Die einen Läufer kennen es, die anderen bezweifeln, dass es so etwas überhaupt gibt: das Runner’s High! Es beschreibt ein Glücks-Gefühl, ein Gefühl der Leichtigkeit, das sich während des Laufens einstellen kann. Ob und wie Profiläufer Philipp Pflieger und unsere Experten Martin und Peter das Runner‘s High erlebt haben, liest du im Blog!

Was ist das „Runner’s High“ und woher kommt es?

Hast du schon mal beim Training oder im Wettkampf das Gefühl gehabt, dass einfach nichts mehr geht und du dich weiterquälst? Und dann auf einmal passiert es – das Laufen wird federleicht, alle Schmerzen und Bedenken sind weggefegt. In diesem Moment erlebst du ein „Runner’s High“. Der wissenschaftliche Versuch einer Forschungsgruppe legt nahe, dass bei Langstreckenläufern eine vermehrte Ausschüttung von Endorphinen dazu führt, dass das Läuferhoch erreicht wird. Denn Endorphin ist ein Glückshormon, das in größeren Mengen ausgeschüttet wird, wenn wir an unsere Leistungs- und Schmerzgrenze gelangen. So schützt sich der Körper selbst, da das Endorphin auch als körpereigener Schmerzstiller dient.

Die RUNNERS POINT Experten Martin und Peter haben im Interview mit Philipp Pflieger über das Phänomen Runner’s High gesprochen:

Martin: Wie steht es bei dir – kennst du das Runner’s High oder bezweifelst du, dass es das gibt?

Philipp: Ich bin definitiv der Überzeugung, dass es das „Runner’s High“ gibt. Warum? Weil ich es selbst schon häufig erlebt habe – einmal im entscheidendsten Rennen meiner bisherigen Laufkarriere.

Martin: Wie hast du das Runner’s High da wahrgenommen? Wie hast du dich gefühlt?

Philipp: Die intensivste Erfahrung mit dem „Runner’s High“ habe ich beim Berlin-Marathon 2015 gemacht. Nach meinem Kreislaufkollaps beim Debüt in Frankfurt, ein Jahr zuvor, stand bei mir in Berlin ziemlich viel auf dem Spiel. Es ging nicht nur um die Olympianorm für Rio 2016, sondern für mich war klar: das wird mein letztes Rennen als Profi, falls ich ein ähnliches „Waterloo“ erleben sollte.

Runners High Phillip Pflieger

Dementsprechend angespannt ging ich ins Rennen und natürlich hört man dann ständig in sich rein: „Wie fühlt sich das Tempo an bei Halbzeit“ oder „Was machen die Beine, wo zwickt es schon“. Als dann aber bei Kilometer 32 eine Attacke eines Konkurrenten meine Gruppe sprengte, waren diese Gedanken und Gefühle plötzlich weg und ich bin auf Autopilot mitgegangen. Es entwickelte sich ein beinharter Dreikampf mit zwei belgischen Kollegen bis zur Ziellinie – Kopf an Kopf. Die anfänglichen Zweifel waren weggeblasen, die Häuserschluchten zogen an mir vorbei wie im Traum und ich war im sagenumwobenen transzendentalen Zustand, den die Läufer „Runner’s High“ nennen. Long story short: Ich lief nicht nur meinen ersten Marathon ins Ziel, sondern auch meine bis heute gültige Bestzeit von 2:12:50h.

Peter: Wow, was für ein Erlebnis. Kannst du für dich einordnen, ab welcher Intensität oder Streckenlänge du dich in einen Rausch läufst?

Philipp: Das ist schwer zu sagen. Pauschalisieren kann ich das nicht, aber was mich anbelangt, würde ich sagen, dass es eher bei den langen Läufe von 30 Kilometern und mehr passiert.

Peter: Versuchst du dich zu pushen, um ganz gezielt ein Runner’s High selber zu erleben oder legst du es gar nicht darauf an?

Philipp: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe das ganz entspannt und versuche nichts zu forcieren. Wenn es passiert, passiert es und dann ist es auch jedes Mal etwas Besonderes.

Besten Dank, Philipp!

runners point tunnel

Runner’s High – das sagen unsere Experten:

 30 Minuten Laufen ohne Erinnerung (von Peter)

Ich kann für mich sagen: Ja! Ich habe dieses Gefühl schon mal bei meinen Laufausflügen gespürt. Ich will mich gar nicht festlegen, ob es sich hier um das „Runner’s High“ oder um den sogenannten „Tunnel“ gehandelt hat – vielleicht gibt es hier auch gar keinen Unterschied. Sicher bin ich mir nur, dass man dieses Gefühl nicht erzwingen kann und man es erst wahrnimmt, wenn es schon wieder vorbei ist.

Bei meinem letzten 24-Stunden-Traillauf musste ich zwangsläufig auch in der Nacht meine Kilometer herunterspulen. Auf der vier Kilometer langen Runde, die fast ausschließlich durch einen dunklen Wald führte, lief ich auf einer Runde vollkommen unbewusst und ohne die Umgebung wahrzunehmen. Ich spürte die Belastung nicht, ich nahm meine schmerzende Hüfte nicht wahr und ich konnte mich nach dem Erreichen des Verpflegungspunktes nicht daran erinnern, ob ich auf der Strecke jemanden begegnet war. Ich empfand ein unheimliches Glücksgefühl. Wo war die letzte halbe Stunde geblieben? Nach einer Erfrischung setzte ich meinen Lauf total motiviert fort. Diesem Phänomen – wie immer es auch heißen mag – bin ich in dieser Nacht leider nicht mehr begegnet.

War es das jetzt? (von Martin)

Also, ich bin mir absolut nicht sicher, ob ich schon mal ein „Runner’s High“ erlebt habe. Denn weder im Training noch bei irgendeinem Wettkampf und egal, wie lange ich unterwegs war: gefühlter Leichtigkeit, fast schwerelosem Laufen und einem beflügelnden Laufgefühl bin ich nie begegnet. Manchmal habe ich versucht, auf diesen Zustand hinzuarbeiten, beziehungsweise hinzulaufen, aber ich gebe Peter Recht, das Gefühl lässt sich nicht erzwingen. Entweder es stellt sich von alleine ein oder eben nicht. Aber mal ganz ehrlich: meine Läufe machen mir auch so Spaß!

Und du, warst du auch schon im Laufrausch?


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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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