In Part eins unserer Running Know-how Woche haben wir mal der Laufbekleidung genauestens auf die Faser geschaut und entdeckt, wie aus einer Jacke ein Wärmekraftwerk und aus einem Shirt ein Air Conditioner wird.

Laufbekleidung

Funktionelle Laufbekleidung ist “intelligent”. Sie soll in der kalten Jahreszeit wärmen, bei Hitze kühlen und – dank spezieller Membranen – vor Wind und Regen schützen. Sie soll dir aber auch das Gefühl geben, vor dem Lauf die richtige Wahl getroffen zu haben. Wenn du während des Laufes nicht mehr über dein Outfit nachdenkst, dann weißt du, dass du dich richtig entschieden hast. Wir haben uns die aktuellen Lauftextilien mal genauer angeschaut und sagen dir, was alles in ihnen steckt.

So bleiben wir auf Betriebstemperatur

Auch wenn wir zum Laufen als erstes unsere Beine und Füße brauchen, ist der Rest unseres Körpers nicht zu vernachlässigen. Um unseren Körper leistungsfähig zu halten, bevorzugt er eine konstante Temperatur von etwa 37° Celsius, die er durch Muskelkontraktionen (Zittern), dem Aufrichten der Körperbehaarung (Gänsehaut) oder Flüssigkeitsproduktion (Schwitzen) versucht aufrecht zu halten. Doch diese Vorgänge kosten Energie. Um diesen Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten, entwickelt die Industrie immer neue Materialien, die mit neuen Webtechniken und mit von der Natur abgeschautem Klimamanagement versehen werden.

Natur- oder Kunstfaser, das ist hier die Frage

Nke_2Warum werden in funktionellen Lauftextilien zum größten Teil Kunstfasern und keine Naturfasern verwendet? Kunstfasern haben den Vorteil, dass sie bei gleichen Bedingungen immer eine gleichbleibende Qualität und somit auch gleiche Eigenschaften haben. Sie sind leicht, recht formstabil und können auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen weiterverarbeitet werden. Im Sportbereich ausschlaggebend ist allerdings eine andere Eigenschaft: die Kunstfaser kann große Mengen Feuchtigkeit aufnehmen und auch schnell wieder abgeben. Eine Naturfaser wie Baumwolle nimmt zwar auch Feuchtigkeit auf, gibt sie aber deutlich langsamer wieder ab. Da viele Menschen aber den weichen Griff und das angenehme Gefühl der Baumwolle auf der Haut schätzen, bieten immer mehr Hersteller eine Kombination aus beiden Fasern an. Eine weitere Alternative ist aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften die Merinowolle. Sie sorgt auf ganz natürliche Weise für eine tolle Wärmeregulierung und erhöht den Tragekomfort beim Sport.

Kühlen, wärmen, atmen – wir Läufer haben vielleicht Wünsche

Die Schwitzfeuchtigkeit kommt mit der Innenseite unserer Laufbekleidung in Berührung – von hier wird sie vom Material aufgenommen und nach außen transportiert,  wo sie dann schnell verdunsten kann. Deshalb verfügen Lauftextilien über Fasern mit einem wasseranziehenden Mantel (hydrophil) und einen wasserabstoßenden Kern (hydrophob). Der hydrophobe Kern verhindert ein Vollsaugen des Materials. Die große Faseroberfläche führt zu einer starken Kapillarwirkung, sodass viel Schweiß nach außen abgeben werden kann.

Zurzeit arbeiten viele Hersteller mit der Body Mapping Technologie. Hierbei werden die besonders stark transpirierenden Körperzonen berücksichtigt. Unterschiedlich gefertigte Materialstrukturen und -dichten sorgen für ein optimales Körperklima. Der Körper wird so bei der Temperaturregulierung effizient unterstützt und muss selber eine geringe Energiemenge dafür aufwenden.

Nike hat zum Thema Body Mapping die spezielle Dri-Fit Contour Technologie entwickelt. Sie berücksichtigt, dass der Sportler während seiner intensiven Einheit nicht an allen Körperstellen gleich stark schwitzt. Bei Laufbekleidung mit der Dri-Fit Contour Technologie reagiert das Meshmaterial an besonders schweißintensiven Körperstellen. Es unterstützen die Ventilation und verhindern ein Überhitzen des Sportlers. Außerdem wird die Schwitzfeuchtigkeit zügig vom Körper weggeleitet, wo sie dann schnellstens verdunsten kann.

Nike Dri-Fit Contour

Wie ausgeklügelt gute Laufbekleidung ist, zeigt sich auch in der Winterzeit, denn hier muss der Läufer gut warmgehalten werden, darf aber auch nicht überhitzen. Wie das funktioniert, zeigt z.B. Mizuno mit der „Breath Thermo“-Technologie. Sie nutzt nämlich deinen Schweiß, um Wärme zu generieren. Textilien, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, bestehen aus zwei Schichten – der „Breath Thermo“-Faser und einer Funktionsfaser. Auf der Innenseite liegt die „Breath Thermo“-Faser, die den Schweiß aufnimmt und in Wärme umwandelt. Diese wird genutzt, um die Luft zwischen den Faserschichten zu erwärmen und so ein Polster zu schaffen, das den Körper warm hält.

Mizuno Thermo Breath

Immer wieder dieses Zwiebelschalenprinzip

Um die Wirkungsweise der „intelligenten“ Laufbekleidung  vor allem an kalten Temperaturen nicht einzuschränken, ist es wichtig, dass beim Sport alle Schichten aus funktioneller Faser bestehen. Hierbei greifen wir Läufer gerne auf das Zwiebelschalenprinzip zurück. Die unterste, körpernahe Schicht – eine funktionelle Sportunterwäsche –  führt die Feuchtigkeit vom Körper weg. Die mittlere Schicht dient der Wärmeisolation. Hier werden, je nach Außentemperatur, dünne Fasern bis hin zu Fleecestoffen eingesetzt. Die äußere Schicht schützt vor Regen und Wind, gibt aber den über unsere Haut freigesetzten Wasserdampf nach außen ab. Heutige Laufjacken mit Membranen bieten zudem einen hervorragenden Wind- und Wetterschutz. Früher wurde dieser Schutz mit einer reduzierten Atmungsaktivität erkauft, aber aktuelle Laufbekleidung kann da deutlich mehr und ist in der Lage – in der richtigen Kombination – ein optimales Körperklima für eine volle Leistungsfähigkeit aufrecht zu halten.

Immer mehr Hersteller produzieren ihre Textilien nach besonderen Umweltstandards. Ein Beispiel hierfür ist die Marke La Sportiva, die ihre Produkte nach Bluesign–Richtlinien produziert. Textilien die nach Bluesign-Regeln produzierten werden, schließen umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus.


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Kategorien : Bekleidung Equipment


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