Ein Bericht über Flachlandtraining, Höhenangst und die Vorfreude auf ein großes Abenteuer

von

daumenhoch

„Mama , guck mal, will die auf den Mond?“ Manche Reaktionen sind seltsam, wenn ich vollausgestattet durch den Ruhrpott laufe. Ich scheine mit meinen Stöcken, Trinkrucksack, Trailschuhen und Kompressionssocken nicht nur Kindern Angst zu machen – auch Hunde meiden mich beim Laufen nun eher. Wenn ich dann erkläre, was ich vorhabe, ist entweder das Gelächter groß oder die Augen. „Im Ruhrpott für einen Alpenlauf trainieren? Ist das nicht ein bisschen verrückt?“ Ja, kann sein – aber es ist nicht unmöglich. Ich habe mich auf den Halden, Treppen, Waldschneisen und mit Krafttraining vorbereitet und bin bereit auf das große Abenteuer meines Läuferlebens. Schon am Wochenende werde ich zusammen mit meinem französischen Teampartner Thibaud ca. 293 Kilometer und fast 16.000 Höhenmeter in 3 Ländern erlaufen. Ich freu mich und bin extrem aufgeregt!

Wie trainieren ein Franzose und eine Ruhrpottlerin für einen 8-tägigen Berglauf?

treppe„Mach doch einfach 4 x 80 Kniebeugen!“ Mein Teampartner Thibaud hat manchmal komische Ideen. Er kann auch mal 1,5 Stunden am Stück dehnen oder läuft an 3 Tagen 180 Kilometer. Aber er kennt Bergläufe und hat schon an einigen krassen Trailevents teilgenommen. Er hat also deutlich mehr Erfahrung. Noch dazu kommt aber sein Vorteil, in Karlsruhe zu wohnen – da hat er zumindest „ein paar Hügel“ in der Nähe und ist innerhalb weniger Stunden in den Bergen. Bei mir sieht das anders aus: Ich wohne im Flachland. Am Anfang las ich mehrere Erfahrungsberichte, führte viele Gespräche mit Vorbildern und erfahrenen Trailläufern. Dann nahm ich mir einen Plan und habe ihn für mich optimiert. Neben Treppentraining und Haldenläufen war ich auf dem Laufband um Steigungen zu imitieren. Zusätzlich sorgten Langhanteltraining, Übungen mit Schlingentrainern sowie viele Kniebeugen und Ausfallschritte für die Kraft, die ich brauche. Um meine Höhenängstchen in Angriff zu nehmen war ich ab und zu klettern. Ich verlasse mich also optimistisch auf meine mentale Stärke und die etwas alternative Art der Vorbereitung. Meine Trainingseinheiten im Allgäu und der Wander/Running-Urlaub auf Kreta haben Spaß gemacht – mir aber auch großen Respekt vor der Höhe verliehen. Ich habe die optimale Ausrüstung und viel Unterstützung von Salomon, Ultra Sports, Physiomed und natürlich RUNNERS POINT. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber jetzt soll es auch endlich losgehen! Mama würde jetzt sagen: „Mit Geduld hat es die Schnecke in die Arche geschafft!“ Ich bin nicht geduldig…

Wie sieht die letzte Woche vor so einem Lauf aus?

Nun heißt es jeden Tag:

  • 250ml rote Beete Saft auf nüchternen Magen
  • Eine Stunde mehr Schlaf als gewöhnlich
  • Training anpassen und reduzieren
  • Ein Besuch bei der Podologin, um die Füße zu verwöhnen und vorzubereiten
  • Eine Hirsemahlzeit pro Tag mit Hanfnüssen, Quark, Obst, Leinsamen und Nüssen
  • Keine Limonade und keine Weißmehlprodukte und kein Zucker mehr
  • Ein Besuch bei meinem Betreuer und Physiotherapeuten Hems in Dortmund, damit ich aufrecht und ohne Dysbalancen nach Ruhpolding fahren kann
  • Tägliches Faszientraining auf der Rolle
  • Entspannungs- und Dehneinheiten auf der Matte
  • 1 Löffel Ackerschachtelhalm täglich
  • Einmal ins Wasser zum Aquajoggen
  • Das Rennen in Gedanken durchspielen, Sachen zurecht legen und die Vorfreude genießen

Der Franzose ist bereit!

abendbrotThibaud ist anders als ich – er plant seine Wettkämpfe oft schon ein ganzes Jahr vor und ist sehr strukturiert. Wie er sich seit der Nominierung vorbereitet hat? „Na, da ich schon im März einen festen Laufplan für 2014 hatte, habe ich den einfach weiter verfolgt.“ Thibaud fuhr also wie geplant im Juni ins Trail-Mekka Chamonix, um dort Bergerfahrung sowie Höhenmeter zu sammeln. „Ich habe das herrliche Wetter genossen und bin 7 Tage lang jeden Tag auf neuen, technischen Strecke gelaufen. Die Laufgeschwindigkeit spielte dort keine Rolle. Hauptziel war es, lange unterwegs zu sein. Unmittelbar nach dem Training bin ich drei Ultras innerhalb von drei Wochen gelaufen: Zugspitz Ultra Trail, Lavaredo Ultra Trail und Montagn’hard. Ich konnte erfolgreich alle drei Läufe finischen und fühlte mich damit bereit für den Transalpine-Run.“ Danach nahm er sich zwei Wochen Erholung und in den letzten Wochen standen dann noch Bergtraining, lange Einheiten sowie Stabi- und Dehnübungen auf dem Plan. „Und da das Wetter nicht so schön war, konnte ich mich auch psychologisch auf Dauerregen und starken Wind vorbereiten. Heute fühle ich mich fit für den Transalpine-Run.“ Na dann – der Franzose ist bereit.

Seid ihr dabei ?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich begleitet! Denn ab Freitag (dem 29ten August) werde ich regelmäßig im Blog über das Abenteuer berichten und euch mit Bildern und Videos von allen Freudentränen, allem Zoff, Schmerz und den vielen lustigen Mitstreitern versorgen. Ich werde mit Kamera durch die Berge rennen und bin sehr gespannt auf alle zwischenmenschlichen und sportlichen Herausforderungen.

Ach, übrigens Mädels: 2 Wochen nach dem TAR findet ein echt cooles Event statt: der Viking Women`s Trail! Da heißt es Berglaufen, Entspannen, leckeres Essen und viel Spaß und Erholung in den Bergen.

Hier findet ihr alle Informationen zum Transalpine Run.


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Viel Erfolg! Ich bin gespannt auf die Berichte! Das mit dem Zucker ist hart…. bin ohne Nutella morgens nicht ansprechbar. 😉

Das mit der Schnecke und der Arche Noah finde ich originell – grüß Deine weise Mama von mir und vergiss bei allem Stress und Einsatz das Wichtigste nicht! Der „alte Wolf“

Alles Gute, Bitha! ich denk an dich!

Hey Tabi, ich wünsche Dir viel Erfolg und vor allem Spass! Toll was Du so alles machst 😉

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