Andi Böcherer (li) und Sebastian Kienle (re)

Andi Böcherer (li) und Sebastian Kienle (re)

Was machen Profis anders, wie sehen sie die Zukunft und was sagen sie zum Thema Doping? Wir haben die beiden deutschen Triathleten Andi Böcherer (Europameister Ironman 70.3) und Sebastian Kienle (3. Platz Ironman WM Hawaii) bei ihrem Vortrag in der World of Running in Dortmund getroffen und interviewt.

Wie schafft man es, drei Sportarten zu machen und trotzdem noch zu regenerieren?

Sebastian: Indem man sonst nicht mehr so viel macht. Spaß beiseite, wichtig ist natürlich eine gute Planung und auch ein gutes Team, das einem ein paar Sachen abnehmen kann. Dazu kommt, dass der Körper natürlich auch schneller regeneriert wenn man fit ist.

Andi: Triathlon ist eine Sportart und nicht drei. Deshalb wird ein Triathlet auch nie die Leistung in einer Teildisziplin erreichen, die ein reiner Schwimmer, Radfahrer oder Läufer erreichen kann. Deshalb heißt die Devise: Mut zur Lücke!

Für uns ist es unbegreiflich, wie man unter 8 Stunden eine Langdistanz finishen kann – geht da wirklich alles mit rechten Dingen zu?
Wann fängt eurer Meinung nach Doping an?

Sebastian: Es ist sicher ein Fehler, nur durch gute Leistungen auf Doping oder Manipulation schließen zu wollen. Triathlon ist eine der wenigen Sportarten, bei der sich Hobbyathleten direkt mit Profis vergleichen können. Das ist natürlich kaum möglich, da die Voraussetzungen völlig unterschiedlich sind. Ich weiß, dass im Triathlon unter den Profis eine Stimmung herrscht, die Manipulation nicht duldet. Das ist am Ende das Wichtigste. Doping beginnt oft schon mit Dingen, die nicht auf der Verbotsliste stehen, einen aber zu diesen Mitteln hinführen.

Kienle und Böcherer2Andi: Ich habe es zwar noch nicht geschafft, war aber nah an der 8-Stunden-Marke dran. Ich denke, das ist mit guter Vorbereitung und einer guten Portion Glück (Rennverlauf, Wetter, Strecke,…) mit lauteren Mitteln absolut machbar.
Wann fängt Doping an: Wenn andere Methoden als hartes Training, gute Regeneration und gutes Essen im Spiel sind, die die gegebene Leistungsfähigkeit oder Regenerationsfähigkeit übernatürlich erhöhen. Und schlichtweg ein Verstoß gegen die bestehenden Anti-Doping-Regeln.

Was ist dein Ansatz: Lieber Stärken stärken oder Schwächen beseitigen?

Sebastian: Das eine tun ohne das andere zu lassen – eine der fundamentalen Herausforderungen in unserem Sport.

Andi: An den Schwächen arbeiten und die Stärken weiter ausbauen.

Muss man sich als Profi anders ernähren? Bist du noch Kohlenhydrat-Junkie oder isst du auch schon 14 Eier pro Woche?

Sebastian: Weder noch, die Mischung macht’s. Eine möglichst große Vielfalt ist wichtig. Dazu kommen natürlich noch ein paar Tricks, um die Regeneration zu beschleunigen. Wie z.B. nach dem Training möglichst schnell KH und Proteine in einem bestimmten Verhältnis zuzuführen.

Andi: Jeder sollte versuchen zu spüren, was sein Körper gerade braucht. Nach hohen Intensitäten sollte eine Mahlzeit kohlenhydratlastiger ausfallen, nach ruhigerem Training dürfen es dafür mehr gutes Fett und Proteine sein. In jeder Mahlzeit sollten Kohlenhydrate, Proteine und Fett enthalten sein, da jeder Baustein an sich für den gesunden Körper lebensnotwendig ist. 14 Eier pro Woche schaffe ich locker 😉

Kienle FahrradIhr seit ja Tüftler was das Material betrifft, wie weit geht die Materialschlacht noch?

Sebastian: Immer weiter, aber die Fortschritte werden natürlich immer kleiner. Das ist ja auch einer der Reize unserer Sportart.

Andi: Das Schöne ist doch, dass es kein Ende gibt. Es wird immer irgendwas neues Innovatives geben, Triathleten sind und bleiben immer Spielkinder.

Was denkst du wie die Triathlon-Welt in 10 Jahren aussieht – was wird sich verändert haben?

Sebastian: Puh…gute Frage, es gibt sicher mehr deutlich kürzere Rennen, um den Sport interessant fürs Fernsehen zu machen. Langdistanz bleibt aber Langdistanz. Ich denke, dass der Sport weiter so gesund wachsen wird wie in den letzten Jahren. Die meisten Leute bleiben bei dem Sport, es ist mehr als eine einmalige Sache.

Andi: Sicher wird es mehr große Stadttriathlons wie Heilbronn oder Hamburg geben, aber ich hoffe, dass auch die ursprünglichen, kleinen Rennen, die vornehmlich ehrenamtlich von kleinen Vereinen organisiert werden, weiter existieren können. Sportlich wird es an der Spitze immer enger werden, Ausgeglichenheit in allen drei Disziplinen wird immer wichtiger sein.

Wo siehst du dich selbst in 20 Jahren?

Sebastian: Mit Familie und hoffentlich immer noch sehr fit. Und in einem Job, der mir ähnlich viel Spaß macht wie der jetzige

Andi: Hoffentlich noch gesund und sportlich aktiv, jedoch abseits der Wettkampfstrecken.

Wie beurteilst du die teilweise konfusen Rennserien und Punktesysteme?

Sebastian: Ich finde das Kona Pro Ranking (KPR) nicht schlecht. Und auch verschiedene Rennserien sind gut. Der Sport gehört den Amateuren, für die ist es wichtig, dass es Konkurrenz gibt auf dem Markt, sonst leidet die Qualität!

Andi: Ich möchte das nicht beurteilen: Das alles sind nur Angebote, die man annehmen oder ablehnen kann. Konkurrenz belebt aber das Geschäft.

Was nimmst du dir fürs nächste Jahr vor und was wirst du anders machen als in 2013?

TriathlonteamSebastian: Ich will wieder einen Schritt weiter nach vorne kommen. Ich habe gesehen, dass es immer noch großes Potential gibt. Das will ich in 2014 auch nutzen.

Andi: Mein Wunsch ist es, in Topform bei der Ironman 70.3 WM und der Ironman WM an den Start zugehen. Mein Ziel ist es, meinen 8.Platz in Kona von 2011 zu verbessern. Das möchte ich erreichen, indem ich mehr Spaß in Training und Wettkampf habe und größeren Fokus auf die Regeneration lege.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!


Kategorien : Erlebnisberichte & Events Rund um Sport, Fitness und Lifestyle


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