Wenn du „Indien“ hörst, woran denkst du? Mir kommen da gleich Bilder von Bollywood, Kühen, bunten Farben, exotischen Gerüchen, Tigern und Elefanten, Himalaja und Mutter Theresa in den Kopf. Ans Laufen denke ich nicht unbedingt so schnell. Aber als ich vor kurzem das erste Mal nach Indien reiste, war ich sehr gespannt, was ich als „laufhungrige Europäerin“ dort so erleben werde….

ein Erlebnisbericht von Tabitha

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Indien – ein Ort der Gegensätze

Nicht nur in der Natur hat Indien viele verschiedene Gesichter: der Himalaya, die Wüsten, Flüsse und Monsunwälder sind nur ein Beispiel dafür. In dem meistbevölkerten Land der Welt nach China werden über 100 Sprachen gesprochen, modernste Technologie trifft auf Analphabetismus, extremer Reichtum und bittere Armut existieren nebeneinander. Die Natur gilt als schützenswert und dennoch gibt es an vielen Orten eine erschreckende Umweltverschmutzung. Um Indien wirklich kennen zu lernen, muss man sich Zeit nehmen und starke Nerven haben.

Delhi – der dreckigste Halbmarathon der Welt…

Nun mit dieser Bezeichnung lässt sich sicher keine gute Werbung machen. Aber es ist die Wahrheit: Die Hauptstadt Indiens hat die schlechteste Luft der Welt, selbst Peking kann mit Delhis Smog nicht mithalten. Als ich in Neu-Delhi lande, ist alles weiß-grau. Man sieht den Himmel nicht, auch die Sonne ist nicht zu entdecken und die Bäume sind so grau wie mein Pulli. Ich gehe trotzdem am nächsten Morgen raus, um eine Runde zu drehen – natürlich mit Maske, um mich wenigstens etwas zu schützen. Doch da ist außer mir weit und breit niemand zu sehen, der mit Maske läuft. Die Inder ergeben sich scheinbar ihrer Luft.

Durch die Stadt zu laufen ist gruselig, überall liegt Müll, an den Straßen ist es unübersichtlich und laut, es wird gehupt als gäbe es kein Morgen mehr, es herrscht eine totale Unordnung, und es stinkt. Das wird allerdings noch schlimmer, sobald man in die Nähe eines Flusses kommt. Ganz schön läuft es sich in den Parks. Hier kommt man etwas zur Ruhe, die Anlagen werden gepflegt und man trifft auf andere Läufer oder Inder, die ihre Gymnastik machen. Manchmal wird man auch von Lach-Yoga-Truppen überrascht.

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Mein Tipp: Nicht zu den Parks laufen, sondern sich mit einem Tuk Tuk oder Taxi hinfahren lassen, das kostet nicht viel und erspart eine Menge Stress. Ich bin kurz vor Diwali, dem „Lichterfest“, im November angereist, was lufttechnisch nicht die beste Zeit ist. Aber um diese Zeit sind die Temperaturen sehr angenehm. Wer keine Hitze mag, sollte zwischen Oktober und März nach Indien reisen, denn ab Mai wird es richtig heiß. Und was den „dreckigsten Halbmarathon der Welt“ betrifft: er findet auch nächstes Jahr wieder im November statt. Wer ohnehin im Lande ist, kann sich beim Airtel Delhi Half Marathon den rund 30.000 Teilnehmern anschließen, die größtenteils ohne Maske an den Start gehen.

Goa, Udaipur und Jaipur – Orte mit besonderem Charme

An den Stränden von Goa kann man abschalten und loslaufen, es ist schön und ruhig hier. Allerdings wird auch diese paradiesische Ecke immer mehr von Müllbergen erorbert, vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass immer weniger Touristen kommen. Ein besonderes Highlight ist sicherlich kein Laufevent, sondern das Sunburn Festival am Jahresende. Mich hat Udaipur sehr begeistert, ich war dort als das Lichterfest Diwali gefeiert wurde und habe viele interessante Eindrücke gesammelt. Hier ist es auch nicht so dreckig, es gibt tolle Laufmöglichkeiten, einen schönen See und einen schnuckeligen Stadtkern mit vielen kleinen Läden. An einem Morgen bin ich glücklicherweise in einem Zoo gelandet, als ich die Gegend läuferisch erkunden wollte. Hier gab es viele kleine Wege, gute Luft und der Ort war frei zugänglich für alle Menschen. Auch hier traf ich wieder auf andere Läufer, Walker und Frauen, die ihre Morgengymnastik machten.

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Wer Sehenswürdigkeiten und Laufen verbinden möchte, sollte nach Jaipur reisen. Es gibt Parks zum Laufen und die „pinke Stadt“ mit dem „Palast der Winde“ ist auch einen Besuch wert. Nicht weit entfernt, befindet sich eine Festung, die für mich am beeindruckensten war – das Fort Amber. Leider hatte ich keine Laufsachen dabei. Aber beim nächsten Mal werde ich hier ein schönes Treppentraining machen – allerdings sollte man dann früh am Morgen oder in den Abendstunden hier eintreffen und Feiertage meiden, denn dann kann es etwas überfüllt sein.

Bunt und vielseitig – Laufevents aller Art

Ob „10km Run for Trees“, „Mumbai Midnight Marathon“, „Pinkathlon Bangalore Womens Run“, „Goa Beach Run“ – über mangelnde Laufangebote kann man sich in Indien wirklich nicht beschweren. Bei meiner ersten Suche auf indiarunning.com /marathon-calender-2015 ergab sich eine riesige Auswahl an kurzen, längeren oder auch extremen Events. Am stärksten faszinierte mich dabei der North Face Kathmandu Ultra oder der La Ultra – „the world’s cruelest ultra“. Hier werden 333 km im Himalaya gemeistert. Mehr Infos dazu gibt’s hier: https://www.laultra.in

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Fazit

Indien fordert die Sinne, und zwar alle. Das Land hat mich schockiert – mit dem Müll und der Armut, den Massen an Menschen und der Umweltverschmutzung. Es hat mich aber auch begeistert – durch die bunten Farben, die schönen Naturimpressionen und die vielen interessanten Bauwerke. Wer nach Indien reist, sollte sich vorher gut mit dem Land auseinandersetzen. Denn viele Menschen, die ich in Deutschland kenne, haben ein ziemlich verzerrtes Bild von dem Land und erwarten eine von Bollywood, Yoga und Ayurveda geprägte „entspanne heile Welt“. Aber Indien ist ganz anders, es birgt Licht und Schatten. Es hat mich seelisch und körperlich an manche Grenze gebracht und daran erinnert, wie gut wir es in Deutschland haben. Ich werde wieder hinreisen. Es gibt noch viel zu entdecken!

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Kategorien : Erlebnisberichte & Events


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