Stress ist der Auslöser vieler Volkskrankheiten. Woher kommt eigentlich Stress? Mache ich den selbst? Und wie gehe ich am besten mit Stressfaktoren im Alltag um? Ein wirksames Mittel: Laufen – und zwar mit der richtigen Einstellung!

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„Morgen ist meist der stressigste Tag der Woche“ – so sagt man in Spanien. Das Land der Siesta und der Sonne hat zwar einige Probleme, der Stress allerdings ist eher eine für uns Deutsche typische Eigenschaft. Beim Leisten von Überstunden sind die Deutschen europaweit vorne und für jeden fünften Deutschen ist Stress laut einer Studie schon ein Dauerzustand. Dabei ist Stress für uns Sportler nicht unbedingt schlecht: „Wir haben gelernt, dass der wirkliche Feind von Hochleistungen nicht Stress ist. Paradoxerweise ist Stress sogar der Anreiz für Wachstum. Das eigentliche Problem ist das Fehlen von disziplinierter, regelmäßiger Erholung.“ (Loehr und Schwartz – The Making oft he Corporate Athlete – Harvard Business Review). Es ist also der Umgang mit Zeitdruck, Erwartungen und Prioritäten, der entscheidet, ob der Stress uns beschleunigt oder ausbremst. Jeder geht anders mit Belastungen um: Die einen fangen an, viel Süßes zu essen, andere gehen an die frische Luft. Laufen ist ein guter Stresskiller, das zeigen einige Studien. Vor allem im Wald, Park oder am Meer wirkt der Sport entspannend. Aber Laufen kann auch stressen – wenn wir uns zu hohe Ziele setzen, nur noch auf die Uhr schauen und unseren Wert von Zeiten abhängig machen.

Was tun?

Laufen gegen Stress 1Bei dem einen schlägt der Stress auf den Magen, bei dem anderen auf den Kopf oder Rücken. Wichtig ist, sich nicht mit Schmerztabletten und weiteren Terminen vollzustopfen, sondern sich den Ursachen zu stellen und nach Lösungen zu suchen. Wir stehen unter permanenter Reizüberflutung: Handy, Radio, TV – es gibt kaum noch Ruhe in unserem Alltag. Daher Tipp Nr. 1: Gib dir 5 Minuten am Tag die totale Ruhe und lege dich mal ohne Beschallung und Nebenbeschäftigung auf den Wohnzimmerboden oder eine Wiese. Wie lange hältst du die Stille aus?

 Gestresster Magen

„Magengeschwüre bekommt man nicht von dem, was man isst, man bekommt sie von dem, wovon man aufgefressen wird.“ (Mady Mary W. Montagu). Ein Stück roher Ingwer schmeckt zwar etwas scharf, beruhigt aber den Magen, auch vor dem Wettkampf!

Das „eingeschnürte-Brust-Gefühl“

„Stress ist, wenn sich ein Elefant auf deine Brust gesetzt hat.“ (Pascal Lachenmeier). Gib dir für die nächste halbe Stunde das Verbot, an den Stressfaktor zu denken, zieh deine Laufsachen an, mach dich auf den Weg zu deinem Lieblingsplatz im Wald oder Park. Leg dich auf eine Wiese, schließe die Augen und atme 10 x tief ein. Dann steh auf und laufe weiter – ohne Zeitdruck, ohne Musik.

Leistungsdruck

„Der meiste Stress im Leben kommt daher, daß man sich gezwungen meint, in Konkurrenz zu anderen sich zu denken, statt mit Spaß und Freude seine Sache zu betreiben.“ (Matthias Pleye). Also vergiss heute mal deinen Trainingsplan, die Erfolge deiner Trainingskollegen und die anvisierten Ziele. Lass die Uhr zu Hause und laufe einfach mal nach Gefühl eine ganz neue Strecke. Dein Wert ist nicht von deiner Bestzeit abhängig!

Morgen, morgen, nur nicht heute!

„Die beste Motivation ist das eigene Wollen“ (Olaf Dohmen). Wie oft haben wir uns vorgenommen, Dinge zu ändern: Endlich weniger Überstunden machen, mehr Schlafen oder regelmäßig laufen. Und es stresst uns, dass wir es bisher nicht geschafft haben. Meist lässt man sich von Startschwierigkeiten abschrecken, denn aller Anfang ist oft schwer. Die Erfolge kommen nicht so schnell, wie wir es gerne hätten. Wir brauchen 2-3 Wochen, bis der Körper sich an Umstellungen zu gewöhnen beginnt. Da hilft also nur: Durchhalten, sich verbindlich Ziele setzen oder „Leidensgenossen“ suchen.

Vorbeugung, Bewältigung und Minderung – was Sport alles kann

Ein Erfahrungsbericht von

Laufen gegen Stress2Der Sportpsychologe Reinhard Fuchs von der Universität Freiburg (Institut für Sport und Sportwissenschaft) hat mit Kollegen eine Studie zum Thema „Sport und Stressbewältigung“ gemacht und dabei herausgefunden, dass man mit sportlicher Betätigung nicht nur Stress besser bewältigen kann, sondern ihn sogar vorbeugen kann. In dieser Studie wurde festgestellt, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, dem Stress mehr entgegenzusetzen haben und so gelassener mit ihm umgehen können. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: Als Kind und Teenager habe ich viel Fußball gespielt. Zwei- bis dreimal die Woche ging es zum Training und am Wochenende zum Spiel. Auch in den Schulpausen und in der Freizeit haben wir so oft wie möglich gebolzt. Eine Freizeitbeschäftigung und ein Hobby als Ausgleich zum Schul- und Ausbildungsstress. Dann war ich einige Zeit sportfaul, verletzt und träge. Danach war Sport für mich stressig. Ich musste mich aufraffen, mich bewegen, mich quälen. So etwas kann doch keine Stressbewältigung sein. Wo kommt dieser große Schweinehund her? Erst als der Sport für mich wieder zur Routine wurde, spürte ich, welchen positiven Einfluss dieser physisch und psychisch auf mich hat. Mittlerweile freue ich mich fast immer auf meine Schwimm-, Rad- oder Laufeinheit. Manchmal macht mir das Training keinen Spaß, aber meistens bin ich dann doch froh, wenn ich mich bewegt habe. Sicher, der Schweinehund ist immer dabei, aber warum sollte ich mich von ihm hetzen lassen?

Morgens ist mein Training ein toller Start in den Tag. Frisch und aufgeweckt beginne ich so den Tag. Und wenn ich abends unterwegs bin, dann kann ich prima abschalten und den Tag abschließen. Bewegung jeglicher Art gehört zu meinem Leben und nach einigen „faulen“ Tagen werde ich sogar im Urlaub rastlos. Klettern, Wandern, Sightseeing – Abwechslung gibt es zuhauf. Und gerade die Abkehr von der Eintönigkeit bietet einen großen Reiz, der mich antreibt. Und diese Abwechslung, die Bewegung, die sportliche Betätigung gibt mir Ruhe und Gelassenheit für den Alltag. Ich spüre ein höheres Maß an Gelassenheit, wenn ich trainiert habe – ganz egal, wie lange die Einheit gedauert hat. Was bei mir funktioniert, muss aber nicht 1-zu-1 übertragbar sein. Auch ich habe lange gebraucht, um meinen Weg einzuschlagen und dem Stress ein Schnippchen zu schlagen. Und ganz wichtig: Der Weg geht immer weiter voran – also werde ich ihn gehen, laufen, radeln!

Sport erhöht die Lebensqualität

Ein Erfahrungsbericht von

In meiner Kindheit bestand Sport nur aus Fußballspielen. Wenn es draußen regnete, flossen bei mir entweder die Tränen oder in Abwesenheit meiner Eltern wurden die Möbel verschoben und das Spielfeld in unser Wohnzimmer verlegt. Diese Aktion zog nach der Rückkehr meiner Erziehungsberechtigten (aufgrund von zerschossem Porzellan oder Kratzer auf dem Boden) meist großen Ärger nach sich.

Gelaufen wurde freiwillig, zu dieser Zeit, immer nur mit Ball. Zu meinem Unverständnis gab es aber auch Trainingseinheiten, bei denen der Ball im Spielgeräte-Schrank bleiben musste. Dann standen unzählige Platzrunden an, bei denen ich ständig meine Schuhe neu schnürte, um so die eine oder andere Runde weniger laufen zu müssen. Wenn heute meine ehemaligen Fußballkollegen von meinen Marathon- oder Ultraläufen lesen, dann sorgt dies für erstaunte Gesichter.

Laufen gehört mittlerweile zu meinem Leben, fast so wie Essen und Trinken. Viermal in der Woche sollte es schon sein! Gerade beruflichen Stress kann ich hiermit reduzieren oder im besten Fall ganz verschwinden lassen. Im Gegensatz zu meinem zweiten sportlichen Hobby – dem Tennisspielen – muss ich mich beim Laufen nicht einem Wettkampf stellen und auf Sieg spielen, was dann ja auch wieder Stress verursachen kann. Natürlich gibt es Tage an denen mir die Lust am Laufen fehlt, trotzdem mache ich mich dann auf den Weg und in den meisten Fällen komme ich auch entspannt wieder Heim. Für einen guten Einstieg in den Tag laufe ich im Sommer gerne morgens eine Stunde locker vor der Arbeit. Ein schöner Sonnenaufgang und das Erwachen der Natur in Form von zwitschernden Vögeln und um die Wette springende Hasen lassen meine Dopamin-Produktion auf Hochtouren laufen. Nach einer Dusche und einem guten Frühstück beginne ich den Arbeitstag mit einer positiven Stimmung. Ob morgens, in der Mittagspause oder abends nach der Arbeit, wann das Laufen für dich zum Stresskiller wird, musst du einfach ausprobieren.


Kategorien : Gesundheit Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


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