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„Wie kommt es, dass du heute so weit hinten bist?“

Heute Morgen wusste ich nicht mehr, welchen Wochentag wir haben, aber ich weiß: es ist die sechste Etappe und ich werde heute vor allem mit mir selber kämpfen, weil mein Fuß nicht mehr so funktioniert wie gewohnt. Thibaud hat auch Fußschmerzen und Rückenprobleme von gestern. Aber wir sind noch dabei und werden es langsam angehen. Thibaud ist sich sicher, dass heute einige Teams ausscheiden, weil die Zeitlimits bis zur letzten Verpflegungsstation eng sind. Wir haben also den Plan, Vorsprung aufzubauen, falls es irgendwo eng wird – bei 38,5 Kilometern und 2 Bergen sowie 2200 Höhenmeter kann viel passieren.

Meine französische Lokomotive und ich beim ersten Anstieg

Meine französische Lokomotive und ich beim ersten Anstieg

Bergauf geht es heute ganz gut, ich bekomme immer mehr Spaß daran und komme auch ohne Hilfe von Thibaud gut die Berge rauf. Allerdings bin ich auf geraden Abschnitten und bergab deutlich langsamer als sonst. Wieder ist es ein großer Spaß mit all den lustigen Typen auf der Strecke und an der Strecke. Eine Frau sehen wir jeden Tag irgendwo auf dem Weg, sie ist immer fröhlich und motiviert alle Teams , bei jedem Wetter – das finde ich großartig. Ich freue mich immer, wenn ich sie oder die Helfer an den Verpflegungsstationen sehe.

Bei der letzten lasse ich Eis auf mein Schienbein sprühen. Ich habe die Hoffnung, dass die letzten Kilometer bergab einfach werden. Allerdings kam heute die Ernüchterung genau dort – ich musste die letzten 3,5 Kilometer gehen. Es war zwar nicht schlimm, weil wir jede Menge Zeitpuffer – entgegen Thibauds Befürchtung – gesammelt hatten, aber es war sehr beschämend, weil Leute an mir vorbei liefen, denen ich normalerweise davon laufen würde. Immer wieder wurde ich gefragt, was los sei und warum ich so weit hinten bin im Vergleich zu den letzten Etappen.

Atemberaubende Panoramen - dafür laufe ich, auch wenn es manchmal schmerzt!

Atemberaubende Panoramen – dafür laufe ich, auch wenn es manchmal schmerzt!

Ich merke, dass es an meinem Stolz kratzt, aber eigentlich ist es eine gute Lektion. Es ist schmerzhaft, an seine Grenzen zu kommen, eine Verletzung zu haben und zu merken, dass es nicht so geht wie sonst. Es tut dem Ego weh – aber es ist auch heilsam. Ich bin keine Maschine und ich habe Grenzen, auch wenn ich das nur schwer einsehen will. Obwohl ich bisher immer angekommen bin, heißt es nicht, dass es immer so bleibt. Es ist ein Wunder, dass ich bei dem Wetter, der wenigen Erfahrung im alpinen Trail sowie der Krankheit im Vorhinein bisher gut durchgekommen bin.

Wellness fürs Bein - Zeit zu essen und zu bloggen!

Wellness fürs Bein – Zeit zu essen und zu bloggen!

Von fast 300 Teams sind nur noch 205 im Rennen. Wir haben die 6. Etappe geschafft. Ob es morgen weiter geht, entscheiden Hems und ich in der Frühe. Wenn mein Bein noch weh tut und ich nicht schmerzfrei bergab laufen kann, werde ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Wettkampf abbrechen.

Ich hoffe auf ein Wunder. Bis morgen.


Kategorien : Erlebnisberichte & Events


Hallo Tabitha,
es ist zwar sehr schade zu hören, dass es Dir nicht gut geht, aber ich denke, dass konnte man immer wieder zwischen den Zeilen lesen.Wir alle haben mitgefiebert und gehofft, dass es immer noch ein wenig weitergeht. Aber es ist absolut menschlich zu sagen, es geht nicht mehr, mein Körper schafft das im Moment nicht. Das wäre keine Schade!
Mit persönlich hat Dein Leistungswille und deine Kraft sehr viel gebracht, dafür jetzt schon vielen Dank, ich habe wieder Motivation.

Ich drücke Dir natürlich die Daumen, dass es weiter geht, aber wünsche Dir auch, dass Du im Falle eines Falles die nötige Kraft aufbringst, zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Aufgeben im Sinne der Gesundheit zeigt eher Stärke als Schwäche. Aber noch hoffe ich natürlich mit Dir! Respekt für die bisher erbrachte Leistung und Deine motivierenden Berichte!

Tabitha, wir sind bei dir und denken an dich! Du wirst es schaffen und diesen Lauf fröhlich zu ende bringen. Thibaud wird dich auch morgen wieder über die Etappe schieben und dann ist es ja auch schon geschafft. Wir wünschen dir viel Kraft und Ausdauer, und halte die Ohren steif!!

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