22:58 Uhr bei Kilometer 92. Unsere Gesamtzeit lag jetzt unter 16 Stunden und wir hatten nur noch 8 Kilometer vor uns. Unsere Verfolger waren bis auf 10 Minuten herangekommen. Jetzt hieß es Endspurt und alles geben.

Aus dem Grinsen wurden nun schmerzverzerrte Gesichter. 8 Kilometer noch. Wir holten noch einmal alles aus unseren Körpern raus und liefen einige dieser letzten Kilometer in einer Zeit von 6:10 min/km.

Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass diese Zeit auch am Anfang gelaufen wurde.

Um 00:01 Uhr erreichte unser Team „Oldenburgische“ Luftlandebrigade 31 nach 16:30:39 Stunden überglücklich das 100 Kilometer entfernte Ziel.

Fazit: 

Wir hatten 30 Stunden Zeit, wollten aber 20 Stunden schaffen. Unser eigenes Ziel konnten wir um 3:30 Stunden verbessern. Die Stimmung an den Checkpoints war klasse. Ein wahnsinniges Gefühl, wenn die Menschen applaudieren und sich über die Leistung und Zeit freuen. Man fühlte sich immer wie ein Sieger. Offiziell haben wir Platz 4 in der Gesamtwertung erreicht. Die Regeln besagten, dass ein Team, welches weniger als 3 Läufer hat, sich einem anderen Team anschließen muss. Dies wurde durch die Organisation leider nicht so durchgeführt und ein Team mit 2 Läufern kam auf Platz 2. Somit sind wir sogar auf Platz 3 gesamt und das 2. Team, welches mit allen 4 Läufern ins Ziel kam.

TeamWir sind überglücklich und stolz, an diesem Event teilgenommen zu haben den eigenen Schweinehund bezwungen zu haben.

Eine Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen kann.

Trotz Wehwehchen wusste ich einen Tag später, dass es nicht mein letzter langer Lauf gewesen ist.

Die Faszination Ultra- und Trailrunning hat mich gepackt.

Maik Horand
(Teamleader)


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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